Polsterschlacht

sagst du ja oder nein, vielleicht oder wahrscheinlich, machst du einen Schritt nach vorn oder einen Schritt zurück, es sind unbewusste Entscheidungen, aber trotzdem Entscheidungen, es ist eine dünne Linie die deine Zukunft besiegelt, die den Stempel auf das heiße Wachs auf dem kalten Briefumschlag drückt, es ist nur eine Frage der Sichtweise, selbstverständlich ist es auch Ansichtssache, aber nein, du bist natürlich kein homophob und homosexuell bist du auch nicht, Rassismus liegt dir fern und Rasieren ebenso und wer ist ein homosapiens?, ichnicht!, ichnicht!, du auch nicht, ganz bestimmt, ich kann das bestätigen, ich kann das bezeugen, ich bürge dafür, als Bürger dieser Stadt, als Städter dieses Landes, als Landschaft dieser Welt, mit meinem Leben, mit meinem ganzen Leben, oder etwa doch nur mit meinem halben, es wäre wohl besser, ich würde nur mit meinem halben Leben bürgen, mit dem Teil des Lebens, der schon hinter mir liegt, da kann niemand mehr was verpfuschen, weil das ja alles vergangen ist, ich bürge also mit meinem damaligen Leben, unbestimmbarer Anteil also, Lebensanteil, aber bürgen tue ich bestimmt, komme was wolle, oh, eine _, wie schön, wie interessant, wie gebildet, wie flauschig, wie farbenfroh, wie glänzend, wie hübsch, wie überzeugend, wie stark, wie aussagekräftig, wie _, hm, was sagen Sie, also wenn das so ist, nun gut, meine Damen und Herren, Laden und Sanftmäuse, also dann, räusperräusper, überlege ich mir das noch einmal, das mit dem bürgen, war womöglich doch keine so gute Idee, sehen Sie, man muss sich nur zwingen, zwingen Sie sich selbst, tricksen Sie sich aus mit allen Mitteln die Sie kennen, spannen Sie den Bogen, aber nicht zu weit, nicht zu hoch und nicht zu tief, wer weiß, was dann geschehen könnte, man kann sich ja vorstellen was dann passieren würde, wenn die Leute plötzlich anfangen würden zu denken, der Bogen wäre absichtlich so hoch oder so tief, oder wenn sie anfangen zu tratschen, dass es ja eine Frechheit, eine Feigheit ist, dass der Bogen ja genau nach vorne zeigt, nach vorne oder nach hinten, je nachdem wo die Reporter stehen, wobei dann wahrscheinlich eher nach hinten, weil welcher Reporter stellt sich schon freiwillig in die Schusslinie, wer will schon freiwillig angeschossen werden, wer zählt heutzutage schon darauf, dass der Bogen in der letzten Sekunde noch nach oben schnellt oder nach unten oder vielleicht doch nach hinten, äh, nach vorn, äh, in die andere Richtung halt, direkt auf den Kameramann zu, direkt in die Linse hinein.

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die Faszination fahrender Autoreifen

kategorisieren, anschauen, verwalten, erraten, klassifizieren
es gibt die ganz alten, die wahrscheinlich auch im Stehen keine Löcher hätten (undurchsichtige)
es gibt die halbdurchsichtigen, die keine besonderen Merkmale haben
es gibt die (halb-)durchsichtigen mit der physikalischen Unmöglichkeit
es gibt die physikalisch unmöglichen oder die optisch täuschenden, die sich in die falsche Richtung drehen, und viel zu langsam noch dazu
es gibt selbstverständlich Mittellösungen, Überschneidungen und Unklassifizierbarkeiten, die allesamt wieder eine extra Klasse bilden könnten und dann, nach ausführlicher Betrachtung und nach vielzähligen Experimenten, wieder schön kategorisiert werden können würden
es gibt ein, zwei Stunden Übungszeit, die auf die Nachtprobe nicht genügend vorbereiten können
es gibt Müdigkeit oder tränende Augen oder sonstige Konzentrationsschwierigkeiten und bestimmte Erwartungen, unzureichende statistische Erhebungen
die optisch täuschenden sind am seltensten, weil Tunnel nicht zählen, dann kommen die ganz alten undurchsichtigen, die am leichtesten auch am Überbau zu erkennen sind, dann kommen die andern, unzählbar, vielleicht circa irgendwie gleichberechtigt
in der Dunkelheit kommt der Wunsch, Seitenlichter zu haben und mit der Zeit kommt der Wunsch, keine Allergien zu kennen und mit mehr Zeit kommt der Wunsch, schlafen zu können und mit noch mehr Zeit kommt der Wunsch, mehr Übung am Tag gehabt zu haben und dann kommt der Wunsch, andere Beschäftigungen auf die Reise mitgenommen zu haben worauf Wünsche folgen, die nichts mit den vorhergehenden zu tun haben, worauf einige Sekunden Pause folgen, worauf Gedanken an Abschweifungen folgen, was zu mehr Abschweifungen und noch mehr Zeitlupen führt und irgendwann auch zu der phonetischen Ähnlichkeit von Exam und Examen und einer Verwechslung mit Experiment oder Ex oder Axt oder allen anderen Hangmanfalle-Worten wie Amt, alt, Art, Akt, Akt, und einer sehr großen Verwirrung und einer noch größeren Ahnungslosigkeit, aber immerhin zu keinen rassistischen, verallgemeinernden, sprachauseinandernehmenden Gedanken, diesmal zumindest

