das mit dem Apfel

du hast zu oft stumm geweint, zu oft versucht, keinen Laut aus deiner Kehle zu lassen, hattest Spaß daran, niemanden akustisch wissen zu lassen, wie es dir geht, dir gefiel dieses Zurückhalten, dieses Zurückdrängen, dieses Schweigen, das jedoch nie vollkommen gelang, aber du hast es versucht, immer wieder, gerne, mit Vergnügen, einfach deinen Mund zu öffnen ohne etwas daraus entweichen zu lassen, abgesehen vielleicht von stummer Luft, aber wahrscheinlich nichtmal das, manchmal hast du auch so hoch geschrien, dass es für das menschliche Ohr nicht mehr wahrnehmbar war, das war anstrengend, mit der Zeit sehr anstrengend, aber mindestens genauso befriedigend wie ’nur so tun, als ob‘, bis auf die Momente natürlich, in denen die Stimme fiel, auf hörbares Niveau herunterkrachte, geräuschvolle Ernüchterung.
jetzt würdest du es gerne umkehren, gerne schreien, soviel du willst, solange du kannst, aber das geht nicht, du darfst nicht, du kannst nicht, du traust dich nicht, was, wenn plötzlich jemand klopft und du hörst es wegen der Musik auf deinen Ohren nicht, was, wenn plötzlich jemand nach dem Klopfen eintritt, also nicht ganz so plötzlich für jemand, weil ja das Klopfen und wahrscheinlich auch ein besorgtes Nachfragen vorher kam, aber sehr plötzlich für dich, weil du es ja nicht gehört hast, nein, das Risiko kannst du nicht eingehen, das kannst du unmöglich riskieren, stumme Erniedrigung.
du wäscht dir zwei grüne Äpfel, zwei von sechs, Nummer drei und Nummer vier, mit kaltem Wasser am Waschbecken, du schaffst es, während du den ersten Apfel vorm Waschbecken isst, ihn in das Waschbecken hineintropfen lässt, kein einziges Mal in den Spiegel zu schauen, du erblickst dich nicht einmal in deinen Augenwinkeln, ein wahres Kunststück, du kannst wirklich stolz auf dich sein, wirklich stolz, ein echter Erfolg, das würden sicher nicht viele schaffen, keiner vor dir und nur wenige danach – der Tränenschwall versiegt, langsam aber sicher, der Rotz lässt sich immer leichter zurück in die Nase ziehen, der Apfel schrumpft, dein Ausblick bleibt gleich spärlich, heuchlerische Ironie.
beim zweiten Apfel hast du dich vom Waschbecken entfernt, zuerst nur ein wenig, kaum einen Schritt und leicht zur Seite, aber weit genug um dich nicht im Spiegel zu sehen, selbst wenn du dich jahrelang darin suchen würdest, stattdessen blickst du auf ein leeres, vollgemülltes Zimmer, und die Tränen entscheiden plötzlich, doch noch nicht Feierabend zu machen, noch eine Runde nachzulegen, weiterzufließen, ohne jeden ersichtlichen Grund, außer diesem plötzlichen, spiegelverkehrten Anblick des bekannten Zimmers, Zimmerteils, aber das ist kein Grund, das ist nichtmal ein Zehntelprozentpunkt eines Grundes, taumelnde Prinzessin.
also entfernst du dich vom Spiegel, weiter weg diesmal, weit weg vom Waschbecken, aus der Sichtweite raus, einfach nur raus, ganz weit weg, nur nicht mit dem Rücken dazu, nein, das funktioniert nicht, ganz schlecht, ganz ganz schlecht, nein, nicht mit dem Rücken zu dir selbst, unebenbürtiges Spiegelbild.
