Distinktion

du bist nicht wie andere Menschen, aber nicht nur auf diese jeder-ist-einzigartig-, alle-sind-anders-Art.
dir fällt jedesmal aufs neue auf, dass mit der Rolltreppe etwas nicht stimmt. du siehst, dass plötzliche eine Klopapierrolle weniger da ist und schaust sofort nach, ob man sie noch komplett nass in den Müll geschmissen hat. du sagst „damals“ und meinst irgendeinen Augenblick nach deiner Geburt. du kannst nur bedingt multitasken, Musik hören und lesen geht nicht, Musik hören und schreiben schon, Musik hören und nichtstun am besten. du magst den Anblick von Blut unter deinen Fingernägeln. du isst einen Tag fast nichts und am nächsten eine ganze Packung Müsli, obwohl du keinen Hunger hast. du haarst unter der Dusche. du kannst auch bei Licht schlafen, wenn du in der Dunkelheit wach warst. du kannst auch neben einem Minenfeld schlafen ohne aufzuwachen, selbst wenn du nicht extrem müde bist. du putzt dir deine Zähne immer mit Leitungswasser, aus Prinzip, egal aus welchem, egal wie grauslich es schmeckt. manchmal kaust du eine Packung Kaugummi und isst einen Kübel Nüsse am selben Tag und wunderst dich dann, dass du Durchfall bekommst. dir ist es oft peinlich, Menschen anzusprechen, selten auch unfremde. du hast ein komplett falsches Bild von dir selbst. du beißt dir an einem Tag öfters hintereinander in dieselbe Wange, ohne es zu wollen und legst somit den Grundstein für eine neue Aphthenlandschaft, ohne es gleich zu wissen. du regst dich über eine gute Note auf (aber nur indirekt!), weil du findest, dass sie unverdient ist. du bist feig, aber Feigen schmecken dir nicht besonders. dir ist kein Getränk lieber als Wasser, nichtmal Butterscotch, naja, meistens. dir gefällt kein Wetter besser als Regen, außer wenn du gerade geduscht hast und aus dem Haus musst.

