„irgendwas mit Gedächtnis“

du erzählst Menschen Geschichten aus deinem Leben, um sie vergessen zu können. du erzählst Menschen Geschichten aus deinem Leben, um sie vergessen zu können, aber ohne, dass du das weißt. du erzählst Menschen, auch Menschen, die du noch nicht lange genug kennst, Geschichten aus deinem Leben, um sie vergessen zu können, aber ohne, dass du das weißt. du erzählst Menschen, auch Menschen, die du noch nicht lange genug kennst, Geschichten aus deinem Leben, die eigentlich keinerlei Relevanz besitzen, um sie vergessen zu können, aber ohne, dass du das weißt.
ja, das ist ein guter Anfang: du erzählst Menschen, auch Menschen, die du noch nicht lange genug kennst [vielleicht sogar nur Menschen, die du noch nicht lange genug kennst], Geschichten aus deinem Leben, die eigentlich keinerlei Relevanz besitzen [und die du deshalb vergessen haben wirst], um sie vergessen zu können, aber ohne, dass du das weißt [zumindest wusstest du es nicht, bis dich einer dieser Menschen, die du inzwischen doch schon etwas besser kennst, wieder daran erinnert hat].
er war zutiefst erstaunt gewesen über dein „das hab sogar ich vergessen“, war vielleicht sogar empört von deinem ernsthaften Lachen, denn dieser Mensch hat ein sehr schlechtes Gedächtnis, dieser Mensch hat quasi überhaupt kein Gedächtnis, er hat ein Gehirn, aber kein Gedächtnis, er merkt sich alles nur fragmentarisch, peripher, er weiß zum Beispiel, dass er unlängst jemandem erklären musste, was der Unterschied zwischen Gehirn und Gedächtnis ist, er weiß, dass er erklärt hatte, dass man ein Gehirn haben könne, dass man ein Hirn haben könne, ohne gleichzeitig auch ein (gutes) Gedächtnis zu haben, dieser Mensch erinnert sich daran, diesen Sachverhalt einem anderen Menschen nähergebracht zu haben, aber wer dieser andere Mensch gewesen ist, das weiß dieser Mensch, das weiß unser neuer Mensch nicht mehr, oder nicht, er weiß es nicht, vielleicht wusste er es auch niemals, vielleicht bildet er sich die gesamte Szenerie lediglich ein, vielleicht existiert sie wirklich nur in seinem gedächtnislosen, aber hirnbefüllten Kopf, vielleicht kam sie in seinem letzten Traum vor, an den er sich nicht erinnern kann, an den er sich nicht erinnern konnte, bevor ihm diese Szenerie eingefallen war, oder an den er sich immer noch nicht erinnern kann, wenn diese Szenerie ihren Ursprung nicht im Land der Träume hatte, sondern im Land der Realitäten, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, im Land der Grenzzäune und Zaunfarben, im Land der Lacke und Hosen, im Land der Wahnvorstellungen und Wahnwitzigkeiten, im Land des Wahnsinns, im Land der Gefühle und Erregungen, im Land der Spiegel und Spiegelreflexkameras, im Land der Sprachen, im Land der Universen, im Universum der Sprachen; dieser Mensch, dieser unser neuer Mensch würde, wenn er einen solchen Satz schriebe wie er hier geschrieben steht, gehen wir einfach einmal davon aus, dass unser neuer vergesslicher Mensch, unser hirnvoller aber gedächtnisloser Mensch diesen Satz hier schreibt, dass er ihn schriebe, ja, wenn er ihn denn tatsächlich schriebe wäre er über die Maßen verwirrt, wäre er unendlich und sehr und übermäßig verwirrt, wäre ziemlich durch den Wind und würde sich nicht auskennen, würde sich nicht mehr oder hätte sich gar niemals ausgekannt, der Satz, dieser Satz hier, dieser sinnige Satz hier würde ergo demnach keinen Sinn ergeben und keinen Sinn haben und wäre völlig frei und ohne und außerhalb jeglichen Sinnes, denn wenn dieser Mensch, dieser unser neuer Mensch einen derartigen Satz schreibt, der so lang ist, so ganz ohne Punkt, nicht ohne Kommata, im Gegenteil, ohne Punkt, aber dafür mit umso mehr Komma, also ohne Punkt aber Komma, wenn unser neuer Mensch einen solchen ohne-Punkt-aber-Komma-Satz schriebe, wie er hier geschrieben steht, so wäre er total verwirrt, wäre geistig umnebelt und umnachtet und im allergrößten, riesigsten, unendlichsten Sprachlabyrinth gefangen, wüsste nicht ein noch aus noch raus noch rein, noch wüsste er, wie weiter, wohin, woher, wovon, und so weiter, und somit ist es, denke ich, somit kann man mit einiger Sicherheit sagen, somit kann ohne Zweifel, zweifellos also, somit kann zweifellos festgestellt werden, dass der Mensch, der diese Zeilen schreibt, nicht derselbe Mensch sein kann, der ein paar Zeilen weiter oben beschrieben wurde, dieser neue, andere, eine, gedächtnislose, wenngleich hirnvolle Mensch, dieser gehirnvolle, gehaltvolle, dieser oben beschriebene Mensch gleicht dem schreibenden, dem denkenden, dem viele, sehr viele Kommata aber keine, fast keine Punkte setzenden Menschen überhaupt nicht, sie sind alles andere als ein und dieselbe Person, sie sind grundverschieden und komplett anders, würden sich in keinem einzigen Wesenszug ähneln, wenn man sie denn vergliche, in einer Excel-Tabelle, wenn man alle ihre Eigenschaften in einer Excel-Tabelle auflisten würde, gäbe es null Überschneidungen, niente, nada, rien, nothing, keine einzige, nicht das winzigste Fuzelchen an einer Überscheidung gäbe es, auf der Wortebene selbstverständlich, die Buchstaben, ja, die Buchstaben würden sich allemal überschneiden, die Buchstaben müssten ja die gleichen sein, die Buchstaben könnten nichts anderes tun als sich zu gleichen, für sich betrachtet, das wäre ja gänzlich – gut, gänzlich nicht, aber quasi – unmöglich, zwei verschiedene Alphabete für diese zwei Menschen zu nehmen, zu erfinden, zurate zu ziehen, nein, das ist nicht notwendig, sie teilen sich zwar nicht dieselben Wesenszüge, nicht einmal eine Eigenschaft gleicht sich bei ihnen, keine einzige, und auch die Sprache ist eine andere, der Mensch, der diese Zeilen schreibt spricht nicht unbedingt dieselbe Sprache wie der Mensch, über den der Mensch, der diese Zeilen schreibt, die letzten Zeilen geschrieben hat, nicht notwendigerweise teilen sie sich eine Sprache oder eine Sprachfamilie, also teilen sie sich zwangsläufig auch nicht dasselbe Alphabet, jedoch kann man wohl mit einiger Sicherheit sagen, dass sich die beiden doch immerhin die Schriftzeichen teilen, wenn schon nicht ihre Charakterzüge; die Schriftzeichen teilen sie sich also, nicht alle selbstverständlich, nur manche, den Großteil wahrscheinlich, aber es wird in jeder Sprache des einen auch Buchstaben geben, die in der Sprache des anderen nichts verloren hätten, ja die sogar vielleicht keinerlei Bedeutung entfalten könnten, selbst wenn sie es wollten, die eventuellerweise gar völlig fremd erscheinen würden für den einen, oder den anderen, je nachdem, wessen Schriftzeichen gerade betrachtet werden – aber zurück zu unserer Excel-Tabelle, zu ihrer Excel-Tabelle, zu der Excel-Tabelle, in der die Eigenschaften beider Menschen aufgelistet sind und wären, zurück also zu dieser Excel-Tabelle, die ein weiterer Beweis dafür ist – nicht, dass ein weiterer Beweis nötig wäre –, dass die beiden Menschen nicht ident sind, dass sie nicht identisch sein könnten, der Schreiber dieser Zeilen und der Vergesser der vorigen Zeilen, denn wären sie es, wären sie – einfach nur rein hypothetisch gesehen, nur für den theoretischen Fall, für das Experiment, für die Beweisführung, sie sind es nicht, aber rein als Gedankenspiel: tun wir einmal so, als wären sie – ein und derselbe Mensch, ein und dieselbe Person, wären sie das unmögliche, dann wären sie, ja, genau, eben das, dann wären sie unmöglich! denn wie wir bereits wissen, wie schon ausreichend dargelegt und beweisgeführt und bewiesen und veranschaulicht und beschrieben wurde, hat der eine Mensch, der zuerst beschriebene Mensch, der zuerst vorgestellte Mensch, kein Gedächtnis, hat also, hätte also, hat und hätte also keinerlei Erinnerung an seine Beschreibung, an seine Erwähnung, an die Erwähnung seiner selbst, was logischerweise beim anderen, kalkulierten, wissenden, man möchte fast sagen allwissenden, was also beim schreibenden, wunderbaren, klugen, gewieften, gedächtnishaften, erinnerungsvollen Menschen selbstverständlich nicht so ist – hiermit sollten nun auch die letzten Skeptiker überzeugt und die letzten Zweifel ausgeräumt sein und nun können wir uns wieder ganz dem Text zuwenden, nun kannst du dich wieder vollends auf die Worte konzentrieren, auf die langen, genau geplanten, überstrukturierten Sätze, auf die Satzgefüge, auf die Satzzeichen vor allem, auf die Worte und deren Bedeutungen, auf die Inhalte, die man dir vermitteln möchte, auf die Szenen und Szenerien und Ereignisse und Einfälle, die ich dir näherbringen möchte, die ich, der ahnungsvolle Erinnerungsspender, der diesen Text schreibt, dir, dem ahnungsvollen Erinnerungstanker, der diesen Text liest, näher bringen möchte.