ein Ton will sich aus deinem Hals stehlen, schafft es auch, ganz kurz, den Bruchteil einer Sekunde, aber eine Sekunde wäre schon sehr lang, also beißt du dir in den Daumen, ganz fest, ganz ganz fest, als würdest du ihn abbeißen wollen, bis auf den Knochen, und den Knochen auch noch durch, und der Schmerz tut so gut, ist so erleichternd, dass du glücklich einatmest und natürlich sofort husten musst, weil sich ein kleines Apfelstückchen, vielleicht sogar nur ein winziger Teil der grünweißlichen Haut, auf die falsche Rutsche gelegt hat, den falschen Eingang genommen hat, oder Ausgang, oder einfach: weil es deinen Wunsch erhört hat, erfüllen will, alle zukünftigen Schreie gleich mit einem Schlag verhindern will, die Luftröhre zusperren damit du sicher bist, vor deiner eigenen Stimme; aber so schlimm ist es natürlich nicht, nichts, was ein bisschen husten nicht wieder gut machen könnte, alles gut, nur eine Schrecksekunde, wahrscheinlich nichtmal das, und die Zufriedenheit vom Daumenschmerz dauert immer noch an, das muss ausgenützt werden, du hast heute schon genug Wasser verloren, du willst nicht noch zwei Liter trinken müssen, nein, neuer Schmerz, ja, du kratzt dir die kleine Wunde auf deinem Handrücken auf, es ist die andere Hand, nicht die Daumenhand, aber das ist wahrscheinlich nur Zufall, du kratzt dir das kleine, winzige Loch auf, und weißt schon längst nicht mehr, wie es entstanden ist, Insektenstich oder Zigarettenasche oder Papierkratzer oder Holzsplitter, du weißt es nicht mehr, und es könnte dir nicht egaler sein, nichts in diesem Moment könnte dir egaler sein als alles, abgesehen von dem Gefühl, das dir diese Wunde verleiht, dieses wunderschöne Gefühl des stechenden Schmerzes, aber nein, das Wort Schmerz wird dem Gefühl nicht gerecht, nichts wird diesem Gefühl gerecht, es ist perfekt, einfach nur perfekt, also streichelst du dir den kleinen roten Kreis mit deinem Finger voller Apfelsaft und schleckst ihn mit deiner wahrscheinlich bereits grünen Zunge ab und zuckst kurz zusammen, lächelst vielleicht sogar, auf jeden Fall in dich hinein und weißt, dass dich ein Orgasmus nicht mehr beglücken könnte, kurzfristige Vollkommenheit.
als du endlich den Mut findest, in den Spiegel zu blicken, bist du enttäuscht, man könnte glauben, nichts wäre gewesen, deine Lippen sehen ein bisschen kleiner aus als sonst, aber das kann genauso gut an deiner Enttäuschung liegen, und vielleicht ist dein Gesicht im Großen und Ganzen ein wenig breiter geworden, aber aufgeschwollen würdest du nicht sagen, nein, so siehst du nicht aus, zumindest nicht deiner Meinung nach, die Haare sind selbstverständlich zerzaust und die Wimpern noch nicht ganz trocken, aber rot sind deine Wangen sonst auch oft genug, kein nennenswerter Unterschied also, geräuschlose Ernüchterung.