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das mit dem Apfel

du hast zu oft stumm geweint, zu oft versucht, keinen Laut aus deiner Kehle zu lassen, hattest Spaß daran, niemanden akustisch wissen zu lassen, wie es dir geht, dir gefiel dieses Zurückhalten, dieses Zurückdrängen, dieses Schweigen, das jedoch nie vollkommen gelang, aber du hast es versucht, immer wieder, gerne, mit Vergnügen, einfach deinen Mund zu öffnen ohne etwas daraus entweichen zu lassen, abgesehen vielleicht von stummer Luft, aber wahrscheinlich nichtmal das, manchmal hast du auch so hoch geschrien, dass es für das menschliche Ohr nicht mehr wahrnehmbar war, das war anstrengend, mit der Zeit sehr anstrengend, aber mindestens genauso befriedigend wie ’nur so tun, als ob‘, bis auf die Momente natürlich, in denen die Stimme fiel, auf hörbares Niveau herunterkrachte, geräuschvolle Ernüchterung.
jetzt würdest du es gerne umkehren, gerne schreien, soviel du willst, solange du kannst, aber das geht nicht, du darfst nicht, du kannst nicht, du traust dich nicht, was, wenn plötzlich jemand klopft und du hörst es wegen der Musik auf deinen Ohren nicht, was, wenn plötzlich jemand nach dem Klopfen eintritt, also nicht ganz so plötzlich für jemand, weil ja das Klopfen und wahrscheinlich auch ein besorgtes Nachfragen vorher kam, aber sehr plötzlich für dich, weil du es ja nicht gehört hast, nein, das Risiko kannst du nicht eingehen, das kannst du unmöglich riskieren, stumme Erniedrigung.
du wäscht dir zwei grüne Äpfel, zwei von sechs, Nummer drei und Nummer vier, mit kaltem Wasser am Waschbecken, du schaffst es, während du den ersten Apfel vorm Waschbecken isst, ihn in das Waschbecken hineintropfen lässt, kein einziges Mal in den Spiegel zu schauen, du erblickst dich nicht einmal in deinen Augenwinkeln, ein wahres Kunststück, du kannst wirklich stolz auf dich sein, wirklich stolz, ein echter Erfolg, das würden sicher nicht viele schaffen, keiner vor dir und nur wenige danach – der Tränenschwall versiegt, langsam aber sicher, der Rotz lässt sich immer leichter zurück in die Nase ziehen, der Apfel schrumpft, dein Ausblick bleibt gleich spärlich, heuchlerische Ironie.
beim zweiten Apfel hast du dich vom Waschbecken entfernt, zuerst nur ein wenig, kaum einen Schritt und leicht zur Seite, aber weit genug um dich nicht im Spiegel zu sehen, selbst wenn du dich jahrelang darin suchen würdest, stattdessen blickst du auf ein leeres, vollgemülltes Zimmer, und die Tränen entscheiden plötzlich, doch noch nicht Feierabend zu machen, noch eine Runde nachzulegen, weiterzufließen, ohne jeden ersichtlichen Grund, außer diesem plötzlichen, spiegelverkehrten Anblick des bekannten Zimmers, Zimmerteils, aber das ist kein Grund, das ist nichtmal ein Zehntelprozentpunkt eines Grundes, taumelnde Prinzessin.
also entfernst du dich vom Spiegel, weiter weg diesmal, weit weg vom Waschbecken, aus der Sichtweite raus, einfach nur raus, ganz weit weg, nur nicht mit dem Rücken dazu, nein, das funktioniert nicht, ganz schlecht, ganz ganz schlecht, nein, nicht mit dem Rücken zu dir selbst, unebenbürtiges Spiegelbild.
ein Ton will sich aus deinem Hals stehlen, schafft es auch, ganz kurz, den Bruchteil einer Sekunde, aber eine Sekunde wäre schon sehr lang, also beißt du dir in den Daumen, ganz fest, ganz ganz fest, als würdest du ihn abbeißen wollen, bis auf den Knochen, und den Knochen auch noch durch, und der Schmerz tut so gut, ist so erleichternd, dass du glücklich einatmest und natürlich sofort husten musst, weil sich ein kleines Apfelstückchen, vielleicht sogar nur ein winziger Teil der grünweißlichen Haut, auf die falsche Rutsche gelegt hat, den falschen Eingang genommen hat, oder Ausgang, oder einfach: weil es deinen Wunsch erhört hat, erfüllen will, alle zukünftigen Schreie gleich mit einem Schlag verhindern will, die Luftröhre zusperren damit du sicher bist, vor deiner eigenen Stimme; aber so schlimm ist es natürlich nicht, nichts, was ein bisschen husten nicht wieder gut machen könnte, alles gut, nur eine Schrecksekunde, wahrscheinlich nichtmal das, und die Zufriedenheit vom Daumenschmerz dauert immer noch an, das muss ausgenützt werden, du hast heute schon genug Wasser verloren, du willst nicht noch zwei Liter trinken müssen, nein, neuer Schmerz, ja, du kratzt dir die kleine Wunde auf deinem Handrücken auf, es ist die andere Hand, nicht die Daumenhand, aber das ist wahrscheinlich nur Zufall, du kratzt dir das kleine, winzige Loch auf, und weißt schon längst nicht mehr, wie es entstanden ist, Insektenstich oder Zigarettenasche oder Papierkratzer oder Holzsplitter, du weißt es nicht mehr, und es könnte dir nicht egaler sein, nichts in diesem Moment könnte dir egaler sein als alles, abgesehen von dem Gefühl, das dir diese Wunde verleiht, dieses wunderschöne Gefühl des stechenden Schmerzes, aber nein, das Wort Schmerz wird dem Gefühl nicht gerecht, nichts wird diesem Gefühl gerecht, es ist perfekt, einfach nur perfekt, also streichelst du dir den kleinen roten Kreis mit deinem Finger voller Apfelsaft und schleckst ihn mit deiner wahrscheinlich bereits grünen Zunge ab und zuckst kurz zusammen, lächelst vielleicht sogar, auf jeden Fall in dich hinein und weißt, dass dich ein Orgasmus nicht mehr beglücken könnte, kurzfristige Vollkommenheit.
als du endlich den Mut findest, in den Spiegel zu blicken, bist du enttäuscht, man könnte glauben, nichts wäre gewesen, deine Lippen sehen ein bisschen kleiner aus als sonst, aber das kann genauso gut an deiner Enttäuschung liegen, und vielleicht ist dein Gesicht im Großen und Ganzen ein wenig breiter geworden, aber aufgeschwollen würdest du nicht sagen, nein, so siehst du nicht aus, zumindest nicht deiner Meinung nach, die Haare sind selbstverständlich zerzaust und die Wimpern noch nicht ganz trocken, aber rot sind deine Wangen sonst auch oft genug, kein nennenswerter Unterschied also, geräuschlose Ernüchterung.