 

Aufzugskitsch

du hast auf den Knopf gewartet und auf den Aufzug gedrückt. du hast den Aufzug geschlossen und deine Augen gehört. du hast begonnen, mich zu öffnen, als du begonnen hast, wieder an deine Augen zu denken. die Türe hast du geöffnet, bevor du sie sehen konntest. überrascht von der Kühle in der Kabine im Vergleich zur Wärme im Stiegenhaus bist du kurz eingetreten; doch dann hast du gezögert. einen Augenblick lang – aber wirklich nur einen einzigen – hast du gewollt, wohin du dich frugst. dann hast du abermals einen Knopf umgedreht und dich betätigt. im Spiegel hast du dir zugestrichen und durchs Haar gelächelt. du hast dich bereits viel zu früh wieder umgeschaut und aus dem Glas gedreht. du hast tief Luft geseufzt und geholt. dass deine Augen wieder bemerkt waren, hast du irgendwie gar nicht geschlossen. irgendwann hast du geöffnet, dass sich die Sicherheitstüren hören. du hast automatisch einen Schritt nach vorne geblickt, ohne genau auf deine Füße zu gehen. du wurdest von einer heißen Luftwelle übertreten als du rausgeströmt bist. du bist aus dem Aufzug gedacht und hast an mich gekommen. du hast aus dem Aufzug gelächelt und bist mir zugegangen.