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Verzweif atmet Lungen

und diese Momente in denen du nicht weißt, worüber du schreiben kannst, in denen du schreiben willst, denken willst, sterben willst, vergessen willst, alle Verantwortung von dir schieben und nie wieder mit irgendjemandem reden und schon gar nicht mit dir selbst, denn du –

in der Ruhe liegt die Kraft und in der Ruhe liegt die Panik und Ruhe ist immer dort, wo sie nicht sein soll und nie da wenn man sie braucht –

du bist von einem Menschen mit zwölf Stunden Schlaf zu einem Menschen geworden, der die Stunden zählt, die er schlafen kann, wird, zu einem Menschen, der schwere Finger bekommen hat und Rückenschmerzen und unbemerkbare Panikattacken und der –

sie schloss die Augen und wollte weinen, aber es kamen keine Tränen; es kamen nur Tippgeräusche auf der Tastatur und sie wünschte sich, sie hätte die Kraft und die Wahl und die Ausdauer und die Fähigkeit, sich in den Tod zu schreiben, so lange zu schreiben bis sie stirbt und nicht aufzuhören, egal was passiert, erst recht, wenn nichts passiert; aber ihr würden die Ideen viel zu früh ausgehen, das wusste sie, und –

das schlimmste ist nicht, dass du nicht weinen kannst, das schlimmste ist, dass du in die Zukunft sehen kannst weil du die Vergangenheit nicht geändert hast –

wenn die Ausbesserfunktion erstmal da ist verwendet sie niemand, –

und das Schlimmste ist, du versuchst dir nichts anmerken zu lassen und bist genauso fröhlich wie immer, tust genauso fröhlich wie immer, und niemand merkt etwas, und niemand sollte etwas merken, aber es fällt dir trotzdem unangenehm auf weil was ist, wenn du es ernst meinen würdest, was wäre, wenn du dir wirklich gefährlich würdest, sie würden es nicht merken, wahrscheinlich würden sie es gar nicht merken, und das würdest du zwar wollen, wahrscheinlich, aber vielleicht auch nicht und tun würden sie jedenfalls nichts dagegen weil sie es ja nicht merken würden, etc. –

Namen sind falsch und meaningless und wiederholen sich zu oft oder zu selten als dass sie irgendeine tiefere Bedeutung entfalten könnten; –

wie viele Sätze musst du schreiben bis etwas Brauchbares dabei ist, wie viel virtuelles Papier musst du zerknüllen bis du weißt, dass dein Papierkorb voll ist, wie lange kannst du so weitermachen, ohne, dass es jemand merkt –

der Vorteil an Schreibmaschinen ist, dass man sich darauf nicht verklicken dann, der Nachteil, dass blind schreiben nicht funktioniert, zumindest nicht ewig, zumindest nicht, ohne ein gewisses Wissen über die Ersatzteile und den Papiernachschub, zumindest glaube ich das, aber was weiß ich schon, ich hab ja noch nie mit einer Schreibmaschine geschrieben, zumindest glaube ich das –

hast du jemals Stille gehört, absolute Stille, wundervolle Stille; hörst du sie jetzt; nein, natürlich nicht, sonst würdest du nicht lesen, sonst würdest du die Stimme in deinem Kopf nicht sprechen lassen, würdest sie dir nicht diesen Text vorlesen lassen, sondern würdest stattdessen lauschen, angestrengt und gedankenlos und endlos lauschen und nie wieder einen anderen Wusch verspüren wollen –

Hoffnung hat mich getötet; noch nicht ganz, aber ich bin nah dran; sie holt dich ein, egal was du glaubst, egal wer du bist, egal wo; zumindest war das bei mir so; Hoffnung ist mächtig, egal ob du damit einverstanden bist oder nicht; Hoffnung ist tödlich; wie eine Kopfmassage, tödlicher noch als Zweifel und diese kleinen roten Wellen vom Rechtschreibprogramm unter einem Wort, das du eigentlich für richtig gehalten hast, tödlicher als Sucht, denn Hoffnung ist die schlimmste Sucht von allen, keine andere steht dir 24/7 bei, keine andere ist so tödlich –

erst wollen die Tränen gar nicht kommen, dann gibt es eine kurze Chance, aber du hältst sie zurück, dann versuchst du es wieder, weil du glaubst, du kannst es schaffen, aber das stimmt nicht, dann kannst du ein, zwei Läckchen rauspressen, nicht mehr, so stellst du dir eine Geburt vor, es kommt nicht, es kommt nicht, die ganze Zeit nur Wehen, nur Erwartungen, leere Erwartungen bis zu dem Moment der Explosion –

bin ich der einzige Mensch, dem es auffällt, dass bei den meisten Rolltreppen die Hand- schneller als die Fußstütze ist und dass wenn man sich an einer Körperstelle mehr oder weniger grundlos oder auch grundvoll kratzt, es oft an einer anderen Körperstelle zu jucken oder rinnen anfängt, weit entfernt oder etwas näher, aber ohne sichtlichen Zusammenhang, und bin ich der einzige der sich fragt, warum das so ist und ob das so sein soll, oder ist das vielleicht nur bei mir, nur in meiner Wahrnehmung so und ist das deshalb die Erklärung dafür –

