über das ‚du‘ in dir

das ist keine geschichte von jonas. jonas ist immer glücklich und also auch ein bisserl fad. jonas‘ charakter ist langweilig, jonas hat weder ecken, noch kanten, und schon gar keine spannenden rundungen. jonas ist brav und gewöhnlich, auch unter der oberfläche. jonas weiß das nicht, dass es menschen gibt, die anders sind als er, ganz anders, komplett. jonas kennt natürlich solche menschen, interessante menschen, verrückte menschen, spontane menschen, aber jonas kennt sie nicht gut. sie halten sich voneinander fern. dies ist keine geschichte darüber, wieso menschen mit jonas nicht befreundet sein wollen und auch ist es keine geschichte darüber, wieso jonas nur mit menschen befreundet sein will, die so sind wie er selbst.

das ist eine geschichte über olivia. olivia ist so ein interessanter, verrückter, spontaner mensch. olivia ist manchmal unglücklich.

jonas ist selten unglücklich. jonas war unglücklich, als seine schildkröte gestorben ist. jonas hat ihren panzer aufbewahrt. er würde nie auf die idee kommen, ihn als aschenbecher zu benutzen oder an die wand zu hängen. der aschenbecher von jonas steht im regal unter dem guten silberesteck, neben anderen krimskrams-sachen, die genauso unspannend und uninteressant wie das ehemalige haus von jonas‘ schildkröte, schild, sind.

wenn olivia richtig unglücklich ist, also so richtig zum zerreißen, wenn es olivia von grund auf beschissen geht, dann ist sie ein guter mensch.

jonas ist nicht jünger als olivia, wahrscheinlich ist er sogar älter. jonas ist kein kleines kind mehr, er benimmt sich auch nicht wie eines. jonas ist ein erwachsener mensch, soweit man erwachsen sein kann, wenn man nie erwachsen werden musste. jonas hat nie erwachsen werden müssen und wenn er glück hat, wird er auch bis zu seinem tod nicht mehr erwachsen werden müssen. jonas braucht keine verantwortung.

olivia will auch keine verantwortung, aber sie bekommt sie trotzdem.

jonas hat seine fixen abläufe, ist eingefahren in ein starres leben, aber das macht ihm nichts aus. selten neue leute kennenlernen, manchmal neue restaurants besuchen, täglich andere gerichte essen, das ist jonas abwechslung genug. nichts isst er öfters als einmal pro monat, wenn überhaupt. also, was volle, mittägliche mahlzeiten angeht. in der früh und am abend isst jonas so gut wie immer immer das gleiche. (wenn nicht sogar dasselbe.)

olivia hat bulimie, aber man sieht es ihr nicht an.

jonas trinkt nur wasser und bier, aber damit kommt man gut durchs leben. wasser untertags, am abend ein bier, vielleicht mehr, aber nur wenn man beisammensitzt im beisl oder im restaurant und alte stammtischgschichterln aufwärmt. das kann jonas gut, alte geschichten immer wieder aufs neue erzählen.

immer wenn olivia glücklich ist, ist sie auch egoistisch, sie weiß selbst nicht, warum.

jonas ist nie egoistisch, jonas ist nur langweilig. jonas ist es egal, wenn niemand zum stammtisch kommt, dann erzählt er seine geschichten halt den bedienungen oder dem bier. jonas trinkt nie mehr als ein bier wenn er allein ist. höchstens zwei, aber halt nur zu feiertagen und feierungswürdigen anlässen.

olivia ist kein schlechter mensch wenn sie glücklich ist, aber wenn olivia glücklich ist sind ihr die anderen menschen einfach egal. olivia hat keinen stark ausgeprägten sinn für empathie, aber generell grausam ist olivia nicht.

generell grausam könnte auch jonas nie sein, jonas, der sich anfangs nicht einmal getraut hat, schild richtig anzufassen, der das tier vor lauter vorsicht fast fallen gelassen hätte, weil er angst hatte, sie zu zerquetschen. eine schildkröte zerquetschen – vor sowas kann sich auch nur jonas fürchten.

olivias letzter ex heißt josef. jonas‘ bester stammtischkumpel heißt auch josef; aber josef m, nicht josef n.