Sch wie Brief

du hast schlafen verlernt, es geht einfach nicht mehr. Licht und Lärm sind zwar immer schon Aufwachgründe gewesen, aber bis vor kurzem hätte Müdigkeit diese beiden noch als unvernachlässigbarer Weiterschlafgrund ausgestochen. (Keksmetapher, sehr saisonal) jetzt hast du nichtmal mehr sechs Stunden pro Nacht, geschweige denn acht. (schlechter Reim, ebenfalls sehr saisonal)
du hast schlafen verlernt, aber so richtig. so Schlaftabletten-recherchier-Level. aber das Schlaftabletten-kauf-Level ist noch nicht erreicht, denn du bist nicht müde; natürlich bist du müde, (saisonal bedingt?) aber du gähnst nicht sehr viel öfter als sonst, du drohst nicht, einzuschlafen, du kannst deine Müdigkeit vergessen, kannst über sie hinwegsehen.
vielleicht wurdest du auserwählt, das Buch nachzuspielen, nur anders. (dieses asaisonale Buch, du weißt schon!) vielleicht wirst du nur unwesentlich früher sterben, weil deine Tage nur unwesentlich länger und deine Nächte nur unwesentlich kürzer sind als bisher. vielleicht wirst du aber auch überhaupt nicht früher sterben, weil du gerade einfach weniger Schlaf brauchst, weil du ab jetzt immer weniger Schlaf brauchen wirst, also nicht weniger und weniger und weniger, bis du gar keinen mehr brauchst, (Adventskalender) sonder einfach nur weniger als früher, weniger als damals, weniger noch als vor wenigen Tagen, aber das kontinuierlich. (asaisonal)
du bist nicht krank geworden, das wäre ein Argument für diese These. du hättest krank werden müssen, sollen, können, wärst vielleicht krank geworden aufgrund des Schlafmangels; aber du wurdest nicht krank, daraus folgt, du brauchst nicht mehr Schafe. (das saisonalste Tier, weil es flauschig und weiß zugleich ist!)
wahrscheinlich ist es eine komische psychische Blockade: du willst schlafen und du willst nicht schlafen / du willst schlafen, aber du willst leben / du willst träumen, aber du willst leben / du willst schlafen und träumen und leben und Dinge tun und Sachen machen, aber dein Körper hat offensichtlich andere Pläne, andere Relationen im Kopf. (dein Körper hat sich noch nicht an dich gewöhnt.)
dein Körper braucht wohl keinen Schlaf mehr, sonst würde er ihn sich schon nehmen; (dein Körper als Anti-Christkind) er scheint ganz zufrieden zu sein mit den paar Stündchen pro Nacht, mit den Anfängen der Schlafstörung, den Einschlafstörungen, die du immer schon hattest, den Weiterschlafstörungen, die jetzt neu hinzukamen, den Durchschlafstörungen, die du dir vielleicht antrainieren solltest. (dann könntest du nach dem Aufwachen nochmals einschlafen und hättest demnach zwar nicht acht Stunden am Stück, aber insgesamt doch wohl mindestens sechs, sieben, sechzehn sogar, vielleicht, in zwei aufeinanderfolgenden Nächten.)
es könnte auch an der Kälte liegen, an der nicht vorhandenen Wärme, (an der Saison!) aber jetzt beginnst du schon nach den dünnsten Strohhälmchen (Zuckerstängelchen) zu greifen, versuchst, wenigstens einen zu fassen, mühst dich mit den unwahrscheinlichen Möglichkeiten ab, die du dir mühselig aus der Nase ziehen musst. (die du dir mühselig vom Tannenbaum pflückst.)

niemand hat dir je beigebracht, wie man richtig schläft, das musst du dir jetzt eingestehen.
liebes Christkind, zu Weihnachten wünsche ich mir, dass ich wieder besser schlafen kann!
sowas lernt man nicht, sowas bekommt man nicht beigebracht, zuhause nicht und in der Schule nicht und weder auf der Uni noch auf der Arbeit gibt es dazu Kurse, Seminare, Vorträge, Gespräche.
ich möchte doch nur wieder alle meine Nächte durchschlafen können und nicht gefühlte Jahre wach im Bett liegen.
du beneidest oder bemitleidest Menschen, die andere Schlafgewohnheiten haben können, eben je nachdem, was diese sein mögen.
lass mich doch nur schlafen können, dann belästige ich dich auch nicht mehr, nie mehr, dieses Weihnachten könnte von mir aus gerne das letzte sein!
Schnelleinschlafer und Immererstvomweckeraufwacher und Immerundüberalleinschlafenkönner zum Beispiel, die bewunderst du.
vielen Dank im Voraus, liebes Christkind, ich weiß deine Arbeit wirklich zu schätzen,
Graswachsenhörer und Alptraumchronisten und vor allem Niemehralszweistundenamstückschläfer hingegen bedauerst du.
X

Satzzeichen gegen sich [eine Verbuchstäblichung]

