zerstörte Realitäten, ein Dialog

ich könnte zum Beispiel nie Schauspielerin werden.“
aber du wolltest doch immer-“
es geht ums Prinzip! ich müsste einfach viel zu viel dafür lernen oder viel zu oft von einem Double ersetzt werden. rauchen zum Beispiel, ohne zu husten natürlich. ein Freund von mir hat mal einen Film gedreht und seine Schauspieler haben in ein, zwei Stunden ganze drei Packerl aufgraucht oder so, hat er gesagt. meine Lungen würde das nicht mitmachen, mein Hals auch nicht. das erinnert mich an Freud, sein Zimmer stell ich mir immer voller Rauch vor, wenn ich es mir mal vorstelle. achja, und eingeraucht sein faken natürlich auch. oder einen Drogentrip darstellen oder so, unmöglich. also sicher möglich, aber unmöglich realistisch, nach meinen Maßstäben, jedenfalls in komplett nüchternem Zustand. und dann noch diese Handy-zwischen-Schulter-und-Ohr-Pose, die kann ich überhaupt nicht, zumindest nicht, ohne es runterzuschmeißen und kaputt zu machen oder am anderen Ende der nicht sichtbaren Leitung nix zu verstehen. oder für regnerische Szenen den Schirm so halten, handlos, ohne nass zu werden. wobei das alles sicher noch relativ schnell zu lernen wäre, eine Woche, vielleicht ein Monat, aber währenddessen dann auch noch Notizen machen, da hört sichs dann auf. also inklusive Stift und Papier suchen und so. und ich mein, es bringt sich ja auch nix, tausend Posen einzustudieren, zu üben, nur für den Fall, dass man sie mal brauchen könnte. also wenn ich nicht weiß, dass ichs brauch, würd ichs ja nicht machen. aber wenn ich weiß, dass ichs brauch, bräucht ich viel zu lang ums zu schaffen! auf Kommando weinen steht natürlich auch ganz oben auf der Liste. weil Zwiebeln machen mir einfach nur rote Augen, und wenn Tränen kommen, dann immer dieselbe Art, dünn, sehr dünn, abgemagert, und sie schaffen es meistens nicht bis zum Kinn. sowas kann ich nicht brauchen, also zumindest nicht immer. ich will auf jede erdenkliche Art plötzlich zu weinen anfangen können, verzweifeltes Brüllen, Lachtränen, satte, fette Tropfen, die aus den wässrigen Augen gepresst werden. also ich würde wollen, wenn ich Schauspielerin wollen werden würde. und tief pfeifen, ich pfeife nämlich viel zu hoch, hörst du?“ *pfeift*
ich glaub nicht, dass es möglich ist, viel tiefer zu pfeifen …“
also ich finde jedenfalls dass ich viel zu hoch pfeife, ich will gern tiefer pfeifen können, aber ich schaffs einfach nicht, weiß nicht, woran das liegt. jedenfalls is das ein großes Manko, weil wenn mal in einem Drehbuch steht: sie pfeift eine Melodie vor sich hin; oder sowas, dann will ich schon selber pfeifen und nicht einfach nur so tun als ob und jemand pfeift dann quasi über mich drüber, in der post-production. keine Doubles, oder halt so wenig Doubles wie möglich, also nur bei gefährlichen Szenen und so. ich mein, ich müsste wahrscheinlich sowieso meine ganze Attitude ändern, du kennst mich ja, du weißt ja, wie ich bin. unlängst hab ich mich wieder gefragt: wenn ich was wo vergesse, in einem Lokal zum Beispiel, am nächsten Tag dann anrufe und mir gesagt wird, dass es nicht da ist, wurde es mir dann gestohlen oder habe ich es eher verloren? weil irgendwer hat es ja sicher gestohlen, vielleicht unabsichtlich, durchaus möglich, aber objektiv gestohlen. andererseits hab ichs davor ja liegen lassen, wenn ich das nicht getan hätte, hätte es mir nicht gestohlen werden können. verstehst du, was ich mein? es ist so ähnlich wie diese Henne-Ei-Geschichte. und wenn ich halt den ganzen Tag rumlauf mit solchen Gedanken im Kopf, dann is da nicht mehr unbedingt viel Platz zum auswendiglernen und so drin.“

