ein altes Spiel

während du schreibst, während du über das Geschriebene schreibst,

das Bild verschwimmt, die Wahrnehmung, während du schreibst, während du über das Geschriebene schreibst, rufst du dir den Unterschied zwischen sehen und wahrnehmen in Erinnerung, zwischen bemerken und schauen, zwischen Augen und Kopf,

während du schreibst, während du über das Geschriebene schreibst,

machst dir Gedanken darüber, was die Reaktionen sein könnten, wie man aufnehmen wird, was du schreibst, was du über das Geschriebene schreibst,

während du schreibst, während du über das Geschriebene schreibst,

denkst du keine Sekunde darüber nach, wie du Stellung beziehen würdest, zu dem Geschriebenen, über das du schreibst, zu den Worten, die vorher da waren, vor dem Verschwimmen des Bildes in deinem Kopf,

während du schreibst, während du über das Geschriebene schreibst,

die Farbtöne vermischen sich, die Dinge verschwinden, verschwimmen, wie in einem Film wenn das Bild unscharf wird, aber anders, anders jetzt für dich als in jedem Film,

während du schreibst, während du über das Geschriebene schreibst,

wünscht du dir, dass die Tränen die Konturen noch unschärfer machen, aber der Wunsch wird nicht zur Kenntnis genommen,

während du schreist, während du über das Geschriebene schreibst,

wippst du ganz leicht mit deinem Fuß, um ihn zu beruhigen, um dich in Rage zu versetzen, damit du,

während du schreist, während du schreibst über das Geschriebene,

damit du, während du schreist und schreibst und irgendwann bemerkst, dass du weder das eine noch das andere,

während du schreist, während du schreist über das Geschriebene,

wippst du immer stärker und schreibst immer mehr, die Schreie können deine Gedanken nicht aufholen, die Schreie, die du,

während du schreibst, während du über das Geschriebene schreibst,

nicht aus deiner Kehle presst, du würgst sie aus dem Hals, sie kommen als bunte Tränen heraus,

während du schreibst, während du schreist über das Geschriebene,

während dein Rachen weint, deine Beine zucken, während dein Kopf rebelliert, schreibst du und schreibst über das Geschriebene:

da regnet es einmal und schon sieht man zwei Köpfe im Hof rollen.
du hast sie gehört bevor du sie gesehen hast; du hast wissen wollen, woher das Geräusch kommt, das du gehört hast, bevor du nachgeschaut hast; du hast dich gefragt, ob das donnernde Grollen nur in deinem Kopf ist, bevor du gemerkt hast, dass der ganze Hof es vernimmt.
das Donnern des Himmels vermischt sich mit den grollenden, rollenden Köpfen auf dem immer dunkler werdenden Asphalt.

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