Beistriche Klammerauf Beistrich Klammerzu und Strichpunkte Klammerauf Strichpunkt Klammerzu und Punkte Klammerauf Punkt Klammerzu und Rufzeichen Klammerauf Rufzeichen Klammerzu und Fragezeichen Klammerauf Fragezeichen Klammerzu und Gedankenstriche Klammerauf Gedankenstrich Klammerzu und Bindestriche Klammerauf Bindestrich Klammerzu und Schrägstriche Klammerauf Schrägstrich Klammerzu und Unterstriche Klammerauf Unterstrich Klammerzu und Doppelpunkte Klammerauf Doppelpunkt Klammerzu und Sternchen Klammerauf Sternchen Klammerzu Absatz diese Möglichkeiten gibt es Beistrich diese Grund Bindestrich Möglichkeiten sind vorhanden Beistrich es sind die grundlegendsten Beistrich einfachsten Beistrich bekanntesten Möglichkeiten Schrägstrich Satzzeichen Beistrich Klammern ausgenommen Beistrich weil die Unterscheidung in runde Beistrich eckige Beistrich und geschwungene Klammern schon zu komplex wäre Beistrich das würde zu weit führen Beistrich das könnte zwei Beistrich nein Beistrich drei ganze Romane füllen Beistrich ein Roman pro Klammernart Beistrich oder vielleicht sogar sechs Romane insgesamt Beistrich einen für die offenen Beistrich einen für die geschlossenen Beistrich jeweils also pro Klammernart zwei Romane Strichpunkt das wäre natürlich nur möglich Beistrich weil sich inzwischen alles zwischen zwei Buchdeckeln Roman schimpfen kann Beistrich alles ist Roman Beistrich darf Beistrich soll Roman sein Gedankenstrich genauso steht es mit den Anführungszeichen Beistrich hier ebenfalls ausgeklammert Beistrich ausgeführt Beistrich ausgezeigt Beistrich angezeigt Beistrich ausangezeigt Beistrich ausangeführzeigt Beistrich ausgeanführungszeichnet Beistrich undsoweiter Beistrich es gibt ja schließlich einfache und doppelte Beistrich untere und obere Beistrich obere und obere Beistrich seitliche und seitliche Beistrich nach innen oder nach außen gedrehte Beistrich undsoweiter Beistrich undsofort Beistrich beliebig verwendbar Beistrich fast beliebig verwendbar Beistrich denn einfache untere können Beistrich zum Beispiel Beistrich nicht von doppelten seitlichen abgeschlossen werden Beistrich das geht nicht Beistrich das kann nicht gehen Beistrich das könnte nicht gehen Beistrich hoffentlich wird das niemals gehen dürfen Rufzeichen Absatz also Unterstriche und Punkte und Beistriche und Doppelpunkte und Strichpunkte und Bindestriche und Gedankenstriche und Sternchen und Schrägstriche und Rufzeichen und Fragezeichen

Satzzeichen unter sich

du darfst Beistrich sollst Beistrich musst keinen Text schreiben Beistrich in dem es darum geht Beistrich wie man Texte schreibt Punkt du könntest einen solchen Text schreiben Beistrich ja Beistrich aber Gedankenstrich Punkt Absatz Inspirationsfindung Beistrich Inspirationssuche Strichpunkt nein Beistrich erst die Suche Beistrich dann der Erfolg Punkt suchen Beistrich warten Beistrich finden Beistrich hoffentlich Gedankenstrich hoffentlich nicht Beistrich hoffentlich nie Beistrich hoffen wir Beistrich dass die Hoffnung ausstirbt Beistrich undsoweiter Punkt Themenwechsel Doppelpunkt Rückschritt Beistrich Themenrückschritt Beistrich schreiten wir zurück Beistrich weit zurück Beistrich ganz weit zurück Beistrich bis wir am Anfang angelangt sind Beistrich am Anfang des ersten Textes Beistrich der sich mit der Themenfindung seiner selbst beschäftigt Gedankenstrich des ersten Metatextes Punkt ob er sich bewusst war Beistrich was er anrichten würde Beistrich was er auslösen würde Beistrich welche Epidemie er lostreten würde Beistrich diese furchtbare Epidemie der furchtbaren Texte Beistrich undsoweiter Beistrich undsofort Punkt ob er eine Lawine lostrat oder eine Epidemie auslöste Beistrich das spielt keine Rolle Beistrich das ist völlig unwesentlich Beistrich genauso gut könnte er die Epidemie losgetreten oder die Lawine ausgelöst haben Beistrich auch wenn das andere mehr Sinn ergibt als das eine Strichpunkt er war jedenfalls ein Auslöser Beistrich ein Vorgänger Beistrich ein Vorreiter Beistrich ein unheilvolles Omen Beistrich eine Vorhersage der Zukunft Beistrich ein Vorbild Gedankenstrich ein schlechtes Vorbild Beistrich aber vielleicht auch ein gutes Vorbild Strichpunkt ich kenne ihn ja nicht Beistrich diesen ersten Beistrich dummen Beistrich anscheinend inspirierenden Klammerauf Rufzeichen Klammerzu Text Gedankenstrich Beistrich eine Qual oder eine Erlösung Punkt Absatz ein Zögern hätte alles verändern können Beistrich ein Zögern des schreibenden Menschen oder ein Zögern seines Schreibwerkzeuges Beistrich ein Nichtfunktionieren seines Schreibwerkzeuges Beistrich ein Zögern der Leserschaft Beistrich ein Zögern Beistrich das Zögern der Leserschaft Beistrich dieses Zögern vor dem Zerreißen der Seiten Sternchen Beistrich dieses Zögern vor dem Werfen der Zettel an die Wand Beistrich oder ein anderes Zögern Beistrich irgendein Zögern Beistrich Hauptsache eine Zögern mit verheerenden Beistrich also zur Nichtveröffentlichung oder Nichtgelesenwerdung führenden Konsequenzen Punkt Absatz Absatz Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Unterstrich Absatz Sternchen ich kenne einen Menschen Beistrich einen Mann Beistrich eine Schneeflocke unter Anführungszeichen Beistrich keine Anführungszeichenunten Schneeflocke Anführungszeichenoben Beistrich sondern eine Schneeflocke unter Anführungszeichen eben Beistrich eine besondere Schneeflocke Beistrich die einmal Seiten aus einem Buch riss Beistrich einem Anführungszeichenunten Buch Anführungszeichenoben Beistrich denn sie Beistrich die Schneeflocke Beistrich gesteht Reclamheftchen nicht den Buchstatus zu Beistrich was natürlich völlig absurd Beistrich aber auch irgendwie verständlich ist Strichpunkt diese Schneeflocke zerriss also angeblich Beistrich anscheinend Beistrich laut Eigenaussage einmal ein Buch Beistrich riss zwei Seiten aus einem Anführungszeichenunten Buch Anführungszeichenoben Punkt

