Schrödingers Zukunft

wenn du daran denkst, wird es nicht passieren. darum gab es noch nie eine Zombieapokalypse, darum wird es nie eine geben, weil es der running gag der Menschheit ist, weil das Internet von solchen Szenarien überschwemmt ist. wenn es einmal eine gibt, dann im Traum von einem Baby, das das Wort noch nie vernommen hat. oder in einem Kloster, das nur mehr aus Mönchen oder Nonnen besteht, die als kleine Waisen dorthin kamen und seitdem keinen Kontakt mehr zur Außenwelt hatten.
also hat es gar keinen Sinn sich zu fragen „was wird morgen passieren“ oder „wen werde ich am Wochenende treffen“ oder „wird X mir verzeihen“. die Frage alleine führt unvermeidlich zu einer Spekulation, zu einem „also zuerst sollte ich …“ oder „Y hat mich eingeladen, aber Z habe ich schon lange nicht gesehen“ oder „ich frage einfach mal, wir werden schon darauf zu sprechen kommen“ und dann ist der Stein ins rollen gebracht, nein, dann rollt der Stein bereits, den ganzen Berg hinunter, und du wartest geduldig unten und fängst wieder an, ihn raufzuquälen, sobald er angekommen ist. denn die erste Spekulation bringt eine ganze Lawine zu Sturz, an dieser Stelle fangen die fiktiven Dialoge an, die tagträumerischen Ausmalungen, aus denen du siegreich hervorgehst, oder maximal vorläufig besiegt, in denen sich jedenfalls langfristig alles zum guten wendet, also den Ausgang findet, den du willst, den du dir ersehnst, am meisten wünscht, und der dann selbstverständlich nie eintreffen wird.

Advertisements

zerstörte Realitäten, ein Dialog

ich könnte zum Beispiel nie Schauspielerin werden.“
aber du wolltest doch immer-“
es geht ums Prinzip! ich müsste einfach viel zu viel dafür lernen oder viel zu oft von einem Double ersetzt werden. rauchen zum Beispiel, ohne zu husten natürlich. ein Freund von mir hat mal einen Film gedreht und seine Schauspieler haben in ein, zwei Stunden ganze drei Packerl aufgraucht oder so, hat er gesagt. meine Lungen würde das nicht mitmachen, mein Hals auch nicht. das erinnert mich an Freud, sein Zimmer stell ich mir immer voller Rauch vor, wenn ich es mir mal vorstelle. achja, und eingeraucht sein faken natürlich auch. oder einen Drogentrip darstellen oder so, unmöglich. also sicher möglich, aber unmöglich realistisch, nach meinen Maßstäben, jedenfalls in komplett nüchternem Zustand. und dann noch diese Handy-zwischen-Schulter-und-Ohr-Pose, die kann ich überhaupt nicht, zumindest nicht, ohne es runterzuschmeißen und kaputt zu machen oder am anderen Ende der nicht sichtbaren Leitung nix zu verstehen. oder für regnerische Szenen den Schirm so halten, handlos, ohne nass zu werden. wobei das alles sicher noch relativ schnell zu lernen wäre, eine Woche, vielleicht ein Monat, aber währenddessen dann auch noch Notizen machen, da hört sichs dann auf. also inklusive Stift und Papier suchen und so. und ich mein, es bringt sich ja auch nix, tausend Posen einzustudieren, zu üben, nur für den Fall, dass man sie mal brauchen könnte. also wenn ich nicht weiß, dass ichs brauch, würd ichs ja nicht machen. aber wenn ich weiß, dass ichs brauch, bräucht ich viel zu lang ums zu schaffen! auf Kommando weinen steht natürlich auch ganz oben auf der Liste. weil Zwiebeln machen mir einfach nur rote Augen, und wenn Tränen kommen, dann immer dieselbe Art, dünn, sehr dünn, abgemagert, und sie schaffen es meistens nicht bis zum Kinn. sowas kann ich nicht brauchen, also zumindest nicht immer. ich will auf jede erdenkliche Art plötzlich zu weinen anfangen können, verzweifeltes Brüllen, Lachtränen, satte, fette Tropfen, die aus den wässrigen Augen gepresst werden. also ich würde wollen, wenn ich Schauspielerin wollen werden würde. und tief pfeifen, ich pfeife nämlich viel zu hoch, hörst du?“ *pfeift*
ich glaub nicht, dass es möglich ist, viel tiefer zu pfeifen …“
also ich finde jedenfalls dass ich viel zu hoch pfeife, ich will gern tiefer pfeifen können, aber ich schaffs einfach nicht, weiß nicht, woran das liegt. jedenfalls is das ein großes Manko, weil wenn mal in einem Drehbuch steht: sie pfeift eine Melodie vor sich hin; oder sowas, dann will ich schon selber pfeifen und nicht einfach nur so tun als ob und jemand pfeift dann quasi über mich drüber, in der post-production. keine Doubles, oder halt so wenig Doubles wie möglich, also nur bei gefährlichen Szenen und so. ich mein, ich müsste wahrscheinlich sowieso meine ganze Attitude ändern, du kennst mich ja, du weißt ja, wie ich bin. unlängst hab ich mich wieder gefragt: wenn ich was wo vergesse, in einem Lokal zum Beispiel, am nächsten Tag dann anrufe und mir gesagt wird, dass es nicht da ist, wurde es mir dann gestohlen oder habe ich es eher verloren? weil irgendwer hat es ja sicher gestohlen, vielleicht unabsichtlich, durchaus möglich, aber objektiv gestohlen. andererseits hab ichs davor ja liegen lassen, wenn ich das nicht getan hätte, hätte es mir nicht gestohlen werden können. verstehst du, was ich mein? es ist so ähnlich wie diese Henne-Ei-Geschichte. und wenn ich halt den ganzen Tag rumlauf mit solchen Gedanken im Kopf, dann is da nicht mehr unbedingt viel Platz zum auswendiglernen und so drin.“