Erinnerung an gestern

Bücherwälder, Bücherwände, Bücherwälle. Büchermenschen, Büchermischen, Büchermatsch. Buchliebe, Buchhiebe, Buchtriebe. Buchlust, Buchleid, Buchseligkeit.

es ist ein surrealer Tag. die Blätter fallen.

Blätterregen, Blätterteig, Blätterschnee. Blattsalat, Blattabdruck, Blattlosigkeit.

es war ein langer Tag. die Gespräche machen übel.

Sprachlosigkeit, Sprachlosigkeit, Staunen.

es ist ein surrealer Tag. die Menschen sind freundlich und still.

Liebeserklärung, „Liebes“erklärung, Liebes„erklärung“. ein kitschiges Hyperbelgeständnis.

Buch,
B    uch,
Bü       cher.
es ist ein surrealer Tag. die Blätter fliegen aus den Regalen.

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Geständnisse einer Schreibprinzessin

ich will eine Italienreise machen, wie Goethe damals. nur soll es nicht nach Italien gehen. und es soll nicht Jahre dauern. es sollte Monate dauern, vielleicht maximal ein Jahr. und es sollte in den Tod gehen, also mindestens ins Koma.

mir ist alles zu viel. ich bin froh, dass die Zeit einfach unaufhaltsam weiterläuft. noch länger im letzten Moment und ich wäre verendet. noch länger in diesem Moment und ich fange an zu schreien. aber er ist ja schon vorbei.

was wohl aus mir geworden wäre, wenn ich nie angefangen hätte, meine Finger blutig zu beißen. was wohl aus mir geworden wäre, wenn ich nie geboren worden wäre. was wohl aus mir werden würde, wenn ich wirklich temporär, für längere Zeit, wenn ich der erste Mensch wäre, der zeitlich begrenzt tot sein kann.

aber das geht ja nicht, das haben die Religionen und Mythen und Horrorgeschichten ja schon oft erfunden. ich werde nie das Rad neu erfinden können, ich könnte das Rad nicht einmal alt erfinden, wieder-erfinden, ab-finden, abschreiben. ich könnte nur sterben, nur ein einziges Mal tot sein, und das für immer.

ich will richtig sterben und einen Sarg und ein Begräbnis. Verbrennung fällt weg, genauso wie Organspenden; ich würde sagen, ein Wunder auf einmal ist genug. sterben also. und dann ausgegraben werden, aufgegraben, geöffnet (der Sarg), und hoffentlich lebendig sein. oder gleich wieder lebendig werden.

das schöne an diesem Plan ist, selbst wenn er nicht funktioniert, ist er erfolgreich.

ein Wochenende

ein gutes Wochenende, ein schlechtes Wochenende.
ein produktives Wochenende, ein faules Wochenende.
ein geliebtes Wochenende, ein verhasstes Wochenende.
ein Wochenende voller Inspiration, ein Wochenende ohne Produktion.
kurz: ein ambivalentes Wochenende.

dies ist ein Platzhalter für einen nie geschriebenen Text. dies ist ein Platzhalter für die Ewigkeit.

ein nackter Charakter im Internet vermischt sich mit einer bekleideten Person in der Realität. heraus kommt kurzzeitige Verwirrung. ein nackterer Charakter im Internet legt sich über einen nackten Charakter im Internet. heraus kommt längere Verwirrung. eine große rote Hand vereinnahmt das Bücherregal, beides real. heraus kommt eine neue Angst vor Träumen. die alte Schreibliebe kämpft mit der neuen To-Do-Liste. heraus kommt ein bekanntes Dilemma. Faulheit paart sich mit Gleichgültigkeit. heraus kommt etwas, das man wohl Arbeit schimpfen könnte.

du wirst dieses magische Wochenende heute schon vergessen haben. du wirst der Magie müde werden. du wirst der Magie überdrüssig werden. du wirst die Magie schon gestern nicht mehr finden, wo du sie damals erst entdeckt hast. du wirst dieses magische Wochenende heute schon vergessen haben.

du imaginierst eine Welt, in der es verboten wäre, sich Negativmantras auf die Stirn tätowieren zu lassen, oder sonstwohin. du korrigierst dich sofort und imaginierst eine Welt, in der Pflicht wäre, sich, wenn, Negativmantras tätowieren zu lassen, gut sichtbar was sowohl Größe als auch Platzierung betrifft.

du wirst es nie schaffen. du kannst es niemals schaffen. du wirst es nie schaffen. du kannst es niemals schaffen. du wirst es nie schaffen.


du fragst dich, ob der Rücken als Ort akzeptabel wäre.