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ein altes Motiv + ein neueres Motiv

ich gestehe hiermit offen ein, ich schäme mich nicht dafür, was ich gestern getan habe. ich habe mir gestern einen Strauß Blumen gekauft, bin aus dem Geschäft, geradeaus, bin auf einen Mistkübel zugesteuert, praktisch platziert, und ohne äußere Regungen außer den zu erwartenden hab ich den vor Sekunden gekauften Strauß in den Mistkübel gestopft. einfach nur werfen wäre nicht gegangen, von Fern wäre er vielleicht sogar abgeprallt, von Nah wäre er einfach sitzen geblieben auf der Öffnung. auch ein schönes Bild eigentlich.
ich schäme mich nicht dafür, dass ich gestern nur achtzig Minuten geschlafen habe. ein Großelternteil von mir ist sicherlich gerade achtzig, das ist nichts, wofür man sich schämen muss. genauso wenig für das Geschrei, das ich jedes Mal veranstaltet hab, wenn mir jemand im Weg stand. (gestern, nicht immer. für immer wäre mir so etwas zu anstrengend. nicht, dass ich mich dafür schämen müsste ausgelaugt zu sein, aber es ist nichts, was ich persönlich für erstrebenswert empfinde.) wörtlich, nicht im übertragenen Sinne. für metaphorische Dinge hätte ich nur metaphorische Schreie übrig, das wäre wirkungslos. richtig im Weg stehen, auf der Straße etwa. oder vor den Türen der öffentlichen Verkehrsmittel. (hinter den Türen, besser gesagt, aus meiner Perspektive.)
ich muss mich nicht dafür schämen, dass ich gestern extra lang und extra oft und absichtlich zu Stoßzeiten herumgefahren bin, nur um Menschen anzuschreien, die sich nicht benehmen können.
ich schäme mich nicht dafür, dass ich vom ganzen Geschrei Halsweh bekommen habe, vom Geschrei und auch vom Mangel an geputzten Zähnen. noch weniger schäme ich mich dafür, dass dieses Halsweh eine Genugtuung war. es zeigte mir, dass die Abwesenheit meiner Scham Wirkung zeigte.

über zwei erste Lieben

einer der ersten Texte an die ich mich erinnern kann, inhaltlich, war metafiktional. Text im Sinne von ich habe ihn gelesen, für mich alleine, still. kein Märchen, keine Kinderbuchgeschichte. nichts gegen Märchen und Kinderbuchgeschichten, aber das zählt alles nicht wirklich als Text. Text ist eine intime Erfahrung die man machen muss, Text, das ist Mensch gegen Worte. mein erster, wichtiger Text war metafiktional, ein Text über eine Schreibblockade. à la „ich schwitze, ich zittere, mir fällt nichts ein, ich muss einen Deutschaufsatz schreiben, worüber kann ich schreiben, ich hab keine Idee – oder doch, ich schreibe diesen Text hier, haha, i win!“
natürlich war es ein schlechter Text. es war, um ganz fair zu sein, sicher auch kein richtiger Text, keiner für Erwachsene. aber es war kein Kinderbuchtext mehr, keiner mit Bildern. außerdem hatte dieser Text eine Pointe. Märchen haben nur eine langweilige Moral am Ende, keine amüsante Pointe. (rückblickend ist die Pointe von meinem ersten Text auch nicht amüsant, aber damals war sie es – es war schließlich mein erster Text! er hatte das Glück, mein erster Text zu sein, einer der ersten Text zu sein, die mir beibrachten, was Texte sind. die mir vorführten, was Texte können, was Texte dürfen und nicht, was Texte machen, das ganze Zeug.) die Pointe war die Metafiktion. ich weiß nicht mehr, ob ich sie vorhergesehen hatte, vermutlich nicht. sonst hätte der Text wohl nicht funktioniert.
ich muss mich nicht dafür schämen, dass der Text damals für mich funktioniert hat. ich war jung und unerfahren und vor all diesen Dingen war ich auch noch naiv. schämen muss sich sowas nicht. schämen müssen sich nur Mörder und bösartige Menschen. Menschenfresser müssen sich schämen. aber der Seehund von St. Pölten hat sich nicht geschämt, vielleicht ist meine Einschätzung falsch, vielleicht müssen sich nicht einmal böswillige Menschen und Mörder schämen. vielleicht gibt es einfach nichts mehr, über das man sich schämen braucht.

noch ein Text über noch eine Routine

sie masturbiert jeden Abend, sie zwingt sich jeden Abend zum masturbieren, eine minutenlange Quälerei für sekundenlange Erleichterung, gehetzten Atem und ein rasendes Herz. steife, verkrampfte Finger, Krämpfe in den Beinen, vielleicht, alles für nichts.