Anleitung zur Autodestruktion, etwa dreihundertdreiunddreißig Tage später

wenn du eine schöne Konversation führst, im sitzen, auf einem Sessel, einem „Stuhl“, auf einem harten, höheren Untergrund, nicht auf einem Sofa, auf keiner Couch, und auch auf keinem Kinderhocker, wenn du also auf einem Sessel sitzt, zum Beispiel, und einen Fuß, ein Bein, rechtwinklig zum geraden Boden aufstellst, egal ob links oder rechts, das spielt keine Rolle, solange das andere Bein es dem einen nicht gleich tut, solang der andere Fuß auf dem einen Knie liegt, der andere Knöchel auf dem einen Knie liegt, solang du das alles beachtest, musst du nicht viel mehr tun, eigentlich (fast) gar nichts mehr tun außer so zu bleiben und vielleicht hin und wieder ein paar Worte zu wechseln; dein Oberkörper kann tun und lassen, was ihm beliebt, er kann sich strecken oder bucklig dasitzen, er kann lachen, er kann verletzt oder liebkost werden, eine gröbere Rolle würde das nicht zwangsläufig spielen, den Ameisen ist das egal, die Ameisen wissen vermutlich nichtmal, dass ein Oberkörper, ein anderer Körper, dass etwas über deinen Beinen existiert;

bald wird sich ein dumpfes Gefühl einstellen, ein Gefühl der Taubheit, ein schönes Gefühl der Taubheit, du wirst es genießen, du sollst es genießen, wenn du es nicht genießen würdest, bist du verzweifelt unverzweifelt;

bald danach wirst du dich nicht mehr bewegen wollen, die Taubheit wird so in dich eingegangen sein, übergegangen sein in dein Herz, in deinen Kopf, in deine Haltung, das dumpfe Kribbeln wird dich so sehr vereinnahmt haben, dass du dich nicht mehr trauen wirst, dich zu bewegen, aus Angst es zu verscheuchen, wie ein kleines, scheues Tier, wie dieses fiktive, nicht existente, nichtmal tierische Tier aus diesem einen wunderschönen, nicht von Tieren handelnden Song – du wirst also krampfhaft versuchen, dich nicht zu bewegen, deine Beine, deinen Körper, nicht zu bewegen;

maximal zum auf- und abwippen wirst du sie bringen, ein bisschen, leicht, seicht, wenig, so wie du weißt, dass es die Ameisen nicht stört, aber nicht mehr, keinen Mikrometer mehr, eher tausend Millimeter weniger, es soll ja keine Veränderung kommen, nur eine Intensivierung darf sich einstellen, eine Vermehrung der Ameisen, eine schlagartige Populationsexplosion, eine Überzüchtung, Überpaarung, Überkinderung, Überalles, also lieber nicht zu viel bewegen, nur ganz wenig, ganz ganz wenig, fast unmerklich, sicher ist sicher und sicher ist nur, dass die Ameisen nicht plötzlich verschwinden werden, sie würden dir nicht einfach so grundlos adieu sagen, nein, sie sind vernünftig, sind verlässlich, sind zuverlässig in dem Punkt, auf die Ameisen ist verlass, du weißt immer, wann sie gehen, du weißt zwar nicht immer genau, wann sie kommen, aber du weißt, wann sie gehen, wie sie gehen, wohin sie gehen interessiert dich nicht, Hauptsache sie gehen, wenn du willst, dass sie gehen und sie kommen, ohne dass du allzu viel Mühe auf ihre Herlockung aufwenden musst;

