ge2chändet

die Zunge heilt am schnellsten, sie ist quasi unkaputtbar.
der Gaumen schmerzt schön. die Zunge schmerzt schöner. die Zunge schneidet. das Zuckerl schneidet die Zunge.
Verrat.
Versüßung des Lebens.
Verrat am Blut.
die Zunge blutet nicht.
wenn die Zunge blutet, merken sie es, wenn sie es merken, ist es unlustig.
Verbitterung der Versüßung des Lebens. wo ist das ehemals so süße leben hin?
sieben süße Minuten. die spitze schneidet und flacht nicht ab. die spitze sticht auch in die Seite. die spitze ist bitteres süß.
mit dem Hammer auf den Kopf geht ganz leicht, aber mit dem Kopf gegen den – keine Chance ohne Selbstbeherrschung.
keine Selbstbeherrschung ohne bitter.
kein bitter ohne Schmerz.
keine Zunge ohne Gaumenzuckerl.

keine Kraft. lustvoll-blutende Lippen.

Abhärtung, keine Konsistenz.
aber Konsistenz.
schneidend bitter. aber süß.

große Augen, herziges Gesicht. eine Frau vergewaltigt eine Frau mit ihrem eigenen Blick. eine Kälte fährt durch Briefmarken und Hühneraugen. ein Trommelfell platzt. kopfüber mit dem offenen Mund in die schneidende Nacht hinein, Augen zugenagelt. immer mehr Warnbänder winden sich um immer mehr Dinge, die gestern noch intakt waren. schwankende Ohren, zerrissene Eindrücke. ein Ganges mehr um den Block, um des Ganges willen. der Fluss treibt.

eine Menge nickender köpfe, die im Sekundentakt den Messern entkommen. Eisflocken als Zehen, Nägel mit Köpfen auf Tafeln, gekratzt. Nägel mit Muttern und Vattern und Kapern. Nägel ohne Rost.

Rostberg zum ertrinken. Rostberg zum ertränken.

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ein Ei mit Mondgesicht erhebt sich aus seinen zwei Schalenhälften, steigt hinweg aus seinem zerbrochenen, schalen Vermächtnis.
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die Zunge fängt nun auch zu bluten an.

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es ist tot und geht weg.
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ZUNGENSTEMPEL. ich breche die Säge am gebrochenen Bein des Hundes. die Säge bricht die Ohren von den Köpfen ab, ich breche die Köpfe von den Hälsen ab. abgebrochene Köpfe haben Zungenstempel, die etwas länger halten. die Zungenstempel von abgetrennten Köpfen laufen nicht so schnell davon wie die Ohren. ich stempele alle meine Briefe mit eingetrocknetem Blut. ich stempele alle meine Handküsse mit meiner Zunge. ich stempele alle meine Zungen mit bittersüßer Langsamkeit aus schneckenhauslosen Schnecken. Zungenstempel funktionieren umgekehrt am besten.

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es bekommt plötzlich Beine, ist superbakteriell verseucht.
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wenn die Assoziationen einschlafen, helfen auch keine Zungenstempel mehr. wenn keine Zungenstempel mehr helfen, helfen nur mehr scharfe, schwarze Zähne. da hilft nur mehr Zunge an Messer, Zunge an Zahn. und Druck, viel Druck. die Schnecke in die Klinge drücken. gar nicht so leicht, für die Schnecke selbst. die Schnecke springt auf der Schneide auf und ab und bleibt trotzdem ganz. Schnecken sind keine guten Zungenstempel. Schnecken sind schleimige Sigel. Schnecken sind das Wachs, das Stempelkissen.

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es ersteigt aus seinem entzwei gebrochenen Gefängnis, bereit, die Weltherrschaft an sich zu reißen.
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ZUNGENSTEMPEL ENDE. ein Frau zieht eine andere Frau aus und in eine dunkle Gasse, mit ihren Augen. eine Frau spuckt einer anderen Frau vor die Füße und schlägt ihr ins Gesicht. mit dem Kopf einer Frau durch den Körper einer anderen Frau. radikaler Stimmungswechsel, der Himmel hellt sich plötzlich auf, Regentropfen ertönen.