glücklich macht es trotzdem, auf die Hormone ist noch verlass, noch ist verlass auf die Hormone, wer weiß, wie lange sie ihre Träume noch rein halten können.

die Motivation ist schon lange nicht mehr die richtige (war die Motivation überhaupt je die richtige gewesen?), die Motivation hat sich selbst verunstaltet, zu einer Mischung aus Routine, Zwanghaftigkeit, noch mehr Routine, und Schlaftablette.

wenn du weißt, dass du essen kannst, um nicht hungrig zu sein, warum solltest du aufs Essen verzichten, um auszuprobieren, ob du mit ein wenig Hunger auch überleben kannst. wenn du weißt, dass du schlafen kannst, wenn du eine Seite liest, warum solltest du versuchen einzuschlafen, ohne vorher gelesen zu haben. wenn du weißt, dass es funktioniert, braucht es nicht nur Mut, Stärke, und Willenskraft, um es trotzdem zu unterlassen.

jeden Abend wandert die Hand in die Mitte des Körpers, jeden Abend (Abend meint hier die Zeit direkt vor dem Schlafengehen) spielt sie dasselbe Spiel, nur an wenigen Abenden dauert es etwas länger, was sie natürlich sofort in Panik verfallen lässt, aber auf die Hand ist verlass, selbst wenn der Kopf den Hals in die Hand nimmt und davonrennt, die Hand ist routiniert genug, die Hand rennt nicht davon, wohin sollte sie.

von bunten Blumen, vibrierenden Köpfen und müden Unmöglichkeiten

es vibriert schön, wenn du dir die Hände an den Kopf schlägst, die Innenseiten der Handgelenke. der Tisch vibriert oder Gegenstände auf dem Tisch vibrieren oder es vibriert in deinem Kopf. allein für dieses dumpfe Geräusch würde es sich auszahlen, fortzufahren, ewig fortzufahren, bis endlich Schmerz kommt, bis endlich Blut kommt, bis endlich deine Haut Stacheln bekommt und Blut leckt, aber es geschieht einfach nicht. die Vibration bleibt, wenigstens die Vibration bleibt. die Körner in deinen Augen kannst du noch sooft wegwischen, sie bleiben, sie vermehren sich. die blockierende Leere in deinem Kopf kannst du noch so oft auskotzen, sie bleibt, sie breitet sich aus.

du bist müde genug darüber nachzudenken, aber nicht müde genug um es durchzuziehen. mit einem Wort du bist feig. du bist feig und faul und müde, aber müde bist du immer, müde sein zählt nicht mehr. genauso wie lebendig sein irgendwann nicht mehr zählt. als Baby ist es noch ein Wunder, ein Wunder, das wundersame Wunder des menschlichen Lebens, aber bald ist es gegeben und gesetzt und normal, nichts Besonderes mehr. lebendig sein zählt nur im Kontrast, nur wenn man plötzlich stirbt ist das ein Wunder, ein Negativwunder, das sind Leute, die (viel) zu früh gestorben sind, also eigentlich eh alle, außer Suizidenten, bei denen ist es umgekehrt.

Müdigkeit zählt nicht mehr für dich, Müdigkeit ist lang passé, diese sogenannte Müdigkeit ist dein Dauerzustand geworden, du kämpfst nicht einmal mehr dagegen an. der Kopf immer schwer, die Augen immer klein, die Lider immer zusammengekniffen, die Gedanken immer wirr. (zugegeben, das waren sie auch schon davor.) – wenn ich total müde wäre denkst du, langsam (die Müdigkeit macht alles langsamer, außer der Zeit), dann würde ich das jetzt einfach machen. du gehst am Blumengeschäft vorbei und starrst es währenddessen an. niemand achtet auf mich, aber wenn sie auf mich achten würden, sie hielten mich für verrückt. täten sie natürlich nicht. die Blumen sind bunt, und du würdest so gerne, wie gerne würdest du dir nicht einen wunderschönen Strauß kaufen, am besten einen selbstgemachten, also von professionellen Floristen zusammengestellten Strauß kaufen, koste er was er wolle, und dann rausgehen and straight to the trash. einfach reinschmeißen, ohne Drama, ohne Schauspiel, ohne vorgeschobenen Grund, einfach in den Mistkübel stopfen, von selbst ginge es wohl nicht, der Strauß hätte ja doch einen recht großen Kopf, das gehört sich so. wenn der Mistkübel nicht hier stehen würde wärst du nie auf diesen Gedanken gekommen. aber der Mistkübel steht hier und du bist müde und deswegen ist der Gedanke da und du besessen von ihm. ich schau einfach, dass ich in den nächsten Tagen totale Müdigkeit erfahre, dann mache ich das und warte Reaktionen ab. Reaktionen würde es kaum geben.

totale Müdigkeit, das ist ein Ding der Unmöglichkeit. totale Müdigkeit ist nicht einfach.

