Regen mit i

es war auf einer Hochzeit, ich weiß nicht mehr, wessen, als wir über Sex am Friedhof sprachen. ich weiß nicht mehr, welcher es war, aber eine Frau erzählte von einem bestimmten Friedhof, einem kleineren; der Zentralfriedhof ist es nicht gewesen. damals reizte mich der Gedanke, denn ich mochte Friedhöfe. ich mag Friedhöfe immer noch, aber der Gedanke, Sex in der freien Natur zu haben, schreckt mich inzwischen ab. in einem Zelt wäre es durchaus vorstellbar, aber wer nimmt schon ein Zelt auf den Friedhof mit, ohne Aufsehen zu erregen und wer baut schon am Friedhof ein Zelt auf, nur um Sex darin zu haben. ja, natürlich würde ich es tun, aber es wäre ja nicht einmal dasselbe. außer vielleicht, wenn es ein durchsichtiges Zelt wäre, vollkommen transparent, bis auf den Boden. dann würde zumindest die Stimmung nicht völlig abgeschottet werden. aber dann würden vermutlich alle glauben [wer weiß schon, wie viele Menschen sich wirklich nachts auf Friedhöfen herumtreiben um nach oder in durchsichtige(n) Zelte(n) (zu) (Aus-)(schau(en)) (zu halten)], dass es eine Mutprobe ist, oder dass ich Angst vor Gespenstern oder Zombies habe, und das wäre eine grobe Verzerrung der Realität. ich habe nämlich weder Angst vor Gespenstern, noch vor Zombies, noch vor nächtlichen Friedhöfen. wovor ich Angst habe, das sind Zecken, die sich am Geschlechtsorgan festbeißen. oder Spinnen, die ihre Eier in meinen Hals legen, und die vielen kleinen Spinnenkinder, die dann genau während dem Sex da rausschlüpfen. wie in Fargo: „they were – he was sleepin‘, and“ usw.

ein Zelt hätte den weiteren Nachteil, dass ich gleich merken würde, wenn es regnet. das gibt es in einem Haus oder in einem dieser riesigen, übergroßen, überdachten Gstopftengräber nicht, es sei denn, ich stehe direkt vorm Fenster bzw. im Eingang. aber auch hier müsste sich eine Möglichkeit finden, die Insekten draußen zu behalten. ein Fliegengitter gefällt mir sehr als Idee, die Frage ist nur, ob es so große Fliegengitter gibt, dass sie den ganzen Eingang zu diesen Einzelkatakomben völlig abdecken können. alle Tierchen, die sich dann nach dem Fliegengitteraufbau noch drinnen befinden, müssten entweder gesammelt und sicher verstaut oder getötet werden. etwas viel Aufwand für ein bisschen Friedhofssex, noch dazu wo die meisten dieser Reichen ja relativ nah am Friedhofseingang liegen, also mit Blick zur Mauer, da hat man keine schöne Aussicht auf die ganzen anderen Gräber, also immer noch keine ideale Option, aber dem Zelt definitiv vorzuziehen. das Regenproblem wäre zumindest gelöst. wenn es in der Nacht überhaupt regnet. aber wenn es dann anfängt zu regnen, gibt es oft diese Ambivalenz, denn meistens klingt Regen wie Wind. vielleicht ist es anfangs auch nur Wind, der sich später in Regen transformiert. oder ein kurzer, heftiger Schauer, denn man kann die einzelnen Tropfen nicht auseinanderhalten, gefolgt von einer starken Böe, gefolgt von tropfenauseinanderhaltbarem Regen. jedenfalls eine wunderschöne Doppeldeutigkeit. man darf halt dafür nicht gleich am Eingang liegen, so nah am Fliegengitter, dass die Gefahr besteht, es einzureißen, oder dass Regentropfen dadurch auf einen drauffallen könnten. aber hinter oder neben der Statue in der Mitte finden sich sicher genug lauschige Plätzchen.

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und wenn dann alles vorbei ist, renne ich das Fliegengitter ein, oder versuche es zumindest, und wenn es mir misslingt, nehme ich mein Taschenmesser und schneide es auf, nur ein Schnitt, nicht allzu groß, aber groß genug um hinauszugehen. und wenn es mir gelingt, dann falle ich slapstickartig mit dem Fliegengitter auf den Boden. dann lasse ich mich beregnen oder bewinden oder beides und überlege mir, was jetzt aus dem Fliegengitter werden soll. wenn ich davor zu viel gekauft habe, entscheide ich mich wahrscheinlich dazu, das kaputte runterzunehmen und irgendwo zu entsorgen oder zu reinigen und daheim als Erinnerung an die Wand zu hängen, zumindest Teile davon. und dann wird nochmal der Eingang vergittert, diesmal aber von außen, es soll ja niemand eingesperrt werden, außer vielleicht die paar Viecher, die schnell genug waren, sich zwischen runterreißen und neuaufhängen da reinzuschummeln, aber die sind dann selber Schuld, wenn sie verhungern oder sich nur von Hautschuppen und Kleiderfasern ernähren können. das letzte Problem, das es zu lösen gibt, ist dann die Frage, wie und von wo aus die Gesichter der Menschen, die an dem fliegenvergitterten Riesengrab vorbeigehen, am besten zu betrachten sind. ich sehe nur zwei Möglichkeiten, entweder verstecke ich mich irgendwo in sicherer Entfernung, weit genug weg, sodass das Lachen keine Chance hat, die verdutzten Friedhofsgeher zu erreichen. oder, weitaus praktischer, aber auch komplizierter zu verwirklichen, dafür gefahrlos: ich installiere eine versteckte Kamera, auf der Statue vielleicht, oder eingebaut in das Fliegengitter. wobei dann der Spaß natürlich vorbei wäre, sobald jemand es entfernt, nein, die Statue oder die hintere Wand vom reichen Grab eignen sich da schon besser.

und wenn ich an happy ends glauben würde, wäre der Mensch, mit dem ich das alles einmal wirklich durchziehe auch derselbe, der sich auf unserer Hochzeit anhören müsste, wie ich davon allen Gästen erzähle, vom Windregen und vom Friedhof und vom Sex.

{[(
nicht ganz unparteiisch, aber trotzdem wahr: meine erste Rezension auf einem befreundeten Blog.
)]}

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2 Gedanken zu “Regen mit i

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