irgendwann wirst du dich bewegen wollen oder bewegen müssen oder bewegen müssen wollen oder du wirst Angst davor haben, dich noch länger noch immer nicht zu bewegen, wirst fürchten, das Gefühl für dein anderes Bein auf immer zu verlieren, die Hoffnung wird besiegt sein und die Starre auch, sanft wirst du dein anderes Knie ergreifen und deinen anderen Fuß auf die Erde setzen, wirst versuchen, dir nichts anmerken zu lassen, wirst vielleicht ein wenig in Panik verfallen, weil dein anderes Bein nun endgültig taub ist, taub, gefühllos, dumpf, es ist alles auf einmal, du kannst es nicht beschreiben, du kannst es nur wissen, kannst es nur wollen, kannst es nur spüren und gleichzeitig überhaupt nicht spüren, kannst es kontrollieren, aber nur mäßig, kannst deinem anderen Fuß sagen: „lauf“, aber kannst dich nicht darauf verlassen, dass dein anderes Knie nicht einknickt vor lauter Dumpfheit, Starrheit, Taubheit, vor lauter Gefühllosigkeit, vor lauter Ambivalenz;

dein anderes Bein kribbelt und kribbelt und dumpft und starrt und ist taub und blind und olfaktorisch unfähig, unolfaktorisch, unofaktorisch, es ist die Titanic ins Unendliche multipliziert und von unendlich vielen Ratten bevölkert gewesen, von unendlich vielen Ratten verlassen, nur sind die Ratten Ameisen und die Titanic ist dein Bein, es sind also fliegende Ameisen, unendlich viele fliegende Ameisen, die sich von deinem Bein entfernen, verabschieden, langsam, sicher, bald immer schneller vertschüssen sie sich, fliegen davon, verschwinden einfach, lassen einige ihrer Artgenossen zurück, ziehen aber mehr mit ins Verderben, sodass schlussendlich keine einzige Ameise mehr auf deinem anderen Bein sitzt oder hockt oder schläft oder sich befindet, sie werden alle ausgeflogen sein, weggeflogen, verschwunden, abtransportiert, abgeschoben, entgleist, verhungert, was auch immer;

wenn du eine gute Konversation hattest und diese gute Konversation zu Ende geht und deine guten Konversationspartner weg sind oder weg schauen, dann humpelst du ein paar Schritte hin oder her oder hüpfst einfach nur etwas auf der Stelle herum, um die Ameisen schneller zu vertreiben, denn das ist Teil des Spiels, das ist ein wichtiger, entscheidender, brenzlicher Teil dieses unter Umständen nicht ganz so ungefährlichen Spiels, du willst ja nicht als Ameisenhaufen sterben, hattest nie vorgehabt, als Ameisenhaufen zu sterben, weißt bereits jetzt mit Sicherheit, obwohl du das eigentlich garnicht mit Sicherheit wissen kannst und schon garnicht mit Sicherheit wissen darfst, weißt aber trotzdem, dass du nie als Ameisenhügel enden werden wirst wollen.

{eine Vorsetzung: die damalige Anleitung zur Autodestruktion}

romantaugliche Bücher lügen nie {für C, D, E}

Bücher lügen nicht, das kannst du drehen und wenden wie du willst. du kannst sagen: „was da steht kommt mir überhaupt nicht bekannt vor“, aber du kannst nicht sagen: „was da steht ist nicht wahr“; du kannst sagen: „das ist doch ziemlich unwahrscheinlich“, aber du kannst nicht sagen: „das ist ja ganz und gar unmöglich“; du kannst dir denken: „das ist mir noch nie aufgefallen“, aber du kannst dir nicht denken: „das wird mir nie auffallen“.
Bücher lügen nicht, aber darauf musst du selbst erst kommen. niemand kann dir sagen, dass Bücher nicht lügen, wenn du noch glaubst, dass sie es tun, wenn sie dir noch nicht gezeigt haben, dass sie es auch anders können (streich‘ das auch, sie können es nur anders!), wenn du noch überzeugt davon bist, dass halt nicht immer alles so genau stimmen und (anwendbar) und (nachvollziehbar) sein muss.

Bücher lügen nie, das hab ich gestern erfahren – also eigentlich habe ich es heute noch erfahren, aber wenn du es genau nimmst, war dieses heute schon gestern [morgen wird es nie mehr sein können].
gestern sprach ich mit einer Buchfigur, mit einer Romanfigur, mit einem Protagonisten. du [nur du sollst dich hier angesprochen fühlen, wenn überhaupt] würdest sagen, er war romantauglich. also du [wieder sollst nur du dich angesprochen fühlen, aber wenn du dich nicht angesprochen fühlst, geht die Welt auch noch nicht unter, also unsere, nur eine fiktive versinkt, vielleicht; wegen der Klammern?] würdest ihn vermutlich nicht als romantauglich bezeichnen, aber wenn du ich wärst, oder wenn ich du wär – jedenfalls fand ich ihn halt romantauglich: ein älterer Mann, Mitte fünfzig, Hausmeister, Professor, so genau weiß ich das nicht, solche Details spielen auch keine Rolle. wäre dies ein Roman, hätte der romantaugliche Protagonist natürlich einen fixen, festgelegten, in der Einleitung beschriebenen Arbeitsplatz, aber hier ist das egal. hier nenne ich ihn einfach P, P wie Protagonist, aber auch P wie romantauglich, P wie Josef, P wie dich. P. Josef Romantauglich also, so sein voller, improvisierter Name, P. Josef Romantauglich – oder, eigentlich: Josef P. Romantauglich, ja, genau: Josef P. Romantauglich, weil der Buchstabe muss ja immer hinter dem vollen ausgeschriebenen Vornamen stehen, also Josef P. Romantauglich ging den Gang entlang, ging den Gang auf und ab und hin und her und dies alles geschah immer noch gestern-heute, nein: heute-gestern. allerdings meine ich nicht, dass er regelmäßig durchs Gebäude marschierte, so à la links, rechts, links, rechts, ein, Hut, ein, Stock, ein, Re, gen, Schirm, und vorwärtsrückwärtsseitwärts, P, und eins, und zwei, … nein, Josef P. Romantauglich war (ist) Hausmeister oder Professor, kein Soldat. er schlenderte vielmehr, gemächlich, langsam, ohne Eile, ohne Ziel, ohne sinnvollen, erkennbaren Zweck schlenderte er hin und her und auf und ab und an Türen und Fenstern vorbei. was ihn so romantauglich machte, wem Josef P. seinen Nachnamen zu verdanken hat: sein Gang; nein: seine Gangart (um eine Distinktion zwischen dem Gang, auf dem er ging und der Art, wie er ging, zu schaffen)!
Josef P. Romantauglich humpelte gemächlich den Gang entlang, aber ob er wirklich humpelte oder nicht, das weiß ich nicht. anfangs war es mir gar nicht aufgefallen, dann war ich überzeugt von einem körperlichen Leiden, schließlich hielt ich es für eine Inkonsequenz seiner Schuhe. (ein Schuh quietschte bei jedem Schritt, der andere Schuh tat so etwas nie. es bleibt fraglich, ob der eine Schuh einfach anders war als der andere Schuh oder ob der andere Schuh anders gehandfußhabt wurde als der eine Schuh. ich bin mir nicht sicher.)