Teige

die Zeit scheint gerade zu verlaufen, objektiv immer gleich schnell und gleich langsam und gleichmäßig, messbar, verlässlich wie der klassische Typus des „Strebers“ oder der der „Streberin“, nie krank, immer vorbereitet, immer auf alles gefasst, immer vorwärts schreitend, nie zurück, ein Hut, ein Stock, ein Re-gen-schirm, und vorwärts, vorwärts, vorwärts, vor, und eins, und zwei, und drei, und vier, und zählbar selbstverständlich auch, messbar und zählbar und sehr verlässlich, zu verlässlich vielleicht, weil die Verlässlichkeit, die Regelmäßigkeit (ja, regelmäßig!) ja geradezu die Subjektivität herausfordert, anstachelt zur Sinnlosigkeit, zu eigenen, unobjektiven Wahrnehmungen, zu déjà-vus und anderen Chronologiebrüchen, zu subjektiven Stillständen wie beim Schlafen, zu noch subjektiveren Stillständen wie in diesen Momenten kurz vor dem Niesen, das die Nase nicht ermöglicht, aber so sehr ermöglichen will, zu Zeitdehnungen aus Langeweile und Wunschdenken und Angst, zu träumerisch-vorgriffigen, übergriffigen und unbegreiflichen Phantasien, Wunschdenkereien und Phrophezeiungen
und wenn niemand hinsieht, wenn es niemand merkt und vor allem weil es nie jemand merken würde, macht sich die Zeit einen Spaß daraus, sich diese verrückte, sinnlose, unnötige, nichtsnutzige Subjektivität anzueignen, sie pausiert, stoppt, rewinded, pflanzt Gedanken in Gehirne ein wie zum Beispiel: Menschen die ihren Skype-Namen nach einem Jahr bereuen sollten sich nicht für morgen einen Termin im Tatoo-Studio ausmachen und: Souvenirs sind nur was wert wenn niemand weiß, dass es welche sind und: alles was gratis ist, ist gut und muss ausgenutzt werden und: wie könnte ich mich am besten umbringen und: wie könnte ich jemanden am besten davon abhalten, sich umzubringen und: wie könnte ich mein Bett am schnellsten zu Fall bringen ohne selbst mitzufallen oder vielleicht doch auch und würde ich dabei verletzt werden oder einfach nur einschlafen und dann stehst du auf der Straße und wunderst dich woher diese Gedanken kommen, aus dem Nichts natürlich, denn niemand spaziert einfach so auf der Straße und denkt sich: der Himmel ist schwarz, obwohl er doch gerade so blau aussieht, oder grau und wolkenverhangen, oder gar nicht vorhanden im Sichtfeld ist und niemand sieht 15:57 auf dem Wecker stehen, denkt sich, gut, eh erst drei, steht auf, und wundert sich ein paar Minuten später, dass es ja bereits vier am Nachmittag ist, niemand wird aufgeweckt von Ängsten wie: habe ich meine Augen geschlossen oder könnte mir jemand im Schlaf die Sehkraft nehmen, jeder zuckt kurz vorm einschlafen oft plötzlich zusammen, aber niemand denkt dabei an Dinge wie: Diäten oder: selbstgebackene Torten oder: den Weltfrieden, normalerweise nicht, heißt: nicht, nie, vorausgesetzt, die Zeit verläuft chronologisch und regelmäßig und messbar und geradeaus, nicht rückwärts, seitwärts, stopp und verwirrt alles, was ihr in die Quere kommt.

die Faszination fahrender Autoreifen

kategorisieren, anschauen, verwalten, erraten, klassifizieren
es gibt die ganz alten, die wahrscheinlich auch im Stehen keine Löcher hätten (undurchsichtige)
es gibt die halbdurchsichtigen, die keine besonderen Merkmale haben
es gibt die (halb-)durchsichtigen mit der physikalischen Unmöglichkeit
es gibt die physikalisch unmöglichen oder die optisch täuschenden, die sich in die falsche Richtung drehen, und viel zu langsam noch dazu
es gibt selbstverständlich Mittellösungen, Überschneidungen und Unklassifizierbarkeiten, die allesamt wieder eine extra Klasse bilden könnten und dann, nach ausführlicher Betrachtung und nach vielzähligen Experimenten, wieder schön kategorisiert werden können würden
es gibt ein, zwei Stunden Übungszeit, die auf die Nachtprobe nicht genügend vorbereiten können
es gibt Müdigkeit oder tränende Augen oder sonstige Konzentrationsschwierigkeiten und bestimmte Erwartungen, unzureichende statistische Erhebungen
die optisch täuschenden sind am seltensten, weil Tunnel nicht zählen, dann kommen die ganz alten undurchsichtigen, die am leichtesten auch am Überbau zu erkennen sind, dann kommen die andern, unzählbar, vielleicht circa irgendwie gleichberechtigt
in der Dunkelheit kommt der Wunsch, Seitenlichter zu haben und mit der Zeit kommt der Wunsch, keine Allergien zu kennen und mit mehr Zeit kommt der Wunsch, schlafen zu können und mit noch mehr Zeit kommt der Wunsch, mehr Übung am Tag gehabt zu haben und dann kommt der Wunsch, andere Beschäftigungen auf die Reise mitgenommen zu haben worauf Wünsche folgen, die nichts mit den vorhergehenden zu tun haben, worauf einige Sekunden Pause folgen, worauf Gedanken an Abschweifungen folgen, was zu mehr Abschweifungen und noch mehr Zeitlupen führt und irgendwann auch zu der phonetischen Ähnlichkeit von Exam und Examen und einer Verwechslung mit Experiment oder Ex oder Axt oder allen anderen Hangmanfalle-Worten wie Amt, alt, Art, Akt, Akt, und einer sehr großen Verwirrung und einer noch größeren Ahnungslosigkeit, aber immerhin zu keinen rassistischen, verallgemeinernden, sprachauseinandernehmenden Gedanken, diesmal zumindest