issues (past, present, future)

du kannst deinem vergangenen Ich nicht mehr vertrauen (wobei die Frage ist, ob du es je konntest): es hat Dinge von dir preisgegeben, ohne zweimal nachzudenken, Dinge, die du heute vielleicht nicht mehr jedem auf die Nase binden würdest (damals wusstest du natürlich auch, dass du diese Dinge nicht jedem auf die Nase binden solltest, hast es aber trotzdem getan, besser gesagt hast du einfach eine weitergefasste Definition von „jedem“ verwendet als es andere Menschen getan hätten und hast das als Ausrede, Entschuldigung, Begründung durchgehen lassen).
es hat Sachen gemacht und Sätze artikuliert, die es nicht machen hätte sollen, rückblickend, die ausschließlich das Produkt von Ungeduld oder Übermut oder Alkohol oder Dummheit waren.
es hat dich in eine Situation gebracht, in der du nicht sein willst, von der du nicht weißt, wie du ihr entfliehen kannst. du würdest es gerne verfluchen, zur Vernunft besinnen, aber du weißt sehr wohl, dass das unmöglich ist. du kannst deinem vergangenen Ich nicht mehr vertrauen (wobei die Frage ist, ob du das je wirklich konntest): und wenn du deinem vergangenen Ich nicht mehr vertrauen kannst, kannst du auch deinem gegenwärtigen Ich nicht vertrauen. du kannst dir nicht vertrauen, heißt, du kannst nicht darauf vertrauen, dass du nicht etwas machst, was deinem zukünftigen Ich schaden könnte. allerdings, was kümmert dich dein zukünftiges Ich, das doch nur ein Produkt aus deinem vergangenen und gegenwärtigen sein wird können, also auch nicht vertrauenswürdig, genauso verzweifelt. was kümmert dich ein Mensch, der immer das Gegenteil tut von dem, was ihm gesagt wird und viel zu oft das Gegenteil tut von dem, was er tun möchte, sollte, wollte, will. du kannst deinem vergangenen Ich nicht vertrauen (konntest es wahrscheinlich nie): kannst also auch deinem gegenwärtigen und in weiterer Folge deinem zukünftigen Ich nicht mehr vertrauen, konntest das nie, auch wenn du es vielleicht (wahrscheinlich) fälschlicherweise getan hast, wie du viele Dinge fälschlicherweise getan hast, und immer noch tust.

Selbstgeißelungen: erfrieren, verhungern, zeitigen.