Ärmelknäuel, Migräne, Müdigkeit

Müdigkeit, totale Müdigkeit, das ist der Anklang eines sich anbahnenden Kopfschmerzes, und schwere Augenlider. Müdigkeit, das ist die pure Faulheit, ins Extreme vervielfältigt, und schwere Glieder überall, mit wahlweise einem unerklärlichen Bewegungsdrang (Beinzuckung, Zehenzuckung, Fingerverstümmelung), oder fehlplatzierter sexueller Erregung, oder dem sicheren Wissen, jede Minute einzuschlafen.

Müdigkeit ist totale Willenlosigkeit, Müdigkeit ist Schmerzverstärkung, Müdigkeit ist unangenehmes Kälteempfinden. Müdigkeit heißt falsche Prioritäten setzen. Müdigkeit ist eine einzige Ausrede.

dieser Text über Migräne ist kein Text über Migräne. der Druck den ich verspüre ist kein Druck im Kopf, kein Druck von Außen, kein Stress-Druck, kein Erwartungs-Druck, kein physikalischer Druck, kein Wasser-Druck, kein Luft-Druck.

der Magen knurrt am Weg zur Arbeit. der Weg zur Arbeit schon lange uninteressant. gestern hast du dort ein Hochhaus entdeckt, in der Ferne.
ein guter Zuhörer. „Kaufrausch nennt man das“ (Freundin habe in einem billigen Schmuckgeschäft fast 500€ ausgegeben, obwohl sie geringverdienende Alleinerzieherin sei.)

die Hand ist im Ärmelknäuel gefangen, im Ärmelkanal, im Ärmel, sie kommt einfach nicht mehr raus aus der engen Wärme. der Fleck auf der Brille geht ebenfalls nicht weg. der Druck unverändert undefinierbar.

zur Stunde als ich vom Sofa Abschied nahm war ich noch glücklich gewesen.“ dieser Satz taucht auf im Kopf, als Erinnerung. diese Erinnerung beschwört den kalten Wind herbei. dieser kalte Wind regt die Tränenflüssigkeit an. diese Tränenflüssigkeit, angeregt durch den kalten Wind, heraufbeschwört durch die Erinnerung, lässt ein Gefühl von Wehmut entstehen.

Müdigkeit, Planlosigkeit, ein Text über Migräne, herausgebrochen aus einem Alltag, der aktuell ein bisserl in der Luft hängt. herausgefallen aus der Zeit und zwischen die Fugen, herausgebrochen aus dem Alltag, aus der Luft, aber nur der Text, und nichtmal der ganze.
man muss sich das so vorstellen:
Angst ist etwas Kurioses. vor einer Spinne am Klo hast du nur Angst am Tag, nicht in der müden Nacht.
nein, man muss sich das anders vorstellen:
dieser Text handelt von einer Figur, die erfunden wird, frei erfunden, aber sofort nach dem Erscheinungstermin verklagt (der Text, nicht die Figur, die arme Figur kann ja nichts dafür!), weil sie eben, so frei erfunden sie auch sein mag, real existiert und nie ihr Einverständnis gegeben hat, dieses reale Äquivalent dieser fiktiven Figur klagt den Text auf Urheberrechtsverletzung, das muss man sich mal vorstellen!
also eigentlich sollte man sich etwas ganz anderes vorstellen, eigentlich sollte man sich vorstellen wie ein Alltag in der Luft hängt, ein bisserl schief, nicht aus den Fugen oder aus der Zeit, aber ein bisserl aus der Bahn geworfen, ein bisserl an der falschen Stelle, ein bisserl unverändert undefinierbar falsch hängt dieser Alltag so in der Luft rum, hast du dir das vorstellen können, diesen Alltag, wie einen seltsamen Luftballon, der nicht mehr fliegen kann, aber auch nicht mehr sinken, der nicht strauchelt, sondern vielleicht gefangen ist in einem Baumgeäst, nur gibt es halt keine Äste und keinen Baum, schon gar nicht gibt es einen Luftballon, es gibt nur einen Alltag, der in der Luft hängt, ein bisserl, und dieser Alltag, der ein bisserl in der Luft hängt, ist stolzer Besitzer eines Textes, eines außergewöhnlichen Textes, der nicht so recht reinpassen will in den Alltag, der da in der Luft rumhängt, denn es ist kein alltäglicher Text, es ist kein Alltagstext, kein Text, der sich brav in den in der Luft hängenden Alltag integrieren ließe, du musst dir das in etwa so vorstellen wie eine Uhr am Fußgelenk, eine Armbanduhr am Fußgelenk, am Fuß eines vom Baumgeäst baumelnden Menschen (ob der baumelt mit der Schnur um seinen Nacken oder baumelt mit dem Griff in seinen Händen ist egal, Hauptsache, er baumelt, baumelt vom Baumgeäst), diese Uhr ist der Text, und der Mensch ist der Alltag, der Baum ist die Luft, der Baum ist offensichtlich wieder einmal die Luft, vielleicht lässt du den Menschen lieber von einer Stange baumeln, von einer Teppichklopfstange wie sie ganz früher in den Höfen zum Teppichausklopfen gestangen sind und wie sie früher von Kindern zum Draufrumkraxeln verwendet wurden, und wie es sie jetzt nicht mehr gibt, diese Stangen, in den Höfen, an denen die Menschen baumeln wie Alltage die hängen, in der Luft, an deren Fußgelenken Armbanduhren, aus ihnen herausgebrochene Textteile, so, genau so, muss man sich das vorstellen.