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es ist zutraulich und will gegessen werden, schmiss sich dir sofort an den Mund.
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Schlangen zischen durch die Luft, winden sich um Schnecken, schneiden, schwankende Ohren. Schlangen mit zerrissenen Augen, Schlangen mit Muttern und Vattern statt Zähnen, Schlangen, sich schlängelnd um andere Frauen, die von Frauen mit ihren eigenen Blicken vergewaltigt wurden, bevor am Himmel die Metalldetektoren ertönt sind. das ewige Piepsen, ohne Ergebnis.
den Rostberg zu trinken wird es morgen schon geben. der rostige Berg den es heute schon gibt wird morgen bereits verflüssigt sein. Kupfer auf Eis, Kupfer auf Eis als Zehen, die von Zähnen – Kupfer auf Eis als Zehen, die von Schlangenzähnen, schwarz, verbissen werden.

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vielleicht ist es auch nur hohl innen und der gelbe Fleck ein kleines Stück Sonne im kalten, tristen Schnee.
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entferntes, differenziertes Gemurmel. murmeln ins leere. murmeln rollen ins Leere aus dem Mund. Mundmurmeln. leise Mundmurmeln machen sich Beine, Arme und Hühneraugen und hüpfen damit ins Leere.

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über das ‚du‘ in dir

das ist keine geschichte von jonas. jonas ist immer glücklich und also auch ein bisserl fad. jonas‘ charakter ist langweilig, jonas hat weder ecken, noch kanten, und schon gar keine spannenden rundungen. jonas ist brav und gewöhnlich, auch unter der oberfläche. jonas weiß das nicht, dass es menschen gibt, die anders sind als er, ganz anders, komplett. jonas kennt natürlich solche menschen, interessante menschen, verrückte menschen, spontane menschen, aber jonas kennt sie nicht gut. sie halten sich voneinander fern. dies ist keine geschichte darüber, wieso menschen mit jonas nicht befreundet sein wollen und auch ist es keine geschichte darüber, wieso jonas nur mit menschen befreundet sein will, die so sind wie er selbst.

das ist eine geschichte über olivia. olivia ist so ein interessanter, verrückter, spontaner mensch. olivia ist manchmal unglücklich.

jonas ist selten unglücklich. jonas war unglücklich, als seine schildkröte gestorben ist. jonas hat ihren panzer aufbewahrt. er würde nie auf die idee kommen, ihn als aschenbecher zu benutzen oder an die wand zu hängen. der aschenbecher von jonas steht im regal unter dem guten silberesteck, neben anderen krimskrams-sachen, die genauso unspannend und uninteressant wie das ehemalige haus von jonas‘ schildkröte, schild, sind.

wenn olivia richtig unglücklich ist, also so richtig zum zerreißen, wenn es olivia von grund auf beschissen geht, dann ist sie ein guter mensch.

jonas ist nicht jünger als olivia, wahrscheinlich ist er sogar älter. jonas ist kein kleines kind mehr, er benimmt sich auch nicht wie eines. jonas ist ein erwachsener mensch, soweit man erwachsen sein kann, wenn man nie erwachsen werden musste. jonas hat nie erwachsen werden müssen und wenn er glück hat, wird er auch bis zu seinem tod nicht mehr erwachsen werden müssen. jonas braucht keine verantwortung.

olivia will auch keine verantwortung, aber sie bekommt sie trotzdem.

jonas hat seine fixen abläufe, ist eingefahren in ein starres leben, aber das macht ihm nichts aus. selten neue leute kennenlernen, manchmal neue restaurants besuchen, täglich andere gerichte essen, das ist jonas abwechslung genug. nichts isst er öfters als einmal pro monat, wenn überhaupt. also, was volle, mittägliche mahlzeiten angeht. in der früh und am abend isst jonas so gut wie immer immer das gleiche. (wenn nicht sogar dasselbe.)

olivia hat bulimie, aber man sieht es ihr nicht an.

jonas trinkt nur wasser und bier, aber damit kommt man gut durchs leben. wasser untertags, am abend ein bier, vielleicht mehr, aber nur wenn man beisammensitzt im beisl oder im restaurant und alte stammtischgschichterln aufwärmt. das kann jonas gut, alte geschichten immer wieder aufs neue erzählen.

immer wenn olivia glücklich ist, ist sie auch egoistisch, sie weiß selbst nicht, warum.

jonas ist nie egoistisch, jonas ist nur langweilig. jonas ist es egal, wenn niemand zum stammtisch kommt, dann erzählt er seine geschichten halt den bedienungen oder dem bier. jonas trinkt nie mehr als ein bier wenn er allein ist. höchstens zwei, aber halt nur zu feiertagen und feierungswürdigen anlässen.