issues (past, present, future)

du kannst deinem vergangenen Ich nicht mehr vertrauen (wobei die Frage ist, ob du es je konntest): es hat Dinge von dir preisgegeben, ohne zweimal nachzudenken, Dinge, die du heute vielleicht nicht mehr jedem auf die Nase binden würdest (damals wusstest du natürlich auch, dass du diese Dinge nicht jedem auf die Nase binden solltest, hast es aber trotzdem getan, besser gesagt hast du einfach eine weitergefasste Definition von „jedem“ verwendet als es andere Menschen getan hätten und hast das als Ausrede, Entschuldigung, Begründung durchgehen lassen).
es hat Sachen gemacht und Sätze artikuliert, die es nicht machen hätte sollen, rückblickend, die ausschließlich das Produkt von Ungeduld oder Übermut oder Alkohol oder Dummheit waren.
es hat dich in eine Situation gebracht, in der du nicht sein willst, von der du nicht weißt, wie du ihr entfliehen kannst. du würdest es gerne verfluchen, zur Vernunft besinnen, aber du weißt sehr wohl, dass das unmöglich ist. du kannst deinem vergangenen Ich nicht mehr vertrauen (wobei die Frage ist, ob du das je wirklich konntest): und wenn du deinem vergangenen Ich nicht mehr vertrauen kannst, kannst du auch deinem gegenwärtigen Ich nicht vertrauen. du kannst dir nicht vertrauen, heißt, du kannst nicht darauf vertrauen, dass du nicht etwas machst, was deinem zukünftigen Ich schaden könnte. allerdings, was kümmert dich dein zukünftiges Ich, das doch nur ein Produkt aus deinem vergangenen und gegenwärtigen sein wird können, also auch nicht vertrauenswürdig, genauso verzweifelt. was kümmert dich ein Mensch, der immer das Gegenteil tut von dem, was ihm gesagt wird und viel zu oft das Gegenteil tut von dem, was er tun möchte, sollte, wollte, will. du kannst deinem vergangenen Ich nicht vertrauen (konntest es wahrscheinlich nie): kannst also auch deinem gegenwärtigen und in weiterer Folge deinem zukünftigen Ich nicht mehr vertrauen, konntest das nie, auch wenn du es vielleicht (wahrscheinlich) fälschlicherweise getan hast, wie du viele Dinge fälschlicherweise getan hast, und immer noch tust.

Selbstgeißelungen: erfrieren, verhungern, zeitigen.

Weberknechte und Sprachfieber und Schweißrekord und das Wissen, einem Streak mit einem Tag Pause nicht gewachsen zu sein (dann ist alles aus), und aufräumen und duschen und kochen und Haare waschen und vor allem eine Reihenfolge und keine Sucht mehr finden und Angst vor dem nächsten (oder vor dem zweiten) ___-______ (oder Fetzen generell) haben und Schnupfen und Entscheidungen treffen, müssen, und Missverständnisse lieben, wollen, und jedes Wort ausschreiben, können, sollen, und viel Geld bekommen und noch mehr ausgeben und zu viele Gedanken haben und zu wenig Zeit und endlich (hoffentlich) einmal nicht genug Müdigkeit und immer noch kein Zeitgefühl, aber ein bisschen mehr, und auch ein bisschen Panik und leider viel Inkonsequenz und noch immer keine Slowmotiontaste für deine Gedanken und noch immer kein Aufnahmegerät für deine Träume und noch immer keine Entscheidung und schon wieder Inkonsequenz und Geschreie und Ahnungslosigkeit und Durst und Fragen wie Wie viel Wasser brauchst du am Tag und Wie lange kannst du ohne Essen auskommen und Ist es gesund zu _________, auszuprobieren, wie lange du ohne Essen auskommen kannst und Was sollst du essen wenn du maximal eine Mahlzeit am Tag zu dir nimmst und Ist es nicht viel ungesünder nur dreihundert Kalorien Zucker an einem Tag zu trinken als Popcorn und Nudeln und Reis und Schokolade zu essen und mehr als nur nichtmal ein oder zwei Liter Wasser zu trinken und natürlich reicht der Platz im Endeffekt nie aus, aber nicht müde heißt auch nicht aufhören müssen, aber Fehler und Konzentrationslosigkeit und löchrige Mägen heißen aufhören sollen, aber leichte, verschiedene Schmerzen heißen nicht aufhören wollen und egal wie reich du bist, die Füllfeder wird noch nicht ersetzt weil der Stöpsel hält, auch nicht wenn deine Patronen leer sind und die Gedanken überschlagen sich und genau und was mit einem Sparkonto anfangen, wenn nicht wissen, worauf sparen, weil Privatjets im echten Leben viel zu teuer sind (Erhaltungskosten und so) und immer noch mit Chats verwechselt werden und schon wieder und leider und leere Patronen und noch ein Versuch und trotzdem und