du tust dir weh obwohl du weißt, dass es nichts bringt, aber du weißt nicht, was du sonst tun solltest, weil du nicht viel anderes kennst, weil du weißt, dass du etwas tun musst, weil du weißt, dass du glaubst, dass du es verdient hast und weil du es vielleicht wirklich verdient hast, aber natürlich auch, weil du den Schmerz magst, weil du ihn kontrollieren kannst, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, niemand kann dir garantieren, dass morgen ein Stein auf deinen Fuß fällt und niemand könnte dir den Schmerz vorhersagen, den das verursachen würde, Kontrolle ist das Beste; –

du streifst dir über deine Pulsschlagadern und denkst dir „wenn das ein Film wäre würde er sich umbringen, oder alle würden denken, dass er sich gleich umbringen wird, also warum glaube ich nicht, dass ich mich gleich umbringen werde, warum werde ich mich nicht gleich umbringen“, bis auf den letzten Teil, den denkst du dir nicht, stattdessen denkst du „blutrote Lippen, blutige Lippen, rot vom eigenen Blut, vom Blut der Lippen, ich sollte blutige Lippen googeln“ und tust es dann aber doch nicht –

issues (past, present, future)

du kannst deinem vergangenen Ich nicht mehr vertrauen (wobei die Frage ist, ob du es je konntest): es hat Dinge von dir preisgegeben, ohne zweimal nachzudenken, Dinge, die du heute vielleicht nicht mehr jedem auf die Nase binden würdest (damals wusstest du natürlich auch, dass du diese Dinge nicht jedem auf die Nase binden solltest, hast es aber trotzdem getan, besser gesagt hast du einfach eine weitergefasste Definition von „jedem“ verwendet als es andere Menschen getan hätten und hast das als Ausrede, Entschuldigung, Begründung durchgehen lassen).
es hat Sachen gemacht und Sätze artikuliert, die es nicht machen hätte sollen, rückblickend, die ausschließlich das Produkt von Ungeduld oder Übermut oder Alkohol oder Dummheit waren.
es hat dich in eine Situation gebracht, in der du nicht sein willst, von der du nicht weißt, wie du ihr entfliehen kannst. du würdest es gerne verfluchen, zur Vernunft besinnen, aber du weißt sehr wohl, dass das unmöglich ist. du kannst deinem vergangenen Ich nicht mehr vertrauen (wobei die Frage ist, ob du das je wirklich konntest): und wenn du deinem vergangenen Ich nicht mehr vertrauen kannst, kannst du auch deinem gegenwärtigen Ich nicht vertrauen. du kannst dir nicht vertrauen, heißt, du kannst nicht darauf vertrauen, dass du nicht etwas machst, was deinem zukünftigen Ich schaden könnte. allerdings, was kümmert dich dein zukünftiges Ich, das doch nur ein Produkt aus deinem vergangenen und gegenwärtigen sein wird können, also auch nicht vertrauenswürdig, genauso verzweifelt. was kümmert dich ein Mensch, der immer das Gegenteil tut von dem, was ihm gesagt wird und viel zu oft das Gegenteil tut von dem, was er tun möchte, sollte, wollte, will. du kannst deinem vergangenen Ich nicht vertrauen (konntest es wahrscheinlich nie): kannst also auch deinem gegenwärtigen und in weiterer Folge deinem zukünftigen Ich nicht mehr vertrauen, konntest das nie, auch wenn du es vielleicht (wahrscheinlich) fälschlicherweise getan hast, wie du viele Dinge fälschlicherweise getan hast, und immer noch tust.

Selbstgeißelungen: erfrieren, verhungern, zeitigen.