du bist routiniert geworden, plötzlich bist du routiniert geworden.

du bist routiniert geworden, plötzlich bist du routiniert geworden.

die Morgen sind das Schlimmste, die Morgen sind geprägt von mindestens drei am Vorabend gestellten Weckern, von Dunkelheit vor den Fenstern (hinter den Fenstern), auch, wenn der Vorhang aufgezogen ist, die Morgen sind geprägt von der Angst vor dem Morgen, von dem Wissen, dass er nicht anders wird. die Morgen im Winter sind geprägt von Kälte, die Morgen im Sommer von milder Hitze, alle dazwischenliegenden Morgen bilden einen leichten Übergang, sodass schlussendlich sogar die Jahreszeiten verschwimmen.

die Mittage sind geprägt von Hunger, von entweder schon im Voraus gestilltem Hunger, von erwürgtem Hunger, bevor der überhaupt die geringste Chance hat, auf sich aufmerksam zu machen, oder von die Erinnerung zündendem Hunger, von der Art Hunger, die deinem Kopf sagt, du hast Hunger, und deinen Muskeln befehlen kann, etwas dagegen zu unternehmen, manchmal sind die Mittage aber auch geprägt von unstillbarem Hunger, von einem guten oder schlechten Gefühl im Magen, von einem knurrenden Schnurren, von der verstärkten Aufnahmefähigkeit der Nase, von der plötzlichen Liebe zu jeglicher Art von Essen, selbst zu den Gerichten, von denen du weißt, dass sie dir eigentlich nicht schmecken.

die Abende sind entweder ganz leise oder ganz laut, entweder mit heißen Tränen oder kaltem Alkohol beträufelt, die Abende sind der produktivste Teil deiner Tage, sind eine Zeit der Reflexion, eine Zeit der Freude, sind die Zeit, in der alles möglich ist, ob dieses alles nun bedeutet, dass ein Embryo verloren in einer Ecke sitzt und nicht einschlafen kann, oder dass ein aufgelöster Körper die Gliedmaßen von sich schmeißt und sich dazu entscheidet, an überhaupt nichts zu denken.

die Nächte liegen zwischen den Abenden und den Morgen, und je nach vergangener, zukünftiger, gegenwärtiger Okkupation ist das die überhaupt Beste oder Schlimmste Zeit des Tages, der Absolute Tiefpunkt, das absolute Highlight, ob in der Realität oder im Traum spielt hier keine Rolle.