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issues (past, present, future)

du kannst deinem vergangenen Ich nicht mehr vertrauen (wobei die Frage ist, ob du es je konntest): es hat Dinge von dir preisgegeben, ohne zweimal nachzudenken, Dinge, die du heute vielleicht nicht mehr jedem auf die Nase binden würdest (damals wusstest du natürlich auch, dass du diese Dinge nicht jedem auf die Nase binden solltest, hast es aber trotzdem getan, besser gesagt hast du einfach eine weitergefasste Definition von „jedem“ verwendet als es andere Menschen getan hätten und hast das als Ausrede, Entschuldigung, Begründung durchgehen lassen).
es hat Sachen gemacht und Sätze artikuliert, die es nicht machen hätte sollen, rückblickend, die ausschließlich das Produkt von Ungeduld oder Übermut oder Alkohol oder Dummheit waren.
es hat dich in eine Situation gebracht, in der du nicht sein willst, von der du nicht weißt, wie du ihr entfliehen kannst. du würdest es gerne verfluchen, zur Vernunft besinnen, aber du weißt sehr wohl, dass das unmöglich ist. du kannst deinem vergangenen Ich nicht mehr vertrauen (wobei die Frage ist, ob du das je wirklich konntest): und wenn du deinem vergangenen Ich nicht mehr vertrauen kannst, kannst du auch deinem gegenwärtigen Ich nicht vertrauen. du kannst dir nicht vertrauen, heißt, du kannst nicht darauf vertrauen, dass du nicht etwas machst, was deinem zukünftigen Ich schaden könnte. allerdings, was kümmert dich dein zukünftiges Ich, das doch nur ein Produkt aus deinem vergangenen und gegenwärtigen sein wird können, also auch nicht vertrauenswürdig, genauso verzweifelt. was kümmert dich ein Mensch, der immer das Gegenteil tut von dem, was ihm gesagt wird und viel zu oft das Gegenteil tut von dem, was er tun möchte, sollte, wollte, will. du kannst deinem vergangenen Ich nicht vertrauen (konntest es wahrscheinlich nie): kannst also auch deinem gegenwärtigen und in weiterer Folge deinem zukünftigen Ich nicht mehr vertrauen, konntest das nie, auch wenn du es vielleicht (wahrscheinlich) fälschlicherweise getan hast, wie du viele Dinge fälschlicherweise getan hast, und immer noch tust.

Selbstgeißelungen: erfrieren, verhungern, zeitigen.