Weberknechte und Sprachfieber und Schweißrekord und das Wissen, einem Streak mit einem Tag Pause nicht gewachsen zu sein (dann ist alles aus), und aufräumen und duschen und kochen und Haare waschen und vor allem eine Reihenfolge und keine Sucht mehr finden und Angst vor dem nächsten (oder vor dem zweiten) ___-______ (oder Fetzen generell) haben und Schnupfen und Entscheidungen treffen, müssen, und Missverständnisse lieben, wollen, und jedes Wort ausschreiben, können, sollen, und viel Geld bekommen und noch mehr ausgeben und zu viele Gedanken haben und zu wenig Zeit und endlich (hoffentlich) einmal nicht genug Müdigkeit und immer noch kein Zeitgefühl, aber ein bisschen mehr, und auch ein bisschen Panik und leider viel Inkonsequenz und noch immer keine Slowmotiontaste für deine Gedanken und noch immer kein Aufnahmegerät für deine Träume und noch immer keine Entscheidung und schon wieder Inkonsequenz und Geschreie und Ahnungslosigkeit und Durst und Fragen wie Wie viel Wasser brauchst du am Tag und Wie lange kannst du ohne Essen auskommen und Ist es gesund zu _________, auszuprobieren, wie lange du ohne Essen auskommen kannst und Was sollst du essen wenn du maximal eine Mahlzeit am Tag zu dir nimmst und Ist es nicht viel ungesünder nur dreihundert Kalorien Zucker an einem Tag zu trinken als Popcorn und Nudeln und Reis und Schokolade zu essen und mehr als nur nichtmal ein oder zwei Liter Wasser zu trinken und natürlich reicht der Platz im Endeffekt nie aus, aber nicht müde heißt auch nicht aufhören müssen, aber Fehler und Konzentrationslosigkeit und löchrige Mägen heißen aufhören sollen, aber leichte, verschiedene Schmerzen heißen nicht aufhören wollen und egal wie reich du bist, die Füllfeder wird noch nicht ersetzt weil der Stöpsel hält, auch nicht wenn deine Patronen leer sind und die Gedanken überschlagen sich und genau und was mit einem Sparkonto anfangen, wenn nicht wissen, worauf sparen, weil Privatjets im echten Leben viel zu teuer sind (Erhaltungskosten und so) und immer noch mit Chats verwechselt werden und schon wieder und leider und leere Patronen und noch ein Versuch und trotzdem und

Bruch und Notlösung und Ameisen im Fuß und unleserliche Schrift und Bemühungen und Schmerzen und Löcher hinter dem Nabel, die sich gegenseitig aufheben, ein Loch, zwei Löcher, drei Löcher, unzählige und unzählige Wörter und unzählbare Sätze und du kannst alles quantifizieren wenn du die richtigen Worte kennst und auch die Worte mit denen du quantifizierst müssen quantifiziert werden und was macht er mit dir, der ständige Gedanke des nahenden Endes, das ständige drohende Ende macht Erinnerungen und Vorausblicke und Tränen und Tinte, was eine Alliteration in der Gegenwart ergibt, zwar keine _________, aber auch keine löchrige Fixierung, sondern eine momentane Vergesslichkeit, ein kurzfristiges Blackout, das auch länger anhalten könnte als befürchtet und überraschenderweise eine schöne Schrift, eine immer leserlicher werdende Schrift, ein Paradox also ein Synonym von Rätsel und einen trockenen, komischen, rauen, nicht-bewässerten, unbeschreiblichen, ungebildeten Mund und noch mehr Ameisen im Fuß, wieder, und die Hälfte eines Experiments, besser gesagt die geglaubte, vermutete, angenommene Hälfte des Experiments, was nichts über die eigentliche, noch zu erörternde Länge aussagt und Ameisen sind warm, wer hätte das gedacht, und Ohrwürmer sind überall, das ist bereits mehr als ein Sprichwort, das ist ein Fakt und faktisch gesund kann es nicht sein, von einem Rausch in den anderen zu gelangen und unfaktisch braucht jeder Mensch ein Hobby, das er überall und jederzeit praktizieren oder auf das er sich immer und jederorts vorbereiten kann und das weder ihm noch sonstwem schadet und natürlich gerne mit Schachtelsätzen und Kettensätzen und Schachtelkettensätzen und Kettenschachtelsätzen und sonst jeder erdenklichen Form der ______ zu tun haben darf, aber keineswegs das Zeitgefühl verringern sollte, oder zumindest eine innere Uhr und einen internen Wecker einbauen könnte und die Anzahl der Zeitsprünge möglichst gering halten wird und die Anzahl der stehengebliebenen Augenblicke möglichst erhöht und die Füllwörter und Schnupfen verringert und die Erfolge und die Scham und die Unleserlichkeit und die Opfergaben und Fieberdelirien ziemlich