Weberknechte und Sprachfieber und Schweißrekord und das Wissen, einem Streak mit einem Tag Pause nicht gewachsen zu sein (dann ist alles aus), und aufräumen und duschen und kochen und Haare waschen und vor allem eine Reihenfolge und keine Sucht mehr finden und Angst vor dem nächsten (oder vor dem zweiten) ___-______ (oder Fetzen generell) haben und Schnupfen und Entscheidungen treffen, müssen, und Missverständnisse lieben, wollen, und jedes Wort ausschreiben, können, sollen, und viel Geld bekommen und noch mehr ausgeben und zu viele Gedanken haben und zu wenig Zeit und endlich (hoffentlich) einmal nicht genug Müdigkeit und immer noch kein Zeitgefühl, aber ein bisschen mehr, und auch ein bisschen Panik und leider viel Inkonsequenz und noch immer keine Slowmotiontaste für deine Gedanken und noch immer kein Aufnahmegerät für deine Träume und noch immer keine Entscheidung und schon wieder Inkonsequenz und Geschreie und Ahnungslosigkeit und Durst und Fragen wie Wie viel Wasser brauchst du am Tag und Wie lange kannst du ohne Essen auskommen und Ist es gesund zu _________, auszuprobieren, wie lange du ohne Essen auskommen kannst und Was sollst du essen wenn du maximal eine Mahlzeit am Tag zu dir nimmst und Ist es nicht viel ungesünder nur dreihundert Kalorien Zucker an einem Tag zu trinken als Popcorn und Nudeln und Reis und Schokolade zu essen und mehr als nur nichtmal ein oder zwei Liter Wasser zu trinken und natürlich reicht der Platz im Endeffekt nie aus, aber nicht müde heißt auch nicht aufhören müssen, aber Fehler und Konzentrationslosigkeit und löchrige Mägen heißen aufhören sollen, aber leichte, verschiedene Schmerzen heißen nicht aufhören wollen und egal wie reich du bist, die Füllfeder wird noch nicht ersetzt weil der Stöpsel hält, auch nicht wenn deine Patronen leer sind und die Gedanken überschlagen sich und genau und was mit einem Sparkonto anfangen, wenn nicht wissen, worauf sparen, weil Privatjets im echten Leben viel zu teuer sind (Erhaltungskosten und so) und immer noch mit Chats verwechselt werden und schon wieder und leider und leere Patronen und noch ein Versuch und trotzdem und

Bruch und Notlösung und Ameisen im Fuß und unleserliche Schrift und Bemühungen und Schmerzen und Löcher hinter dem Nabel, die sich gegenseitig aufheben, ein Loch, zwei Löcher, drei Löcher, unzählige und unzählige Wörter und unzählbare Sätze und du kannst alles quantifizieren wenn du die richtigen Worte kennst und auch die Worte mit denen du quantifizierst müssen quantifiziert werden und was macht er mit dir, der ständige Gedanke des nahenden Endes, das ständige drohende Ende macht Erinnerungen und Vorausblicke und Tränen und Tinte, was eine Alliteration in der Gegenwart ergibt, zwar keine _________, aber auch keine löchrige Fixierung, sondern eine momentane Vergesslichkeit, ein kurzfristiges Blackout, das auch länger anhalten könnte als befürchtet und überraschenderweise eine schöne Schrift, eine immer leserlicher werdende Schrift, ein Paradox also ein Synonym von Rätsel und einen trockenen, komischen, rauen, nicht-bewässerten, unbeschreiblichen, ungebildeten Mund und noch mehr Ameisen im Fuß, wieder, und die Hälfte eines Experiments, besser gesagt die geglaubte, vermutete, angenommene Hälfte des Experiments, was nichts über die eigentliche, noch zu erörternde Länge aussagt und Ameisen sind warm, wer hätte das gedacht, und Ohrwürmer sind überall, das ist bereits mehr als ein Sprichwort, das ist ein Fakt und faktisch gesund kann es nicht sein, von einem Rausch in den anderen zu gelangen und unfaktisch braucht jeder Mensch ein Hobby, das er überall und jederzeit praktizieren oder auf das er sich immer und jederorts vorbereiten kann und das weder ihm noch sonstwem schadet und natürlich gerne mit Schachtelsätzen und Kettensätzen und Schachtelkettensätzen und Kettenschachtelsätzen und sonst jeder erdenklichen Form der ______ zu tun haben darf, aber keineswegs das Zeitgefühl verringern sollte, oder zumindest eine innere Uhr und einen internen Wecker einbauen könnte und die Anzahl der Zeitsprünge möglichst gering halten wird und die Anzahl der stehengebliebenen Augenblicke möglichst erhöht und die Füllwörter und Schnupfen verringert und die Erfolge und die Scham und die Unleserlichkeit und die Opfergaben und Fieberdelirien ziemlich

dreißig Sätze: dein Traumhaus

du willst eine Zeit im Irrenhaus verbringen (und du wärst von dieser Bezeichnung nicht angegriffen).
du willst nicht ins Gefängnis, weil du im Gefängnis weniger Freiheiten hättest und dich beweisen müsstest oder unterdrückt würdest.
du willst nicht so weitermachen wie du es gerade tust, denn du willst nicht wissen, wohin das führt.
du willst eine Zeit lang im Irrenhaus verbringen und wissen, wohin dich das führt. du hättest einen geregelten Tagesablauf, wie im Gefängnis, nur besser. du könntest über deine Zeit selbst bestimmen, gewissermaßen. du würdest vielleicht sogar Medikamente bekommen. du könntest deinen Schlafmangel nachholen, oder aber im Gegenteil ihn noch verstärken. um mehr Medikamente zu bekommen. um eine andere Wahrnehmung zu bekommen. und dich vor dir selbst zu beweisen.