Weberknechte und Sprachfieber und Schweißrekord und das Wissen, einem Streak mit einem Tag Pause nicht gewachsen zu sein (dann ist alles aus), und aufräumen und duschen und kochen und Haare waschen und vor allem eine Reihenfolge und keine Sucht mehr finden und Angst vor dem nächsten (oder vor dem zweiten) ___-______ (oder Fetzen generell) haben und Schnupfen und Entscheidungen treffen, müssen, und Missverständnisse lieben, wollen, und jedes Wort ausschreiben, können, sollen, und viel Geld bekommen und noch mehr ausgeben und zu viele Gedanken haben und zu wenig Zeit und endlich (hoffentlich) einmal nicht genug Müdigkeit und immer noch kein Zeitgefühl, aber ein bisschen mehr, und auch ein bisschen Panik und leider viel Inkonsequenz und noch immer keine Slowmotiontaste für deine Gedanken und noch immer kein Aufnahmegerät für deine Träume und noch immer keine Entscheidung und schon wieder Inkonsequenz und Geschreie und Ahnungslosigkeit und Durst und Fragen wie Wie viel Wasser brauchst du am Tag und Wie lange kannst du ohne Essen auskommen und Ist es gesund zu _________, auszuprobieren, wie lange du ohne Essen auskommen kannst und Was sollst du essen wenn du maximal eine Mahlzeit am Tag zu dir nimmst und Ist es nicht viel ungesünder nur dreihundert Kalorien Zucker an einem Tag zu trinken als Popcorn und Nudeln und Reis und Schokolade zu essen und mehr als nur nichtmal ein oder zwei Liter Wasser zu trinken und natürlich reicht der Platz im Endeffekt nie aus, aber nicht müde heißt auch nicht aufhören müssen, aber Fehler und Konzentrationslosigkeit und löchrige Mägen heißen aufhören sollen, aber leichte, verschiedene Schmerzen heißen nicht aufhören wollen und egal wie reich du bist, die Füllfeder wird noch nicht ersetzt weil der Stöpsel hält, auch nicht wenn deine Patronen leer sind und die Gedanken überschlagen sich und genau und was mit einem Sparkonto anfangen, wenn nicht wissen, worauf sparen, weil Privatjets im echten Leben viel zu teuer sind (Erhaltungskosten und so) und immer noch mit Chats verwechselt werden und schon wieder und leider und leere Patronen und noch ein Versuch und trotzdem und

Bruch und Notlösung und Ameisen im Fuß und unleserliche Schrift und Bemühungen und Schmerzen und Löcher hinter dem Nabel, die sich gegenseitig aufheben, ein Loch, zwei Löcher, drei Löcher, unzählige und unzählige Wörter und unzählbare Sätze und du kannst alles quantifizieren wenn du die richtigen Worte kennst und auch die Worte mit denen du quantifizierst müssen quantifiziert werden und was macht er mit dir, der ständige Gedanke des nahenden Endes, das ständige drohende Ende macht Erinnerungen und Vorausblicke und Tränen und Tinte, was eine Alliteration in der Gegenwart ergibt, zwar keine _________, aber auch keine löchrige Fixierung, sondern eine momentane Vergesslichkeit, ein kurzfristiges Blackout, das auch länger anhalten könnte als befürchtet und überraschenderweise eine schöne Schrift, eine immer leserlicher werdende Schrift, ein Paradox also ein Synonym von Rätsel und einen trockenen, komischen, rauen, nicht-bewässerten, unbeschreiblichen, ungebildeten Mund und noch mehr Ameisen im Fuß, wieder, und die Hälfte eines Experiments, besser gesagt die geglaubte, vermutete, angenommene Hälfte des Experiments, was nichts über die eigentliche, noch zu erörternde Länge aussagt und Ameisen sind warm, wer hätte das gedacht, und Ohrwürmer sind überall, das ist bereits mehr als ein Sprichwort, das ist ein Fakt und faktisch gesund kann es nicht sein, von einem Rausch in den anderen zu gelangen und unfaktisch braucht jeder Mensch ein Hobby, das er überall und jederzeit praktizieren oder auf das er sich immer und jederorts vorbereiten kann und das weder ihm noch sonstwem schadet und natürlich gerne mit Schachtelsätzen und Kettensätzen und Schachtelkettensätzen und Kettenschachtelsätzen und sonst jeder erdenklichen Form der ______ zu tun haben darf, aber keineswegs das Zeitgefühl verringern sollte, oder zumindest eine innere Uhr und einen internen Wecker einbauen könnte und die Anzahl der Zeitsprünge möglichst gering halten wird und die Anzahl der stehengebliebenen Augenblicke möglichst erhöht und die Füllwörter und Schnupfen verringert und die Erfolge und die Scham und die Unleserlichkeit und die Opfergaben und Fieberdelirien ziemlich

