keine Frage

ob du sie Erwartung nennst oder gar nicht bezeichnest, ob du weißt oder willst, dass sie nach dir sterben wird, ob du dagegen ankämpfst oder lieber nicht
ob sie dich regelmäßig heimtückisch von hinten überfällt oder ob ihr euch schon so lange nicht mehr gesehen habt, dass du bei ihrem Anblick ganz starr wirst vor Angst – ob du zu feig oder zu liebenswürdig bist um sie in ihre Schranken zu verweisen, ob du zu resigniert bist um sie überhaupt zu bemerken, ob du verzweifelt genug bist, sie freudig zu begrüßen – ob du sie kennst, ob sie sich verändert hat – ob du viel Zeit mit ihr verbringst oder vor Scham nur den Kopf senken kannst, ob sie dich tröstend umarmen oder auslachen wird
ob du sie fragen wirst, wann sie wieder kommt, ob du wissen wirst, wie lange sie vorhat, diesmal zu bleiben – ob du dich mit ihr auseinandersetzen willst oder versuchst, sie zu verdrängen
ob du jemandem von ihr erzählen wirst oder sie lieber verschweigen, ob du sie teilen willst oder ganz allein für dich behalten, ob du sie am liebsten herschenken würdest, ob du darüber nachdenkst, sie beim nächsten Gewitter auf der Straße einzusperren – ob das Wort Gewitter ihre nahenden Schritte auslöst oder ihr Fortgehen – ob du sie beim Fortgehen triffst oder dort verloren hast – ob sie dir treu bleibt, ob du willst, dass sie dir treu ist, ob du willst, dass sie isst,
ob du sie ernähren willst oder es nur tust, weil es bequem ist – ob du sie wirklich bei dir haben oder einfach nicht einsam sein willst – ob du es bereust, dass ihr euch vorgestellt wurdet – ob du es bereust, sie eingeladen oder deine Türen nicht verschlossen zu haben – ob du endlich den Mut finden wirst, es ihr zu gestehen oder weiterhin unglücklich bleiben wirst

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Erbsenzählen

umgib dich mit besseren Menschen, dann wirst du auch selbst zu einem besseren Menschen.

das hast du ihnen gesagt, ohne wirklich darüber nachzudenken. du hast es gesagt, weil du es geglaubt hast, weil es logisch erschien, in dem Moment, weil du der Ansicht warst, dass es stimmt, dass du selbst schon an dieser Erfahrung teil hattest, dass es ja nicht falsch sein kann, wenn dir deine eigene Wahrnehmung sagt, es ist wahr.

Tage später, vielleicht sogar Wochen danach, findest du den Satz wieder. du hattest ihn aufgeschrieben, um ihn nicht zu vergessen, du hattest ihn notiert, damit du auch wirklich eine Chance hast, dich selbst daran zu halten. denn tatsächlich, wenn er nicht wieder aufgetaucht wäre, wenn die Tiefen der Zettelmeere ihn nicht ausgespuckt hätten, hättest du ihn wohl vergessen.
aber jetzt beginnst du zu zweifeln, zu philosophieren. es ist spät, und obwohl du nichts getrunken hast, fühlst du dich betäubt. wärst am liebsten taub für die Geräusche, blind für die Formen, stumm für die Worte dieser Welt. aber deine Gedanken möchtest du nicht hergeben, um keinen Preis würdest du dich von deinen Gedanken trennen wollen, wie abwegig, sinnlos und weltfremd sie auch sein mögen.

wie kannst du dich mit schlechten Menschen umgeben; behauptet denn jemand von sich, ein schlechter Mensch zu sein, außer in Momenten tiefer Depression?
wieso sollst du dich mit guten Menschen umgeben; sind es nicht gerade die Fehler der unperfekten, die dich auf deine eigenen aufmerksam machen?
wieso sollst du dich mit besseren Menschen umgeben; deprimiert dich ihre annähernde Perfektion nicht mehr, als sie dir hilft?

du hoffst, dass sie deine Pseudoweisheit, deinen Rat schon vergessen haben, denn du weißt nicht einmal mehr, wem du ihn erteilt hast. du musst daran denken, dass einer deiner Freunde ungebetene Ratschläge hasst. du schämst dich. du hoffst, du erinnerst dich noch bald an ihre Namen, damit du sie anrufen kannst und ihnen sagen, dass es dir leid tut, dass es nicht so gemeint war, dass sie vergessen sollen, was du ihnen scheinbar offenbart hast, dass sie nicht gleich den Kontakt zu dir abbrechen sollen. du bist ein schlechter Mensch.