romantaugliche Bücher lügen nicht, romantaugliche Bücher würden diese Ambivalenz zwischen Schuh und Schuh, zwischen Schritt und Schritt, zwischen Gang und Gang beschreiben können, sodass jeder Mensch, der sich wie unnah auch immer mit Josef P. Romantauglich befasst, dessen Fortbewegungsweise in seinem Kopf wahrnimmt, ein Echo seines Schrittes in seine Gehirnwindungen pflanzt, es zwar für unmöglich oder unwahrscheinlich hält, dass Josef P. Romantauglich existiert, dass das P für Protagonist von einem lebenden Menschen inspiriert wurde, ABER

– aber wenn du alt genug bist, aber wenn du genug gelesen hast, aber wenn du reichlich Menschen beobachtest, aber wenn du nur spärlich die Nachrichten verfolgst, aber bald wirst du merken, dann wirst du merken, insofern du all dies tust, oder auch nur manches befolgst, oder vielleicht auch ohne einen einzigen dieser Punkte zu beachten, unter Umständen würde dieser Text ausreichen, ohne Beweis, ohne Beweisführung, vielleicht hätte es diese seltsame Beweisführung gar nicht einmal gebraucht und du wärst auch so überzeugt davon gewesen. ABER

– aber Bücher lügen nicht und romantaugliche Bücher lügen noch weniger, also überhaupt nie, und egal ob du mir glaubst oder nicht [ja, diesmal bist du gemeint!], egal ob du verstehst was ich sagen will oder nicht, so wie ich: Bücher lügen nicht; und romantaugliche Bücher lügen überhaupt nicht. ABER

– aber Josef P. Romantauglich verdient seinen Namen nicht einzig und allein aufgrund seiner Gangart, obwohl auch das selbstverständlich ausreichend wäre, für sich genommen. jedoch scheint Josef P. Romantauglich ambitiös zu sein, sehr ambitiös zu sein in puncto Romantauglichkeit, denn auch sein Gebaren, seine Art, sein Umgang mit Menschen hat etwas (hatte etwas, soweit ich das heute-gestern beurteilen konnte), etwas Romantaugliches. weniger ist mehr trifft bei jedem Menschen irgendwo irgendwie und schlimmstenfalls nur irgendwann einmal zu, unser Protagonist hatte dieses Motto wohl bei körperlicher Distanz. es gibt Menschen, kulturell bedingt, familiär bedingt, -vertiert bedingt, die sich näher oder weiter weg wohler fühlen. in diesem Punkt ist Josef P. Romantauglich ein Chinese (ein Asiate?), sein Distanzbedürfnis ist ein sehr geringes (gewesen) (nicht nur bei mir; meine ich). ABER

– aber Josef P. Romantauglich sprach auch, spricht wahrscheinlich immer noch, sehr langsam, sehr doppelt, sehr unverständlich, womit ich ausdrücken will, er sehnt sich nach Konversation, er hat kein Kürzestzeitgedächtnis, er ist anders, wie sein einer Schuh (oder sein anderer, je nachdem).