dreißig Sätze: dein Traumhaus

du willst eine Zeit im Irrenhaus verbringen (und du wärst von dieser Bezeichnung nicht angegriffen).
du willst nicht ins Gefängnis, weil du im Gefängnis weniger Freiheiten hättest und dich beweisen müsstest oder unterdrückt würdest.
du willst nicht so weitermachen wie du es gerade tust, denn du willst nicht wissen, wohin das führt.
du willst eine Zeit lang im Irrenhaus verbringen und wissen, wohin dich das führt. du hättest einen geregelten Tagesablauf, wie im Gefängnis, nur besser. du könntest über deine Zeit selbst bestimmen, gewissermaßen. du würdest vielleicht sogar Medikamente bekommen. du könntest deinen Schlafmangel nachholen, oder aber im Gegenteil ihn noch verstärken. um mehr Medikamente zu bekommen. um eine andere Wahrnehmung zu bekommen. und dich vor dir selbst zu beweisen.

du möchtest eine Zeit im Irrenhaus verbringen, weil dir dort niemand schreiben kann „ich will das Zimmer morgen besichtigen“ und sich dann nie mehr meldet, weil du dort nie glauben wirst, die perfekte Wohnung gefunden zu haben, sie dann aber zu weit weg ist oder im Erdgeschoss oder im sechsten Stock ohne Aufzug oder viel zu teuer ist oder zu wenig Zimmer hat, weil du dort einfach stundenlang schreiben und lesen und spielen und lernen und Leute beobachten und vor allem nichts tun könntest, weil dich niemand schief anschauen würde, wenn du nichts tätest, vor allem du selbst nicht.
du möchtest wissen, wie gut du es wirklich aushalten kannst, von den Menschen, die du kennst, auf diese Weise getrennt zu sein, möchtest wissen, ob sich mit Verrückten leichter Freundschaften schließen lassen als mit den anderen, und was für Freundschaften das dann wären, im Vergleich. du möchtest wissen ob du dich auf Besuche freuen würdest, oder ob sie dir ärgerlich wären, weil sie dich ablenken würden vom Mandala, von Mayröcker, von Mahjong, vom Malkasten.

du willst wissen wie es wäre und wie es ist und welches Irrenhaus du dir aussuchen würdest, real oder fiktiv, was würdest du nehmen, wo würdest du dich selbst einschreiben, sofort, ohne Zögern.

stundenlang am Bett liegen und denken oder versuchen, nicht zu denken, oder Gedanken nachgehen, für die du jetzt keine Zeit hast, sie aber natürlich trotzdem denkst.
stundenlang aus dem Fenster starren und bald jedes einzelne Blatt kennen, das dir in den Blick kommen könnte, jedem einzelnen Ziegelstein einen Namen gegeben haben.
stundenlang zuhören und reden und versuchen, alles gesagte und gehörte und sonstwie aufgeschnappte aufzuschreiben, als wärst du eine Romanfigur, mit einem perfekten Gedächtnis, die sich alles merken kann, jede Silbe richtig wiedergibt, oder sich zumindest nicht eingesteht, dass sie falsch liegen könnte, und die selbstverständlich nur handlungswesentliches sagt und tut und denkt und will und weiß und isst und trinkt und fühlt.