olivia ist kein schlechter mensch wenn sie glücklich ist, aber wenn olivia glücklich ist sind ihr die anderen menschen einfach egal. olivia hat keinen stark ausgeprägten sinn für empathie, aber generell grausam ist olivia nicht.

generell grausam könnte auch jonas nie sein, jonas, der sich anfangs nicht einmal getraut hat, schild richtig anzufassen, der das tier vor lauter vorsicht fast fallen gelassen hätte, weil er angst hatte, sie zu zerquetschen. eine schildkröte zerquetschen – vor sowas kann sich auch nur jonas fürchten.

olivias letzter ex heißt josef. jonas‘ bester stammtischkumpel heißt auch josef; aber josef m, nicht josef n.

auch kein Gedicht

iii
wir haben alle nur externe Gedächtnisse.
auf unsere jeweiligen internen, eigenen können wir uns nicht verlassen.
(aber genauso wenig eigentlich, oder sogar noch weniger, auf die externen.)

ii
wir wissen alle weniger über uns als alle anderen, gesammelt, über uns wissen.
zumindest, wenn es um Erinnerungen geht.
(aber Wissen abseits der Erinnerungen hat noch nie eine entscheidende Rolle gespielt.)

i
wir dürften alle erst auf die Menschheit losgelassen werden, nachdem wir genügend Jahre in der Isolationshaft unserer Gehirne verbracht haben.
das Problem bliebe allerdings, wer sperrte uns ein.
(und wer ließe uns frei.)

Beulen

eigentlich hätte ich dir auch Honig mitbringen wollen. aber dann hab ich ihn doch nicht genommen“, das sagt ein gebender Mensch zu einem nehmenden Menschen, ein Sackerl überreichend. es gibt eine Umarmung und Glückwünsche, Busserl rechts, Busserl links, Busserl rechts. sie setzen sich wieder.

du weißt doch, dass ich keinen Honig esse. außerdem wäre das Eulen nach Athen zu tragen“, so der genommene Mensch zu dem gegebenen Menschen. der gegebene Mensch, jetzt gabenlos, nickt oder lacht auch.

wieso denn das?“ es schaltet sich ein dritter Mensch dazwischen, ein außenstehender, ein danebenstehender Außenseiter. die ersten beiden blicken ihn an und nehmen seinen Einschub zur Kenntnis. sie tragen ihm das Lauschen offenbar nicht nach.

ich betreibe eine Imkerei“, gesteht der genommene Mensch, der beglückwünschte.*

aber der Außenstehende muss den Witz zerstören, indem er erklärt, dass „Eulen nach Athen tragen“ auf spanisch „vender miel al colmenero“ heißt, also „dem Imker Honig verkaufen“.

*die Autorin wäre mit diesem Ende sehr zufrieden gewesen, aber der Vollständigkeit halber fühlt sie sich verpflichtet, die ganze ihr zugetragene Geschichte zu Ende zu führen.

ein Abendbucheintrag

ein unsympathischer halber Nachbar, oder eigentlich, ein unsympathischer dreifacher Nachbar, doppelter Nachbar, vielleicht. nette Nachbarinnen. neutrale Nachbarinnen. Sternstunden des Buchdesigns, Sternstunden des Konsums, Sternstunden des Verkaufs. (ein verkauftes Buch.) zwei verkaufte Bücher? eine Visitenkarte, freiwillig, eine andere Visitenkarte, praktisch. eine Autorin, die sich zum Glück als solche selbst geoutet hat. ein Wein, mit einem rosa Sticker. kein Prozentgehalt. kein Impressum. keine Details. ein rosa Sticker mit weißer Schrift.

ein Dessert. kein Fleisch. Feigheit. ein Versäumnis von früher. kein Versäumnis für später? keine geplante Bekanntschaft. eine ungeplante Bekanntschaft, aber diese auch ungesehen. vorbeiziehende Menschenmengen, wellenförmige Andränge, bei allem und jedem. Transkriptionen. Bücher, Bücher, Nicht-Bücher, Bücher. eine sehr hohe Decke. eine Berühmtheit, live, wirklich live, endlich wieder etwas wirklich live! live verstohlen angeschaut und halb hingegangen, nicht zu nah. live wurde weggegangen, aus allen Blickfeldern heraus.