die Bücherwand

du schlägst ein Buch auf, es ist groß und sein Einband ist schwarz und die erste Doppelseite, die du aufschlägst, ist leer, und du schlägst eine weitere Doppelseite auf, sie ist leer, du schlägst noch eine Doppelseite auf, auch sie ist leer, du klappst das Buch zu und stellst es ins Regal zurück, ganz nach unten, stellst es zurück und wirst es nie wieder anschauen, willst es dir nie wieder anschauen wollen, aus Angst, die Seiten könnten sich bis dahin gefüllt haben, wie in diesen Büchern; du willst nicht, dass dein Leben zum Klischee-Buch wird ―—― ein kleines Büchlein fällt dir in die Hände, ein Büchlein mit Text,in dem hinten leere Seiten für Notizen reserviert sind, eine Reservierung, die übergangen wird, die Reserveure können sich schwarz warten, weiß warten, leer warten, die Reservierung wird nicht mehr angenommen werden, die Chance ist groß, dass die Reservierung nie mehr angenommen wird ―—― du lässt die Seiten von einem gelben und einem weißen Buch durch deine Fingen laufen, als wären sie Daumenkinos, als würdest du erwarten, dass deinen Augen irgendwo etwas anders als Leere begegnet; du traust dich nicht, das Buch dazwischen zu öffnen, es hat einen schwarzen Einband wie das allererste, selbe Farbe, selbes Material (wahrscheinlich) es ist kleiner und dünner, aber umso leerer, aber diese Leere gestehst du ihm nicht zu, du erlaubst dir die Bestätigung dieser Leere nicht, wagst es nicht, sie einzuholen ―—― die obersten Bücher, die höchsten Bücher bleiben unerreichbar und dadurch sind sie die begehrtesten, die begehrenswertesten, die obersten höchsten Bücher sind die, die du lesen willst, weil du sie nicht lesen kannst, aber du würdest sie gar nicht lesen wollen, wenn sie erreichbar wären, wenn sie dir näher wären; wenn sie nicht so abgehoben und außer Reichweite wären, würdest du dich nicht so nach ihnen sehnen und verzehren, würdest sie nicht idealisieren und ihre Titel nicht zu entziffern versuchen ―—― du bist nicht systematisch vorgegangen, weil du an dieser Bücherwand noch nie systematisch vorgegangen bist, du gehst sonst immer systematisch vor, aber diese Bücherwand hat es dir nicht erlaubt, diese Bücherwand ist für sich selbst schon so unsystematisch-systematisch, dass ein systematisches Vorgehen äußerst unbefriedigend gewesen wäre und außerdem wenig zielführend, denn wenn systematisch, dann schon richtig systematisch, systematisch-systematisch, mit zählen und schauen und ent-stecken und wieder ver-stecken und gleichmäßigen Halsverrenkungen und ganz vielen Fingerstauberstickungen und kontinuierlichen Bedachtsmomenten und regelmäßigen Streicheleinheiten!

Symposion II

reden und reden lassen und überreden lassen und ausreden lassen und reinreden und wegreden und sich bereden lassen, während es draußen regnet, sich gegenseitig bereden und aufeinander einreden und aneinander vorbeireden und miteinander wohin reden und doch weit weg reden, während unten geklatscht wird und gelacht und geflüstert und aufgestanden und weggegangen und umhergeschlichen und getrunken und vielleicht sogar gegessen und zugehört und gesehen und geschrieben und gedacht, während es kein draußen gibt, weil es nur ein droben gibt, während sie oben redend und schweigend und fragend und antwortend und gestikulierend dasitzen, während sie oben zitternd und spannend und verwirrend Sätze von sich geben und ihre Stimme verlangsamend, ihre Argumente beschleunigend, während sie sich von sich selbst entfremdend bereden und zureden und verreden und umreden, sich berednend also, sich zurednend und verrednend und umrednend sitzen sie da und haben ein draußen im Regen, ein drunten im Keller und ein drinnen bei sich; aber die drunten, die Zuhörenden, die aufmerksam Seienden, die Sichkonzentrierenden, die haben kein draußen im Regen und keinen Keller drunter, die haben nur ein droben und unstumme Reden.

kommen können, nicht kommen können, kommen dürfen, kommen wollen, kommen; wegbleiben, wegbleiben wollen, unangemeldet wegbleiben, halb wegbleiben, nie wegbleiben; dabei sein, dabei sein dürfen, dabei sein können, dabei sein müssen, dabei gewesen sein; Symposien und Konferenzen und Vorträge und Gespräche und Entscheidungen:
sein oder da sein oder dabei sein oder gekommen sein oder sein müssen oder weg sein oder woanders sein oder schal sein oder müde sein oder fragwürdig sein oder Regen sein oder surreal sein oder leise sein oder vorbereitet sein oder wählerisch sein oder lustig sein oder lächerlich sein oder anwesend sein oder unangemeldet sein oder reingeschwindelt sein oder gelogen sein oder egal sein oder unaufhörlich sein oder aufhören, zu sein.

du wirst vergessen haben werden, was du dir gedacht gehabt hattest, du wirst vergessen haben werden, dass du dir überhaupt irgendwas dabei gedacht hattest, du wirst vergessen haben werden, dass es etwas gegeben haben wird, dass du vergessen konntest: meta.

das Skelett – eine Miniatur

das Skelett trug einen roten Schal, nur kurz. das Skelett hat einen Menschen überfahren, nur kurz. er war schon tot. das Skelett hat einen bereits toten Menschen überfahren, dessen roter Schal sich in den Rippen verfing.

es war ein anspruchsvoller Schal. bei dem toten Menschen auf den Gleisen gefiel es ihm nicht, bei dem Skelett in Unhöhen gefiel es ihm auch nicht. es war ein wechselhafter Schal, ein umtriebiger, rastloser, roter Schal. nicht einmal in den Wolken konnte er verweilen.

der tote Mensch, der erst sein Leben, dann seinen Schal, dann das Skelett über sich verloren hatte, blieb nicht auf den Gleisen liegen. das Skelett hatte ihn davongestoßen, das Skelett hatte ihn von den Gleisen verbannt, nachdem der Schal sich kurz in ihm verfangen hatte. sowohl der rote Schal als auch das Skelett wollten nichts mehr mit dem toten Menschen auf den Gleisen zu tun haben.