Bruch und Notlösung und Ameisen im Fuß und unleserliche Schrift und Bemühungen und Schmerzen und Löcher hinter dem Nabel, die sich gegenseitig aufheben, ein Loch, zwei Löcher, drei Löcher, unzählige und unzählige Wörter und unzählbare Sätze und du kannst alles quantifizieren wenn du die richtigen Worte kennst und auch die Worte mit denen du quantifizierst müssen quantifiziert werden und was macht er mit dir, der ständige Gedanke des nahenden Endes, das ständige drohende Ende macht Erinnerungen und Vorausblicke und Tränen und Tinte, was eine Alliteration in der Gegenwart ergibt, zwar keine _________, aber auch keine löchrige Fixierung, sondern eine momentane Vergesslichkeit, ein kurzfristiges Blackout, das auch länger anhalten könnte als befürchtet und überraschenderweise eine schöne Schrift, eine immer leserlicher werdende Schrift, ein Paradox also ein Synonym von Rätsel und einen trockenen, komischen, rauen, nicht-bewässerten, unbeschreiblichen, ungebildeten Mund und noch mehr Ameisen im Fuß, wieder, und die Hälfte eines Experiments, besser gesagt die geglaubte, vermutete, angenommene Hälfte des Experiments, was nichts über die eigentliche, noch zu erörternde Länge aussagt und Ameisen sind warm, wer hätte das gedacht, und Ohrwürmer sind überall, das ist bereits mehr als ein Sprichwort, das ist ein Fakt und faktisch gesund kann es nicht sein, von einem Rausch in den anderen zu gelangen und unfaktisch braucht jeder Mensch ein Hobby, das er überall und jederzeit praktizieren oder auf das er sich immer und jederorts vorbereiten kann und das weder ihm noch sonstwem schadet und natürlich gerne mit Schachtelsätzen und Kettensätzen und Schachtelkettensätzen und Kettenschachtelsätzen und sonst jeder erdenklichen Form der ______ zu tun haben darf, aber keineswegs das Zeitgefühl verringern sollte, oder zumindest eine innere Uhr und einen internen Wecker einbauen könnte und die Anzahl der Zeitsprünge möglichst gering halten wird und die Anzahl der stehengebliebenen Augenblicke möglichst erhöht und die Füllwörter und Schnupfen verringert und die Erfolge und die Scham und die Unleserlichkeit und die Opfergaben und Fieberdelirien ziemlich

Gewebungen

du willst schmutzige Nägel haben und schmutzige Finger und einen persönlichen Donner, der dir überallhin folgt und du willst dir den Schmutz runterkratzen, beißen, bis deine Haut zum Vorschein kommt, und wenn deine ganze Haut reingekratzt ist, der Donner wäre ein Blech, das durch Schwingungen geräuschen würde, dann würdest du dir die Haut abkratzen, bis aufs Blut, vielleicht, du könntest immer donnern wenn du dazu Lust hättest, egal wo, wenn auch nur in deinem Kopf, du willst dabei nicht an diese rassistische, nazistische Geschichte denken müssen, mit der deine Mutter, und durch das leichteste Zittern deiner Füße würde es donnern und du hörtest dieses beruhigende Geräusch immer wenn du den Wunsch verspürtest, versucht hat die Kurrentschrift zu erlernen, dich zu bewegen, aber nicht von der Stelle kommst, sondern nur an das wohltuende Gefühl der Beschichtung, Freilegung, das Geräusch des Donners.

du willst einen Sonnenaufgang sehen, aber nicht hier, nicht so, nicht in der Stadt, nicht, nachdem du durchgemacht hast, nicht, nachdem du aufwachst, obwohl du noch müde bist, nicht, weil die Dunkelheit verjagt wird, und schon gar nicht, weil es dabei hell wird.