souls mating

no segregation (a small liberation)
freaky friendships are ( )everlasting
one can only find them without searching

trusting has never been a crime
we grinned and joked most of the time
no worries
we were lovers (without kisses) who hugged (without a single touch)
long-distance-friends (who only once shook hands)

i was counting on you
you could on me too
winning without even playing
betting (and losing) the stakes
are staying

willing (but not having) to talk to you
caring (minding) without needing to

if you are down, you can still turn to me
i would never turn on you would still help me get up if i fall
are we still drawing (without a pencil)

every moment celebrating (life’s too short to be kept waiting)
(no worries)
the thrilling feeling
(believing in the unbelievable)
remains as a memory:

seeking a smile
finding laughter
expecting nothing
getting something
it’s a forever-lasting feeling

the mating of two souls

even if they, someday
grow apart

ein Abendbucheintrag

ein unsympathischer halber Nachbar, oder eigentlich, ein unsympathischer dreifacher Nachbar, doppelter Nachbar, vielleicht. nette Nachbarinnen. neutrale Nachbarinnen. Sternstunden des Buchdesigns, Sternstunden des Konsums, Sternstunden des Verkaufs. (ein verkauftes Buch.) zwei verkaufte Bücher? eine Visitenkarte, freiwillig, eine andere Visitenkarte, praktisch. eine Autorin, die sich zum Glück als solche selbst geoutet hat. ein Wein, mit einem rosa Sticker. kein Prozentgehalt. kein Impressum. keine Details. ein rosa Sticker mit weißer Schrift.

ein Dessert. kein Fleisch. Feigheit. ein Versäumnis von früher. kein Versäumnis für später? keine geplante Bekanntschaft. eine ungeplante Bekanntschaft, aber diese auch ungesehen. vorbeiziehende Menschenmengen, wellenförmige Andränge, bei allem und jedem. Transkriptionen. Bücher, Bücher, Nicht-Bücher, Bücher. eine sehr hohe Decke. eine Berühmtheit, live, wirklich live, endlich wieder etwas wirklich live! live verstohlen angeschaut und halb hingegangen, nicht zu nah. live wurde weggegangen, aus allen Blickfeldern heraus.

ein uneingelöstes Versprechen.* Neugierde, starke Neugierde. und Unbill. ein neues, altes, schönes Wort. ein ungelöstes Fragezeichen. ein Schlückchen Wein, gut, drei Schluck, sechs, aber ohne Sex, und ein, zwei Schluck vergossen, in ein Glas, auf Anfrage. (von K., die noch mit der U-Bahn heimgefahren ist.) Flasche heim. alles was gratis ist, ist gut. in der Luft wackelnde Füße. Becher auch heim. dort hätte es ja sowieso keinen Kühlschrank gegeben.

verstohlene Bücherdiebe. der geheime Wunsch, selbst Bücherdiebin zu werden, unehrlich zu sein, etwas mitzunehmen, einfach so. genug Menschen, viele Blicke. ohne Menge fallen sie alle mehr auf. außerhalb der Menge sind ihre Intentionen noch schwieriger zu bestimmen. mit einer Flasche Wein im Rucksack durch die schon viel zu lange Dunkelheit. Sternstunden im Winter erhellen die Nacht. eine lange Nacht.

zwei überaus nette ungeplante Bekanntschaften, gegen Ende. drei verkaufte Bücher auf einmal! (danke an das metallene Gestirn, S und L!) zwei komische Käuze an der Nachtbusstation. einer davon angeblich ein Italiener, dessen Akzent aber zu sehr nach Deutschland klingt. geteilter Wein, mit den erfreulichen Bekanntschaften, nicht mit den komischen Käuzen. komische angetrunkene Käuze machen misstrauisch.* auf ex. die unglasigen Gläser wie immer nur marginal gefüllt. die Bäuche erfüllt mit Wärme, mit Hunger, aber auch mit Wärme. kleine Abenteuer sind die wertvollsten. auch im Keim erstickte Freundschaften sind eine Erinnerung wert.

anfängliche Unsicherheit. schlussendliche Liebe. (klein, aber fein, dieses Messchen!) unbefriedigte Triebe. *klischeehaft, aber wahr.

Erinnerung an gestern

Bücherwälder, Bücherwände, Bücherwälle. Büchermenschen, Büchermischen, Büchermatsch. Buchliebe, Buchhiebe, Buchtriebe. Buchlust, Buchleid, Buchseligkeit.

es ist ein surrealer Tag. die Blätter fallen.

Blätterregen, Blätterteig, Blätterschnee. Blattsalat, Blattabdruck, Blattlosigkeit.

es war ein langer Tag. die Gespräche machen übel.

Sprachlosigkeit, Sprachlosigkeit, Staunen.

es ist ein surrealer Tag. die Menschen sind freundlich und still.

Liebeserklärung, „Liebes“erklärung, Liebes„erklärung“. ein kitschiges Hyperbelgeständnis.

Buch,
B    uch,
Bü       cher.
es ist ein surrealer Tag. die Blätter fliegen aus den Regalen.