endlich gerade sitzen lernen, endlich meditieren lernen, endlich alles lernen können, für das jetzt nie Zeit oder Geduld oder Konsequenz vorhanden ist, angefangen mit luzidem Träumen, aufgehört mit Sprachen. wobei Sprachen vielleicht schwierig werden könnten, die Aussprache zumindest, ohne Vorlage, ohne Gegenüber, aber auch das schaffbar, sicher möglich, mit der Zeit, mit den richtigen Mitteln, warum nicht. warum nicht auch gleich internationales Personal einstellen oder nur mit ausländischen, deiner Muttersprache unfähigen Patienten verkehren.
warum nicht gleich einen Plan zeichnen, einen Entwurf für dein Vorzugsirrenhaus, fiktiv, aber doch real, in die Realität umgesetzt, bald, sobald ein Sponsor gefunden ist, einer, der mit einer Sponsorin verheiratet ist, das gibt mehr Geld, doppelt so viel, da ist dann Platz für doppelt so viele Wünsche und Anregungen und Raum für nur halb so viele Beschwerden. ein schönes Gebäude muss es sein, ansprechend, mit Bowlingkeller und Bibliothek und Weinkeller und ruhigen Arbeitsräumen und aktuellem medizinischem Equipment und Gesellschaftsräumen und ausreichend Toiletten und privaten Duschen und leistbar, selbstverständlich, für jeden leistbar, der etwas dazu beitragen möchte. alle Neuankömmlinge dürfen sich einen Raum aussuchen, einen neuen, den sie gerne hätten oder einen, der schon da ist und den sie besonders gern mögen, und dann dürfen sie einmal im Monat vierundzwanzig Stunden pausenlos in diesem Raum sein und machen, was sie wollen, mit diskreter Aufsicht eventuell, raumabhängig, und bereitgestellter Nahrung, menschabhängig. ein Garten ist auch ein Raum für manche Menschen und für den Winter gibt es dann den Wintergarten und Zelte und Fernrohre und Mikroskope und begehbare Kleiderschränke sowieso. und privat angestellte Schneider, die alles zurechtnähen und -stopfen und -flicken, was einer nicht mehr haben will, aber dem anderen nicht passt. und Köche und Frisöre, die Interessenten auch etwas beibringen, und regelmäßige Parties und Gruppenumarmungsminuten statt Schweigeminuten. und bunte Wände oder aber schwarze Wände, die mit Neonfarben besprüht, bemalt, bespritzt, bedruckt sind. und Tanzsäle und eine Bar im Weinkeller, der natürlich gleichzeitig auch ein Bierkeller ist und Butterscotch immer lagernd hat.

dein Traumhaus ist ein Irrenhaus.

Fragmen-Tee

was für eine Serie wäre dein Leben? eine Liebeskomödie? (aber dafür müsstest du zu viele schlechte Küsse, schirche Bilder, mehr oder weniger Vergewaltigungen und quasi alle Enttäuschungen streichen.) ein actiongeladener Thriller? (aber dafür müsstest du zu viel dazu erfinden und auch noch irgendwie für all die atemberaubenden special effects zahlen.) ein nie wirklich spannender Krimi? (aber das stand eigentlich sowieso nie zur Auswahl.) welchen Aspekt deines Lebens würdest du behalten? was müsstest du alles ändern um die ganzen Schauspieler, Regisseure und Autoren zufrieden zu stellen? welche Teile deines Lebens sind verzichtbar, welche sind dir am wichtigsten, „was macht dich aus“?

2,50€ für eine einzige Flasche voller Beißkugerln ausgeben und sie dann so lange schütteln und aufdrehen, schütteln und aufdrehen, bis du dich fragst, ob eine Flasche Alkohol nicht besser gewesen wäre, wenn andere Drogen schon nicht erlaubt sind im Flugzeug.

es ist nie eine gute Idee, zwei Drogen („“) zu kombinieren, deren Wirkungen sich ziemlich genau überdecken (bzw. bei denen nicht immer wirklich klar ist, was genau jetzt auf welche Substanz zurückzuführen ist, bzw. bei denen das keinen Unterschied macht). es ist eine noch schlechtere Idee, die stärkste Wirkung dieser Drogen zu unterschätzen und zu glauben, dass es möglich ist, diese zwei Nächte hintereinander zu ignorieren. erst Recht, wenn mehr als eine Person beteiligt sind. das kann ja dann nur zu einem befriedigenden Ergebnis führen. (‚Nie?)

am Flughafen krampfhaft versuchen, die Aufmerksamkeit von sich wegzulenken, aber dann erst doch nicht bemerkt werden, maximal der Hund schnüffelt an deinem Koffer und das auch nur, weil die Kleidung darin unfassbar stinkt, das nennt man fehlplatzierte Enttäuschung.