dreißig Sätze: dein Traumhaus

du willst eine Zeit im Irrenhaus verbringen (und du wärst von dieser Bezeichnung nicht angegriffen).
du willst nicht ins Gefängnis, weil du im Gefängnis weniger Freiheiten hättest und dich beweisen müsstest oder unterdrückt würdest.
du willst nicht so weitermachen wie du es gerade tust, denn du willst nicht wissen, wohin das führt.
du willst eine Zeit lang im Irrenhaus verbringen und wissen, wohin dich das führt. du hättest einen geregelten Tagesablauf, wie im Gefängnis, nur besser. du könntest über deine Zeit selbst bestimmen, gewissermaßen. du würdest vielleicht sogar Medikamente bekommen. du könntest deinen Schlafmangel nachholen, oder aber im Gegenteil ihn noch verstärken. um mehr Medikamente zu bekommen. um eine andere Wahrnehmung zu bekommen. und dich vor dir selbst zu beweisen.

du möchtest eine Zeit im Irrenhaus verbringen, weil dir dort niemand schreiben kann „ich will das Zimmer morgen besichtigen“ und sich dann nie mehr meldet, weil du dort nie glauben wirst, die perfekte Wohnung gefunden zu haben, sie dann aber zu weit weg ist oder im Erdgeschoss oder im sechsten Stock ohne Aufzug oder viel zu teuer ist oder zu wenig Zimmer hat, weil du dort einfach stundenlang schreiben und lesen und spielen und lernen und Leute beobachten und vor allem nichts tun könntest, weil dich niemand schief anschauen würde, wenn du nichts tätest, vor allem du selbst nicht.
du möchtest wissen, wie gut du es wirklich aushalten kannst, von den Menschen, die du kennst, auf diese Weise getrennt zu sein, möchtest wissen, ob sich mit Verrückten leichter Freundschaften schließen lassen als mit den anderen, und was für Freundschaften das dann wären, im Vergleich. du möchtest wissen ob du dich auf Besuche freuen würdest, oder ob sie dir ärgerlich wären, weil sie dich ablenken würden vom Mandala, von Mayröcker, von Mahjong, vom Malkasten.

du willst wissen wie es wäre und wie es ist und welches Irrenhaus du dir aussuchen würdest, real oder fiktiv, was würdest du nehmen, wo würdest du dich selbst einschreiben, sofort, ohne Zögern.

stundenlang am Bett liegen und denken oder versuchen, nicht zu denken, oder Gedanken nachgehen, für die du jetzt keine Zeit hast, sie aber natürlich trotzdem denkst.
stundenlang aus dem Fenster starren und bald jedes einzelne Blatt kennen, das dir in den Blick kommen könnte, jedem einzelnen Ziegelstein einen Namen gegeben haben.
stundenlang zuhören und reden und versuchen, alles gesagte und gehörte und sonstwie aufgeschnappte aufzuschreiben, als wärst du eine Romanfigur, mit einem perfekten Gedächtnis, die sich alles merken kann, jede Silbe richtig wiedergibt, oder sich zumindest nicht eingesteht, dass sie falsch liegen könnte, und die selbstverständlich nur handlungswesentliches sagt und tut und denkt und will und weiß und isst und trinkt und fühlt.

endlich gerade sitzen lernen, endlich meditieren lernen, endlich alles lernen können, für das jetzt nie Zeit oder Geduld oder Konsequenz vorhanden ist, angefangen mit luzidem Träumen, aufgehört mit Sprachen. wobei Sprachen vielleicht schwierig werden könnten, die Aussprache zumindest, ohne Vorlage, ohne Gegenüber, aber auch das schaffbar, sicher möglich, mit der Zeit, mit den richtigen Mitteln, warum nicht. warum nicht auch gleich internationales Personal einstellen oder nur mit ausländischen, deiner Muttersprache unfähigen Patienten verkehren.
warum nicht gleich einen Plan zeichnen, einen Entwurf für dein Vorzugsirrenhaus, fiktiv, aber doch real, in die Realität umgesetzt, bald, sobald ein Sponsor gefunden ist, einer, der mit einer Sponsorin verheiratet ist, das gibt mehr Geld, doppelt so viel, da ist dann Platz für doppelt so viele Wünsche und Anregungen und Raum für nur halb so viele Beschwerden. ein schönes Gebäude muss es sein, ansprechend, mit Bowlingkeller und Bibliothek und Weinkeller und ruhigen Arbeitsräumen und aktuellem medizinischem Equipment und Gesellschaftsräumen und ausreichend Toiletten und privaten Duschen und leistbar, selbstverständlich, für jeden leistbar, der etwas dazu beitragen möchte. alle Neuankömmlinge dürfen sich einen Raum aussuchen, einen neuen, den sie gerne hätten oder einen, der schon da ist und den sie besonders gern mögen, und dann dürfen sie einmal im Monat vierundzwanzig Stunden pausenlos in diesem Raum sein und machen, was sie wollen, mit diskreter Aufsicht eventuell, raumabhängig, und bereitgestellter Nahrung, menschabhängig. ein Garten ist auch ein Raum für manche Menschen und für den Winter gibt es dann den Wintergarten und Zelte und Fernrohre und Mikroskope und begehbare Kleiderschränke sowieso. und privat angestellte Schneider, die alles zurechtnähen und -stopfen und -flicken, was einer nicht mehr haben will, aber dem anderen nicht passt. und Köche und Frisöre, die Interessenten auch etwas beibringen, und regelmäßige Parties und Gruppenumarmungsminuten statt Schweigeminuten. und bunte Wände oder aber schwarze Wände, die mit Neonfarben besprüht, bemalt, bespritzt, bedruckt sind. und Tanzsäle und eine Bar im Weinkeller, der natürlich gleichzeitig auch ein Bierkeller ist und Butterscotch immer lagernd hat.

