Laien

einerlei kannst du nicht über etwas sprechen ohne es explizit beim Namen zu nennen, andererlei passiert dir das stündlich, unabsichtlich; einerlei denkst du dir „das interessiert mich doch gar nicht“, andererlei findest du es dann doch wissenswert oder lustig; also lachst du einerlei über einen andererlei grottenschlechten Witz; willst einerlei vor Scham ganz tief im Boden versinken, aber andererlei den Bauchmuskelkater doch noch nicht nach Hause schicken.
einerlei hast du gesagt, dass du deshalb jetzt wieder Lust zum schreiben hast, andererlei nur angeblich; einerlei glaubst du es, andererlei Gedächtnislosigkeit; einerlei wüsste jeder der du wäre, dass du nicht schreiben kannst, andererlei unmöglich; einerlei Fröhlichkeit, andererlei viel zu viele viel zu aufdringliche Gedanken in deinem Kopf; einerlei Sättigungsgefühl, andererlei voller Kühlschrank mit viel zu vielen bald viel zu abgelaufenen Lebensmitteln.

zweierlei sorgst du dich wieder einmal um dein Gedächtnis, dreierlei hast du damit wohl nie ganz aufgehört, viererlei wirst du dies wiederum morgen schon nicht mehr wissen und fünferlei geben dir diese Umstände eine gewisse Narrenfreiheit, die du sechserlei nicht missen wollen würdest, deren siebenerlei Nachteil es jedoch ist, dass du achterlei jedem immer so oft wie möglich davon erzählen musst, was dir neuerlei nichts ausmacht, da dein Mitteilungsdrang zehnerlei unermesslich ist, was aber elferlei auch nicht jeder immer akzeptieren wird und so zwölferlei bald zu Missverständnissen oder Meinungsverschiedenheiten, dreizehnerlei, oder gar, vierzehnerlei, zu ganz drastischen Auseinandersetzungen führen könnte.

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in der Müdigkeit

in den Morgenstunden, in der Müdigkeit dauert alles länger, eine Minute dauert länger, die Sekunden brauchen mehr Zeit zu vergehen, dein Herzschlag ist schneller als sonst, deine Atmung langsamer, du gähnst länger als sonst, alles dauert länger, scheint länger, die Zeit vergeht anders, die Zeit vergeht bisweilen überhaupt nicht; in der Müdigkeit tickt die Uhr langsamer, du gähnst langsam, in der Müdigkeit brauchen die Buchstaben mehr Zeit um Worte zu formen, brauchen die Worte mehr Zeit um sich zu Sätzen zu gruppieren, brauchen alle Sätze, nicht nur deine Sätze, mehr Zeit, bis sie Sinn ergeben; in der Müdigkeit brauchen deine Augen länger um zuzufallen und brauchen deine Augenlider länger um sich zu öffnen, in der Müdigkeit ist alles langsamer, alles träger, auch du bist träger, nur dein Herzschlag ist schneller, es muss ja wohl einen Punkt geben, etwas geben, einen Kontrast zu dieser ganzen Trägheit, Gähnheit, wenn schon alles um dich herum langsamer abläuft, läuft dein Herz vor dir davon, es ist die einzige Zeit am Tag, die Müdigkeit ist die einzige Zeit am Tag, in der es das kann, in der es diese Freiheit spürt und wahrnehmen will, in der du zu träge bist um es aufzuhalten, in der du zu träge bist um zu verstehen, wieso es überhaupt davonläuft, in der du auch garnicht verstehen willst, wieso es überhaupt davonläuft, in der Müdigkeit lässt du dein Herz einfach davonlaufen, klopfst dreimal auf dein Bett und lässt es laufen, einfach weil es wurscht ist.
du lässt dein Herz davonlaufen weil du zu müde bist es aufzuhalten, weil du zu müde bist darüber nachzudenken wieso es davonläuft, weil du zu müde bist irgendeine Schlussfolgerung aus dem Grund zu ziehen, aus dem es davonläuft, du lässt es einfach laufen und schließt deine Augen und atmest langsam und träge und redest leise und nicht schnell und denkst überhaupt noch langsamer, ganz langsam denkst du, so langsam, dass du fast vergisst, was du bisher gedacht hast, bevor du dein nächstes Wort denkst, und so musst du dein Herz laufen lassen.

erst wenn du wach bist kannst du dich fragen, kannst du zweimal klopfen und dich fragen, warum dein Herz dir davonlaufen will wenn du müde bist, aber wenn du wach bist hast du besseres zu tun als auf solche unbedeutenden Fragen eine Antwort zu suchen, die zwar vielleicht interessant, aber genauso nichtssagend wie die Frage wäre, du klopfst an die Tür.