Füße. Füße überall, Schuhe, um genauer zu sein und Hosen, viele Hosen. zwei, drei Strumpfhosen, ein Rock, oder vielleicht hast du welche übersehen, keinen Schottenrock jedenfalls, das wäre dir aufgefallen, oh, noch eine Strumpfhose, seufz. zu viel Zeit, viel zu viel Zeit, viel, viel zu viel Zeit. viel zu früh ist die Zeit außerdem (nicht, dass die Zeit selbst etwas dafür könnte), da ist noch niemand ansprechbar, zumindest niemand, den du gut kennst, du würdest den oder die ja auch nicht gut kennen wenn sie jetzt schon ansprechbar wären, nicht wahr? seufz.

grauslicher Tee im Flugzeug, nie wieder, nie wieder, wenn dein Hals nicht so spioniert wäre, hättest du dir das eh nie angetan, du musst merklich das Gesicht verziehen, es ist einfach nur sauheißes Wasser mit Farbstoff und einem ekligen metaphorischen Teeblatt drin, es ist einfach nur zum verzweifeln, und nach dem grindigen Pappbecher schmeckt es natürlich auch noch, kotz, würg, du versuchst, es nicht auszuspucken, wahrhaftig, du übertreibst nichtmal ein kleines bisschen, also entweder ist da wirklich Teein drin oder ein sich so sträubendes Gehirn kann vor lauter Ekel nicht wach bleiben, du schüttelst dich, lange, wenigstens tut die Wärme ein bisschen gut, sonst wärst du schon längst weg, ganz weg, wirklich, wobei Suizid im Flugzeug wahrscheinlich eine zu große Herausforderung wäre, aber #challengeaccepted, der Geruch macht dir grausliche Gänsehaut, raus, einfach nur raus, #escape, please – ah, es ist vorbei, halbhallelujah, weil du den Geschmack fix nicht bald los bist, rülps.

what a / water – melon

Menschen wie Absatzlosigkeit

es gibt Menschen wie du und es gibt Menschen wie ich. Menschen wie du wissen immer, was sie zu sagen haben. Menschen wie du können kochen und leben und selbstständig sein. Menschen wie ich wissen erst, wenn es zu spät ist, dass sie etwas falsches gesagt haben. Menschen wie ich können kein einziges Geheimnis für sich alleine bewahren. Menschen wie ich besitzen zwar Empathie (naja, fast), können aber nicht richtig damit umgehen. Menschen wie ich müssen alles immer irgendjemandem erzählen, egal was, egal wem (naja, fast). Menschen wie ich verletzen Menschen wie dich. Menschen wie ich fangen gerade erst an, leben zu lernen. Menschen wie du müssen „wenn ich mich umbringe, ist es deine Schuld“-Sätze in den Mund nehmen. Menschen wie du kennen den Reiz, den ein Geheimnis erzeugt, dieses „ich weiß was, was du nicht weißt“-Gefühl. Menschen wie ich können nur Dinge wie „wenn du dich wirklich umbringen wollen würdest, hättest du das schon längst getan“ und „ich kann genauso an meinem Grab stehen und sagen: mir waren alle Menschen egal, alle, ausnahmslos“ bzw. ein unglaubwürdig klingendes „sorry“ in Krisensituationen aussprechen. Menschen wie ich hassen es, wenn Menschen wie du über jemanden lästern und denken sich Sachen wie „soll ich das der betreffenden Person erzählen?“ und „würde ich wissen wollen, wer was über mich lästert?“ bzw. schlimmstenfalls „aber über mich lästert doch eh keiner!“ Menschen wie ich sollten hungrig und müde und geistig halb abwesend keine Gespräche führen dürfen. Menschen wie ich hassen es, immer überlegen zu müssen, wer was von wem seit wann warum und wieviel genau weiß. Menschen wie wir hatten vielleicht nie wirklich eine Chance, gleichwertig miteinander zu kommunizieren. Menschen wie wir haben einfach eine nicht-kompatible Philosophie in solchen Dingen. es gibt Menschen wie du und es gibt Menschen wie ich.