dein Traumhaus ist ein Irrenhaus.

A wie Selbstmord, B wie Sterbehilfe, C wie Cotard-Syndrom

du willst nicht tot sein, denn du willst nicht sterben müssen.

du willst nicht darüber nachdenken müssen, wie du dir das Leben nehmen kannst (ausbluten, einschlafen, erhängen, erschießen, ersticken, ertrinken, springen, vergiften), was die schnellste und gleichzeitig schmerzfreiste und gleichzeitig unkomplizierteste und gleichzeitig einfachste Variante wäre. du willst keine Stunden damit verbringen, deine suicide note (oder würde es doch eher ein Abschiedsbrief werden?) zu schreiben. (denn stunden-, wenn nicht sogar tagelang würde es dauern, das schreiben; durchstreichen; verwerfen; verzweifeln; nachdenken; abschweifen; überlegen; wiederherstellen; wiederstreichen; wiederwerfen; wiederzweifeln; wiederdenken; wiederschweifen; wiederlegen; widerlegen. an wen adressieren? („liebe alle“) womit beginnen? („es liegt nicht an euch, es liegt an mir“) womit enden? („bis bald / auf Nimmerwiedersehen – je nach Wunsch bzw. Glaubensansicht bitte die bevorzugte Phrase wählen“) was sagen?

Selbstmord ist doch eigentlich auch Sterbehilfe, meinst du. Sterbehilfe ist jemandem beim Sterben helfen, denkst du dir. du bist jemand, jeder ist jemand, vermutest du. jemand selbst, selbst jemand, oder jemand anderer ist egal, stellst du fest. Selbstmord ist also auch Sterbehilfe, weißt du nun.

wenn du also etwas gegen Selbstmord hast, musst du auch etwas gegen Sterbehilfe haben, und umgekehrt. wenn du also für Sterbehilfe bist, darfst du nicht gegen Selbstmord sein, und umgekehrt.

du willst nicht tot sein, aber du würdest gerne glauben, dass du bereits tot bist. du würdest dir gerne Gedanken über dein eigenes Begräbnis machen während du dir keine Sorgen über den Alltag machen müsstest. du würdest abnehmen und drogenunabhängig, du würdest langfristig vielleicht sogar glücklich und irgendwann auch geheilt werden.

du willst nicht tot sein, aber du hättest überhaupt nichts dagegen, wenn alle glauben würden, dass du glaubst, dass du tot bist!

Fragmen-Tee

was für eine Serie wäre dein Leben? eine Liebeskomödie? (aber dafür müsstest du zu viele schlechte Küsse, schirche Bilder, mehr oder weniger Vergewaltigungen und quasi alle Enttäuschungen streichen.) ein actiongeladener Thriller? (aber dafür müsstest du zu viel dazu erfinden und auch noch irgendwie für all die atemberaubenden special effects zahlen.) ein nie wirklich spannender Krimi? (aber das stand eigentlich sowieso nie zur Auswahl.) welchen Aspekt deines Lebens würdest du behalten? was müsstest du alles ändern um die ganzen Schauspieler, Regisseure und Autoren zufrieden zu stellen? welche Teile deines Lebens sind verzichtbar, welche sind dir am wichtigsten, „was macht dich aus“?