ein uneingelöstes Versprechen.* Neugierde, starke Neugierde. und Unbill. ein neues, altes, schönes Wort. ein ungelöstes Fragezeichen. ein Schlückchen Wein, gut, drei Schluck, sechs, aber ohne Sex, und ein, zwei Schluck vergossen, in ein Glas, auf Anfrage. (von K., die noch mit der U-Bahn heimgefahren ist.) Flasche heim. alles was gratis ist, ist gut. in der Luft wackelnde Füße. Becher auch heim. dort hätte es ja sowieso keinen Kühlschrank gegeben.

verstohlene Bücherdiebe. der geheime Wunsch, selbst Bücherdiebin zu werden, unehrlich zu sein, etwas mitzunehmen, einfach so. genug Menschen, viele Blicke. ohne Menge fallen sie alle mehr auf. außerhalb der Menge sind ihre Intentionen noch schwieriger zu bestimmen. mit einer Flasche Wein im Rucksack durch die schon viel zu lange Dunkelheit. Sternstunden im Winter erhellen die Nacht. eine lange Nacht.

zwei überaus nette ungeplante Bekanntschaften, gegen Ende. drei verkaufte Bücher auf einmal! (danke an das metallene Gestirn, S und L!) zwei komische Käuze an der Nachtbusstation. einer davon angeblich ein Italiener, dessen Akzent aber zu sehr nach Deutschland klingt. geteilter Wein, mit den erfreulichen Bekanntschaften, nicht mit den komischen Käuzen. komische angetrunkene Käuze machen misstrauisch.* auf ex. die unglasigen Gläser wie immer nur marginal gefüllt. die Bäuche erfüllt mit Wärme, mit Hunger, aber auch mit Wärme. kleine Abenteuer sind die wertvollsten. auch im Keim erstickte Freundschaften sind eine Erinnerung wert.

anfängliche Unsicherheit. schlussendliche Liebe. (klein, aber fein, dieses Messchen!) unbefriedigte Triebe. *klischeehaft, aber wahr.

Erinnerung an gestern

Bücherwälder, Bücherwände, Bücherwälle. Büchermenschen, Büchermischen, Büchermatsch. Buchliebe, Buchhiebe, Buchtriebe. Buchlust, Buchleid, Buchseligkeit.

es ist ein surrealer Tag. die Blätter fallen.

Blätterregen, Blätterteig, Blätterschnee. Blattsalat, Blattabdruck, Blattlosigkeit.

es war ein langer Tag. die Gespräche machen übel.

Sprachlosigkeit, Sprachlosigkeit, Staunen.

es ist ein surrealer Tag. die Menschen sind freundlich und still.

Liebeserklärung, „Liebes“erklärung, Liebes„erklärung“. ein kitschiges Hyperbelgeständnis.

Buch,
B    uch,
Bü       cher.
es ist ein surrealer Tag. die Blätter fliegen aus den Regalen.

Arbeitstitel: Arbeitstitel

du schließt die Augen, du öffnest die Augen, du schließt die Augen, du lässt die Augen geschlossen, du bewegst dich weiter, mit geschlossenen Augen, du öffnest sie nicht.

du hast Angst deinen Mund zu öffnen, wenn du deinen Mund öffnen wirst, wenn du ihn jetzt öffnen wirst, wirst du ihn lange Zeit nicht mehr schließen können, du wirst Luft speiben oder Kotze, du wirst das Risiko nicht eingehen, Mund und Augen bleiben zu, wie jede Tür es sein sollte.

Mund und Augen bleiben zu wenn schon die Tür in deinem Kopf unbedingt aufgehen musste, das ist jetzt der Preis, den du für deine Neugierde bezahlst.

vor der schwarzen Leinwand deiner Augen flimmern Lichtflecken umher, grüne, weiße, farblose, unförmige. sie verschwinden nicht, wie sehr du deine Lider auch zusammenkneifst, sie intensivieren sich nur, wie sehr du deine Lider auch auseinanderziehst ohne sie wirklich zu öffnen.

es beginnt sich aufzustauen, in deinem Magen, in deiner Lunge, in deinem Hals, in deinem Mund, bald bist du ganz voll, bald wirst du platzen.

du siehst die Buchstaben vor deinem inneren Auge, dein inneres Auge hört erst auf zu sehen wenn du es erstichst, und du weißt leider noch nicht, wie.