fiktive Trauerrede für M. G.

wir haben uns heute hier versammelt, um uns von unserem Freund und Kollegen M. G. zu verabschieden. viel zu früh ist er von uns gegangen, viel zu kurz war die Zeit, die wir mit ihm verbringen durften, umso größer ist nun der Schmerz, den wir alle empfinden. {i weiß grad ned ob i lachen oder Angst vor mir haben soll. hm. *Dory voice* einfach schreiben, einfach schreiben, einfach schreiben, schreiben, schreiben.}

er war großzügig und verständnisvoll, bescheiden und talentiert. seine Freundschaften hat er gepflegt, als wäre ihm nichts auf der Welt wichtiger. {warum will i jetzt plötzlich nett zu ihm sein? i mach mi glaub i grad selbst fertig *Kopfschütteln*} zugleich freute er sich über jede kleine Zuwendung so sehr, als wäre sie ein Geschenk des Himmels.

ein Geschenk des Himmels. too good to be true. ein menschlicher Engel. ein Fels in der Brandung, auf den man sich immer verlassen konnte. {macht er mi fertig oder mach i mi fertig oder beides oder mach in Wirklichkeit i ihn fertig und merks einfach ned?} so beschreiben ihn einige Bekannte, die ich in Vorbereitung auf diese Rede nach passenden Bezeichnungen fragte. nach Worten, die ihm vielleicht ein bisschen gerecht werden können. zwei davon möchte ich selbst noch hinzufügen: verschmitzter Hoffnunsträger. „verschmitzt“ verwende ich hier, um sein Lächeln zu beschreiben, ein Lächeln, das ihm niemand nehmen konnte. seine Fröhlichkeit hat ihn in jedem einzelnen Moment seines Lebens (wie bizarr oder beunruhigend dieser auch scheinen mochte) begleitet. wenn ich „Hoffnungsträger“ sage, meine ich zweierlei: einerseits seinen unbändigen Glauben an das Gute im Menschen und auch die unübersehbare positive Tendenz seiner so poetischen Texte. {oder macht einfach 1 Teil meiner schizophrenen Persönlichkeit den andern fertig?} andererseits spiele ich damit (wie könnte es anders sein?) auf sein grünes Lieblingssakko an, das er auch heute und bis in alle Ewigkeit tragen wird. ich kann mich noch genau daran erinnern, wie er mir einmal die Geschichte seines Erwerbs erzählt hat:

„V. {oida, so fertig war i no nie} hat sie mir geschenkt, zum Abschied. nicht eingepackt, natürlich. hätte ich auch nicht erwartet. war trotzdem ziemlich verblüfft. und so gerührt, dass sie überhaupt daran gedacht hatte. obwohl ich Kobold dann schon irgendwie zu zynisch fand. naja, was soll’s. typisch V. [*aufsehend* an dieser Stelle hat er in sich hinein gelächelt. *aus sich heraus lächelnd*] ich habe ihr eines meiner Lieblingsbücher gekauft, sie hat sich sehr gefreut. nie hätte ich damit gerechnet, dass sie mir auch etwas schenkt!“

ich möchte diese kleine Anekdote kurz wirken lassen und dann mit folgendem Zitat von Ralph Waldo Emerson, einem von M.’s Lieblingsautoren, abschließen [*dramatische Pause wirken lassend*]: „you cannot do a kindness too soon, for you never know how soon it will be too late.“

in diesem Sinne: lasst uns niemals vergessen, was wir M. zu verdanken haben. und lassen wir unsere Freunde niemals vergessen, wie dankbar wir ihnen sind. bis in alle Ewigkeit. Nema. {völlig; völlig fertig. mega fertig. fertiger als fertig. fast schon tot. angestorben, quasi.}