A wie Selbstmord, B wie Sterbehilfe, C wie Cotard-Syndrom

du willst nicht tot sein, denn du willst nicht sterben müssen.

du willst nicht darüber nachdenken müssen, wie du dir das Leben nehmen kannst (ausbluten, einschlafen, erhängen, erschießen, ersticken, ertrinken, springen, vergiften), was die schnellste und gleichzeitig schmerzfreiste und gleichzeitig unkomplizierteste und gleichzeitig einfachste Variante wäre. du willst keine Stunden damit verbringen, deine suicide note (oder würde es doch eher ein Abschiedsbrief werden?) zu schreiben. (denn stunden-, wenn nicht sogar tagelang würde es dauern, das schreiben; durchstreichen; verwerfen; verzweifeln; nachdenken; abschweifen; überlegen; wiederherstellen; wiederstreichen; wiederwerfen; wiederzweifeln; wiederdenken; wiederschweifen; wiederlegen; widerlegen. an wen adressieren? („liebe alle“) womit beginnen? („es liegt nicht an euch, es liegt an mir“) womit enden? („bis bald / auf Nimmerwiedersehen – je nach Wunsch bzw. Glaubensansicht bitte die bevorzugte Phrase wählen“) was sagen?

Selbstmord ist doch eigentlich auch Sterbehilfe, meinst du. Sterbehilfe ist jemandem beim Sterben helfen, denkst du dir. du bist jemand, jeder ist jemand, vermutest du. jemand selbst, selbst jemand, oder jemand anderer ist egal, stellst du fest. Selbstmord ist also auch Sterbehilfe, weißt du nun.

wenn du also etwas gegen Selbstmord hast, musst du auch etwas gegen Sterbehilfe haben, und umgekehrt. wenn du also für Sterbehilfe bist, darfst du nicht gegen Selbstmord sein, und umgekehrt.

du willst nicht tot sein, aber du würdest gerne glauben, dass du bereits tot bist. du würdest dir gerne Gedanken über dein eigenes Begräbnis machen während du dir keine Sorgen über den Alltag machen müsstest. du würdest abnehmen und drogenunabhängig, du würdest langfristig vielleicht sogar glücklich und irgendwann auch geheilt werden.

du willst nicht tot sein, aber du hättest überhaupt nichts dagegen, wenn alle glauben würden, dass du glaubst, dass du tot bist!

Menschen wie Absatzlosigkeit

es gibt Menschen wie du und es gibt Menschen wie ich. Menschen wie du wissen immer, was sie zu sagen haben. Menschen wie du können kochen und leben und selbstständig sein. Menschen wie ich wissen erst, wenn es zu spät ist, dass sie etwas falsches gesagt haben. Menschen wie ich können kein einziges Geheimnis für sich alleine bewahren. Menschen wie ich besitzen zwar Empathie (naja, fast), können aber nicht richtig damit umgehen. Menschen wie ich müssen alles immer irgendjemandem erzählen, egal was, egal wem (naja, fast). Menschen wie ich verletzen Menschen wie dich. Menschen wie ich fangen gerade erst an, leben zu lernen. Menschen wie du müssen „wenn ich mich umbringe, ist es deine Schuld“-Sätze in den Mund nehmen. Menschen wie du kennen den Reiz, den ein Geheimnis erzeugt, dieses „ich weiß was, was du nicht weißt“-Gefühl. Menschen wie ich können nur Dinge wie „wenn du dich wirklich umbringen wollen würdest, hättest du das schon längst getan“ und „ich kann genauso an meinem Grab stehen und sagen: mir waren alle Menschen egal, alle, ausnahmslos“ bzw. ein unglaubwürdig klingendes „sorry“ in Krisensituationen aussprechen. Menschen wie ich hassen es, wenn Menschen wie du über jemanden lästern und denken sich Sachen wie „soll ich das der betreffenden Person erzählen?“ und „würde ich wissen wollen, wer was über mich lästert?“ bzw. schlimmstenfalls „aber über mich lästert doch eh keiner!“ Menschen wie ich sollten hungrig und müde und geistig halb abwesend keine Gespräche führen dürfen. Menschen wie ich hassen es, immer überlegen zu müssen, wer was von wem seit wann warum und wieviel genau weiß. Menschen wie wir hatten vielleicht nie wirklich eine Chance, gleichwertig miteinander zu kommunizieren. Menschen wie wir haben einfach eine nicht-kompatible Philosophie in solchen Dingen. es gibt Menschen wie du und es gibt Menschen wie ich.