2,50€ für eine einzige Flasche voller Beißkugerln ausgeben und sie dann so lange schütteln und aufdrehen, schütteln und aufdrehen, bis du dich fragst, ob eine Flasche Alkohol nicht besser gewesen wäre, wenn andere Drogen schon nicht erlaubt sind im Flugzeug.

es ist nie eine gute Idee, zwei Drogen („“) zu kombinieren, deren Wirkungen sich ziemlich genau überdecken (bzw. bei denen nicht immer wirklich klar ist, was genau jetzt auf welche Substanz zurückzuführen ist, bzw. bei denen das keinen Unterschied macht). es ist eine noch schlechtere Idee, die stärkste Wirkung dieser Drogen zu unterschätzen und zu glauben, dass es möglich ist, diese zwei Nächte hintereinander zu ignorieren. erst Recht, wenn mehr als eine Person beteiligt sind. das kann ja dann nur zu einem befriedigenden Ergebnis führen. (‚Nie?)

am Flughafen krampfhaft versuchen, die Aufmerksamkeit von sich wegzulenken, aber dann erst doch nicht bemerkt werden, maximal der Hund schnüffelt an deinem Koffer und das auch nur, weil die Kleidung darin unfassbar stinkt, das nennt man fehlplatzierte Enttäuschung.

Füße. Füße überall, Schuhe, um genauer zu sein und Hosen, viele Hosen. zwei, drei Strumpfhosen, ein Rock, oder vielleicht hast du welche übersehen, keinen Schottenrock jedenfalls, das wäre dir aufgefallen, oh, noch eine Strumpfhose, seufz. zu viel Zeit, viel zu viel Zeit, viel, viel zu viel Zeit. viel zu früh ist die Zeit außerdem (nicht, dass die Zeit selbst etwas dafür könnte), da ist noch niemand ansprechbar, zumindest niemand, den du gut kennst, du würdest den oder die ja auch nicht gut kennen wenn sie jetzt schon ansprechbar wären, nicht wahr? seufz.

grauslicher Tee im Flugzeug, nie wieder, nie wieder, wenn dein Hals nicht so spioniert wäre, hättest du dir das eh nie angetan, du musst merklich das Gesicht verziehen, es ist einfach nur sauheißes Wasser mit Farbstoff und einem ekligen metaphorischen Teeblatt drin, es ist einfach nur zum verzweifeln, und nach dem grindigen Pappbecher schmeckt es natürlich auch noch, kotz, würg, du versuchst, es nicht auszuspucken, wahrhaftig, du übertreibst nichtmal ein kleines bisschen, also entweder ist da wirklich Teein drin oder ein sich so sträubendes Gehirn kann vor lauter Ekel nicht wach bleiben, du schüttelst dich, lange, wenigstens tut die Wärme ein bisschen gut, sonst wärst du schon längst weg, ganz weg, wirklich, wobei Suizid im Flugzeug wahrscheinlich eine zu große Herausforderung wäre, aber #challengeaccepted, der Geruch macht dir grausliche Gänsehaut, raus, einfach nur raus, #escape, please – ah, es ist vorbei, halbhallelujah, weil du den Geschmack fix nicht bald los bist, rülps.

what a / water – melon

Fragmente

Wecker läutet. liegen bleiben. 7:00. Augen schließen. 7:12. Augen schließen. 7:29. Augen schließen. 7:49. Augen schließen. 7:51. Zeitgefühl verloren. Augen schließen. 7:55. Zeitgefühl wieder verlieren wollen. 7:56. Augen schließen. 7:59:15. aufstehen.

dieses Gefühl, vollgefressen zu sein, aber trotzdem Hunger zu verspüren. das kennst du sicher.

wie oft noch, bis du merkst, was du anrichtest, bis dir bewusst wird, dass ein Graben der letzte sein muss, bis dich jemand direkt genau darauf anspricht?

niste mich dort ein“, dieser Ausdruck hat dir schon immer etwas angetan gehabt. nisten, Nest, nesteln, Nescafé, Nesquik, Nessel!

Obsession

experimentell heißt, die These muss mit dem Beispiel begründet werden, das Ergebnis heißt Experiment und ist experimentell.

mach, dass es juckt, ich weiß, du kannst das. ich weiß, du weißt wie das geht, unbewusst. ich weiß, du weißt nicht bewusst wie du es jucken machen kannst, aber ich weiß, dass du es schon oft getan hast, weiß(t), wie es geschieht. mach, dass es juckt, und dann versuch, den Juckreiz zu stillen, und dann kratze und kratze und kratze bis das Kratzen zu einer anderen unangenehm-angenehmen Empfindung wird, zu einem neuen Juckreiz, der nicht aufhört, nie aufhört, du kratzt und kratzt und es juckt immer noch, du hörst auf zu kratzen und es juckt umso stärker und dann kratzt du so lang bis du nicht mehr kratzen kannst und dann ist der Juckreiz immer noch da, aber du nicht mehr.

Salz in die Wunde und die Chipspackung durch Zufall wie eine Spirale aufreißen, spiralförmig aufreißen, immer weiter und weiter bis nichts mehr übrig bleibt, weder (von) außen noch innen.