du möchtest eine Zeit im Irrenhaus verbringen, weil dir dort niemand schreiben kann „ich will das Zimmer morgen besichtigen“ und sich dann nie mehr meldet, weil du dort nie glauben wirst, die perfekte Wohnung gefunden zu haben, sie dann aber zu weit weg ist oder im Erdgeschoss oder im sechsten Stock ohne Aufzug oder viel zu teuer ist oder zu wenig Zimmer hat, weil du dort einfach stundenlang schreiben und lesen und spielen und lernen und Leute beobachten und vor allem nichts tun könntest, weil dich niemand schief anschauen würde, wenn du nichts tätest, vor allem du selbst nicht.
du möchtest wissen, wie gut du es wirklich aushalten kannst, von den Menschen, die du kennst, auf diese Weise getrennt zu sein, möchtest wissen, ob sich mit Verrückten leichter Freundschaften schließen lassen als mit den anderen, und was für Freundschaften das dann wären, im Vergleich. du möchtest wissen ob du dich auf Besuche freuen würdest, oder ob sie dir ärgerlich wären, weil sie dich ablenken würden vom Mandala, von Mayröcker, von Mahjong, vom Malkasten.

du willst wissen wie es wäre und wie es ist und welches Irrenhaus du dir aussuchen würdest, real oder fiktiv, was würdest du nehmen, wo würdest du dich selbst einschreiben, sofort, ohne Zögern.

stundenlang am Bett liegen und denken oder versuchen, nicht zu denken, oder Gedanken nachgehen, für die du jetzt keine Zeit hast, sie aber natürlich trotzdem denkst.
stundenlang aus dem Fenster starren und bald jedes einzelne Blatt kennen, das dir in den Blick kommen könnte, jedem einzelnen Ziegelstein einen Namen gegeben haben.
stundenlang zuhören und reden und versuchen, alles gesagte und gehörte und sonstwie aufgeschnappte aufzuschreiben, als wärst du eine Romanfigur, mit einem perfekten Gedächtnis, die sich alles merken kann, jede Silbe richtig wiedergibt, oder sich zumindest nicht eingesteht, dass sie falsch liegen könnte, und die selbstverständlich nur handlungswesentliches sagt und tut und denkt und will und weiß und isst und trinkt und fühlt.

endlich gerade sitzen lernen, endlich meditieren lernen, endlich alles lernen können, für das jetzt nie Zeit oder Geduld oder Konsequenz vorhanden ist, angefangen mit luzidem Träumen, aufgehört mit Sprachen. wobei Sprachen vielleicht schwierig werden könnten, die Aussprache zumindest, ohne Vorlage, ohne Gegenüber, aber auch das schaffbar, sicher möglich, mit der Zeit, mit den richtigen Mitteln, warum nicht. warum nicht auch gleich internationales Personal einstellen oder nur mit ausländischen, deiner Muttersprache unfähigen Patienten verkehren.
warum nicht gleich einen Plan zeichnen, einen Entwurf für dein Vorzugsirrenhaus, fiktiv, aber doch real, in die Realität umgesetzt, bald, sobald ein Sponsor gefunden ist, einer, der mit einer Sponsorin verheiratet ist, das gibt mehr Geld, doppelt so viel, da ist dann Platz für doppelt so viele Wünsche und Anregungen und Raum für nur halb so viele Beschwerden. ein schönes Gebäude muss es sein, ansprechend, mit Bowlingkeller und Bibliothek und Weinkeller und ruhigen Arbeitsräumen und aktuellem medizinischem Equipment und Gesellschaftsräumen und ausreichend Toiletten und privaten Duschen und leistbar, selbstverständlich, für jeden leistbar, der etwas dazu beitragen möchte. alle Neuankömmlinge dürfen sich einen Raum aussuchen, einen neuen, den sie gerne hätten oder einen, der schon da ist und den sie besonders gern mögen, und dann dürfen sie einmal im Monat vierundzwanzig Stunden pausenlos in diesem Raum sein und machen, was sie wollen, mit diskreter Aufsicht eventuell, raumabhängig, und bereitgestellter Nahrung, menschabhängig. ein Garten ist auch ein Raum für manche Menschen und für den Winter gibt es dann den Wintergarten und Zelte und Fernrohre und Mikroskope und begehbare Kleiderschränke sowieso. und privat angestellte Schneider, die alles zurechtnähen und -stopfen und -flicken, was einer nicht mehr haben will, aber dem anderen nicht passt. und Köche und Frisöre, die Interessenten auch etwas beibringen, und regelmäßige Parties und Gruppenumarmungsminuten statt Schweigeminuten. und bunte Wände oder aber schwarze Wände, die mit Neonfarben besprüht, bemalt, bespritzt, bedruckt sind. und Tanzsäle und eine Bar im Weinkeller, der natürlich gleichzeitig auch ein Bierkeller ist und Butterscotch immer lagernd hat.