Synonyme

du gehst und gehst und versuchst das Loch in deinem Magen zu ignorieren. du versuchst das Loch in deinem Magen zu ignorieren und deine Schritte zu beschleunigen und dich auf deine Gedanken zu konzentrieren. du willst dich auf deine Gedanken konzentrieren und nicht auf das Loch in deinem Magen und du willst, dass die Zeit schneller vergeht.

links, rechts, links, rechts, links, rechts, es ist eine alte Leier, eine zu alte Leier; bald werden deine Gedanken davon nicht mehr ausgefüllt, zu bald. vor allem nervt dich, dass du offensichtlich immer eine der beiden Richtungen betonen musst. links, rechts, links, rechts, links, rechts, so viel zur Gleichberechtigung. du seufzt, atmest, ein, aus oder aus, ein, du weißt es bald nicht mehr, und dann fängst du von neuem an, aber diesmal umgekehrt, das heißt, wenn dein linker Fuß den Boden berührt denkst du rechts und wenn dein rechter Fuß den Boden berührt denkst du links, also

rechts, links, rechts, links, rechts, links, rechts, links. das hältst du länger durch als die allerherkömmlichste Variante, aber nicht lange genug, um die Schmerzen in deinem Magen vergessen zu können. nach einiger Anstrengung kannst du es aber bei dieser Variante erreichen, keine Richtung vorzuziehen. (rechts, links, rechts, links, rechts, links, rechts, links.) allerdings bist du in nicht paradox genuger Stimmung und auch nicht geduldig genug um bei dieser Möglichkeit stehen zu bleiben.

rechts, links, rechts, links, rechts, links, rechts, links, rechts, links – diesmal änderst du deine Gedanken nicht, oder nur halb. denn dir fällt auf, dass dein linker Fuß den Boden verlässt wenn dein rechter auf ihn fällt – und umgekehrt. also hast du etwas von beidem, eine perfekte Symbiose sozusagen. du denkst beim richtigen Fuß, aber der richtige Fuß macht die falsche Bewegung: rechts, links, rechts, links, rechts, links, rechts, links, rechts, links. die perfekte Lösung, vielleicht. vielleicht lässt sie dich nur lange genug das Loch in deinem Magen vergessen, lässt dich vergessen, dass du dich infizieren würdest, wenn du es berühren würdest, lässt dich vergessen, dass du das eigentlich willst, also es berühren, nicht, dich infizieren, denn sterben willst du nicht, noch nicht, aber Blut hast du schon immer gemocht, und einen Vakuummagen sowieso, nicht nur wegen dem doppelten Doppelbuchstaben.

Blut

es ist deine Lieblingskörperflüssigkeit. (denn du weigerst dich, Wasser als solche zu bezeichnen.)
es ist dir die liebste rote Flüssigkeit.
es ist dir die liebste dickflüssige Flüssigkeit. du liebst aber auch die dünnflüssigeren Tropfen und Tröpfchen, die noch hellrot sind.
es ist nicht dein Lieblingswort, aber deine Lieblingsbedeutung.

ein buntes Band. mehr Schmerz als nötig. (aber nicht genug, um dir etwas anmerken zu lassen.) weniger Desinfektionsmittel als sonst. eine rote Hand, eine weiße Hand. (vielleicht verstärkt das starke Licht den Effekt.) ein einziges Fläschchen nur.
es lässt auf sich warten.