es hat den Mund gefüllt und will hinaus, aber du schüttelst den Kopf, schüttelst deinen blinden Kopf und legst ihn in den Nacken und nickst und legst ihn in den Nacken, im Versuch es hinunterzuschlucken, aber es geht nicht.

selbst wenn die Leinwand völlig dunkel ist kannst du Konturen von Schatten, von Lichtern, in der Ferne erkennen.

du könntest den Mund öffnen, – aber nein.

du senkst den Kopf an die Brust. vielleicht schläft dein Drittes Auge so ein und schließt sich im Schlaf und du musst es gar nicht erstechen.

die Schatten hinter der Dunkelheit bilden keine Buchstaben mehr. die Schatten hinter der Dunkelheit sind leer.

du legst deinen Kopf nieder, bettest ihn auf Schmerz, Gesicht nach unten. die Finger verfangen sich in den Haaren. die Dunkelheit siegt. die Übelkeit bleibt. du nimmst deinen Kopf in die Hände und kratzt dir die Haut auf und Augen und Mund bleiben geschlossen.

hinter dem Vorhang deiner Lider siehst du keine Konturen mehr, nur noch flimmernde Dunkelheit, durchzogen von Nichts.

dein Kopf tut nicht genug weh. du beißt die Zähne zusammen um den Mund nicht öffnen zu müssen (was würde passieren, wenn du es tätest?) und du hebst deinen Kopf, senkst deinen Kopf, das Licht ist zu grell, es schmerzt deine blinden Augen.

blind und stumm rollst du dich ein um alles vorbeiziehen zu lassen. stumm und blind verlangsamst du deinen Atem. den Kopf drückst du nach unten, das Gesicht in den Schmerz.

meine Meinung

kein Absicht, keine Absicht. kein Gram? keine Absicht, kein Gram?

Anteilnahme dämmt die Trauer? Anteilnahme sollte Trauer dämmen?

nein.
nicht bei dir.

keine Absicht, keine Absicht, aber Gram. keine Absicht, keine Absicht, trotzdem Gram. Trauer trotz Anteilnahme. Trauer trotz Taneilnahme. keine Absicht, keine Absicht, aber Gram.

Golf

Löcher im Mund, oben, am Gaumen, als wäre reingeschossen worden, von der Hand, die zum Kopf gehört, mit einer geladenen Waffe, die zwischen die Zähne passt, einige Male schießen, um sicher zu gehen, so oft schießen, bis man die Löcher am Gaumen nicht mehr spürt, bis sie vom Blut überflutet werden.

stechende Löcher im Mund, ganz hinten, aber es sind kleine Löcher, winzige Locherl, Traumruinen, unsichtbare Gräben, gegraben von Giftpfeilen im Schlaf, ausgeschaufelt von der letzten Tablette, betäubt vom immerselben Speichel, der die Mundhöhle schon stundenlang umschmeichelt, inzwischen eingetrocknet ist.

zu viele Löcher im Mund, nämlich mehr als zwei Löcher im Mund, wo nur eins sein sollte, nämlich das Mundloch, zu viele Löcher hinten, oben, die lange Gänge einleiten, die hinaus aus dem Kopf durchs Gehirn drängen, oder gleich unter der Nase vorbei zum Nackenansatz, zu viele Löcher im Mund, viel zu viele Löcher im Mund.

woher kommen diese Löcher im Mund, Brutplätze für Krankheiten, Fluchtstätten für Viren und Bakterien, schmerzhafte Löcher, blutig oder nicht, groß oder klein, bemerkt oder unauffällig, ist es ein großes oder viele kleine, Schrödingers Löcher, es spielt keine Rolle, sobald der Mund offen ist, ist es vorbei.

von heute auf morgen Löcher im Mund, Außenseiter, Taugenichtse, Schmarotzer, laugen nur aus, nisten sich ein, bis sie alles übernommen haben, die Löcher, den gesamten Mund, die Zunge, die Zähne, alles, von oben bis hinten, von unten bis nach vor, und einmal rundherum, bis sie sich dem Mundloch angeschlossen haben, eins geworden sind und also weg.

sie kommen vom neuen Locher, die Löcher im Mund kommen meistens von Lochern, deren Betriebsanleitung nach dem Kauf plötzlich verloren ging, nicht an Kinder verfüttern“, aber an Münder ist es erlaubt, denn Gaumen mögen Locher, und Löcher mögen Gaumen.