dein Traumhaus ist ein Irrenhaus.

durchmachen and then some

sie sagen,
deine Augenlider werden schwer, fallen zu,
aber das stimmt nicht. mit deinen Lidern ist alles in Ordnung,
mit deinen Augen soweit auch. ein bisschen fixiert sind sie halt und dein Blick wird kurz verschwommen,
wenn du ihn zu weit weg vom Ausgangspunkt richten musst, Augen schließen schadet auch nicht,
für eine viertel Sekunde, oder vielleicht eine halbe,
oder doch auch länger. dann siehst du wieder alles scharf,
ganz normal, wie immer,
nein, du merkst keinen Unterschied,
alles gut.

dein Kopf soll schwer sein,
aber es ist nicht die Schwere des Kopfes, die dich stört,
sondern seine Unhaltbarkeit. nicht, dass er dir vom Hals fallen würde,
dafür sorgst du schon,
nein, vielmehr könnte er jeden Moment nach vorne oder nach hinten knicken,
und wer weiß, wann er dann wieder raufkommen würde,
das nächste Mal. vom potentiellen Genickbruch garnicht erst anzufangen.

vor der Kälte hat dich niemand gewarnt,
oder wenn, hast du es wohl nicht mitbekommen. dabei war dir doch eben noch so heiß. hast du das Fenster zu spät geschlossen? Zeitgefühl existiert ja keines mehr in deinem Kopf,
die Zeit vergeht viel zu schnell,
oder du denkst einfach langsamer als sonst,
oder beides,
oder die Uhren verarschen dich und wenn du hinschaust bleiben sie stehen und wenn du wegschaust holen sie die ganze Zeit nach, die du sie angestarrt hast,
and then some.

nein, müde,
wieso denn, wer kommt denn auf sowas,
nein, vielleicht vor ein paar Stunden, wo es noch dunkel war,
aber jetzt, nein, nein, hellwach,
gut, vielleicht nicht gerade hell,
aber doch wach. wach genug. die Schriftart der Worte, die du gerade liest,
ändert sich,
aber was ist schon bedenklich daran? kommt sicher vom stundenlangen immer-auf-denselben-Bildschirm-starren.

Fragmente

Wecker läutet. liegen bleiben. 7:00. Augen schließen. 7:12. Augen schließen. 7:29. Augen schließen. 7:49. Augen schließen. 7:51. Zeitgefühl verloren. Augen schließen. 7:55. Zeitgefühl wieder verlieren wollen. 7:56. Augen schließen. 7:59:15. aufstehen.

dieses Gefühl, vollgefressen zu sein, aber trotzdem Hunger zu verspüren. das kennst du sicher.

wie oft noch, bis du merkst, was du anrichtest, bis dir bewusst wird, dass ein Graben der letzte sein muss, bis dich jemand direkt genau darauf anspricht?

niste mich dort ein“, dieser Ausdruck hat dir schon immer etwas angetan gehabt. nisten, Nest, nesteln, Nescafé, Nesquik, Nessel!

Obsession

experimentell heißt, die These muss mit dem Beispiel begründet werden, das Ergebnis heißt Experiment und ist experimentell.

mach, dass es juckt, ich weiß, du kannst das. ich weiß, du weißt wie das geht, unbewusst. ich weiß, du weißt nicht bewusst wie du es jucken machen kannst, aber ich weiß, dass du es schon oft getan hast, weiß(t), wie es geschieht. mach, dass es juckt, und dann versuch, den Juckreiz zu stillen, und dann kratze und kratze und kratze bis das Kratzen zu einer anderen unangenehm-angenehmen Empfindung wird, zu einem neuen Juckreiz, der nicht aufhört, nie aufhört, du kratzt und kratzt und es juckt immer noch, du hörst auf zu kratzen und es juckt umso stärker und dann kratzt du so lang bis du nicht mehr kratzen kannst und dann ist der Juckreiz immer noch da, aber du nicht mehr.

Salz in die Wunde und die Chipspackung durch Zufall wie eine Spirale aufreißen, spiralförmig aufreißen, immer weiter und weiter bis nichts mehr übrig bleibt, weder (von) außen noch innen.