Fragmen-Tee

was für eine Serie wäre dein Leben? eine Liebeskomödie? (aber dafür müsstest du zu viele schlechte Küsse, schirche Bilder, mehr oder weniger Vergewaltigungen und quasi alle Enttäuschungen streichen.) ein actiongeladener Thriller? (aber dafür müsstest du zu viel dazu erfinden und auch noch irgendwie für all die atemberaubenden special effects zahlen.) ein nie wirklich spannender Krimi? (aber das stand eigentlich sowieso nie zur Auswahl.) welchen Aspekt deines Lebens würdest du behalten? was müsstest du alles ändern um die ganzen Schauspieler, Regisseure und Autoren zufrieden zu stellen? welche Teile deines Lebens sind verzichtbar, welche sind dir am wichtigsten, „was macht dich aus“?

2,50€ für eine einzige Flasche voller Beißkugerln ausgeben und sie dann so lange schütteln und aufdrehen, schütteln und aufdrehen, bis du dich fragst, ob eine Flasche Alkohol nicht besser gewesen wäre, wenn andere Drogen schon nicht erlaubt sind im Flugzeug.

es ist nie eine gute Idee, zwei Drogen („“) zu kombinieren, deren Wirkungen sich ziemlich genau überdecken (bzw. bei denen nicht immer wirklich klar ist, was genau jetzt auf welche Substanz zurückzuführen ist, bzw. bei denen das keinen Unterschied macht). es ist eine noch schlechtere Idee, die stärkste Wirkung dieser Drogen zu unterschätzen und zu glauben, dass es möglich ist, diese zwei Nächte hintereinander zu ignorieren. erst Recht, wenn mehr als eine Person beteiligt sind. das kann ja dann nur zu einem befriedigenden Ergebnis führen. (‚Nie?)

am Flughafen krampfhaft versuchen, die Aufmerksamkeit von sich wegzulenken, aber dann erst doch nicht bemerkt werden, maximal der Hund schnüffelt an deinem Koffer und das auch nur, weil die Kleidung darin unfassbar stinkt, das nennt man fehlplatzierte Enttäuschung.

Füße. Füße überall, Schuhe, um genauer zu sein und Hosen, viele Hosen. zwei, drei Strumpfhosen, ein Rock, oder vielleicht hast du welche übersehen, keinen Schottenrock jedenfalls, das wäre dir aufgefallen, oh, noch eine Strumpfhose, seufz. zu viel Zeit, viel zu viel Zeit, viel, viel zu viel Zeit. viel zu früh ist die Zeit außerdem (nicht, dass die Zeit selbst etwas dafür könnte), da ist noch niemand ansprechbar, zumindest niemand, den du gut kennst, du würdest den oder die ja auch nicht gut kennen wenn sie jetzt schon ansprechbar wären, nicht wahr? seufz.

grauslicher Tee im Flugzeug, nie wieder, nie wieder, wenn dein Hals nicht so spioniert wäre, hättest du dir das eh nie angetan, du musst merklich das Gesicht verziehen, es ist einfach nur sauheißes Wasser mit Farbstoff und einem ekligen metaphorischen Teeblatt drin, es ist einfach nur zum verzweifeln, und nach dem grindigen Pappbecher schmeckt es natürlich auch noch, kotz, würg, du versuchst, es nicht auszuspucken, wahrhaftig, du übertreibst nichtmal ein kleines bisschen, also entweder ist da wirklich Teein drin oder ein sich so sträubendes Gehirn kann vor lauter Ekel nicht wach bleiben, du schüttelst dich, lange, wenigstens tut die Wärme ein bisschen gut, sonst wärst du schon längst weg, ganz weg, wirklich, wobei Suizid im Flugzeug wahrscheinlich eine zu große Herausforderung wäre, aber #challengeaccepted, der Geruch macht dir grausliche Gänsehaut, raus, einfach nur raus, #escape, please – ah, es ist vorbei, halbhallelujah, weil du den Geschmack fix nicht bald los bist, rülps.

what a / water – melon

Werbeanzeigen

Menschen wie Absatzlosigkeit

es gibt Menschen wie du und es gibt Menschen wie ich. Menschen wie du wissen immer, was sie zu sagen haben. Menschen wie du können kochen und leben und selbstständig sein. Menschen wie ich wissen erst, wenn es zu spät ist, dass sie etwas falsches gesagt haben. Menschen wie ich können kein einziges Geheimnis für sich alleine bewahren. Menschen wie ich besitzen zwar Empathie (naja, fast), können aber nicht richtig damit umgehen. Menschen wie ich müssen alles immer irgendjemandem erzählen, egal was, egal wem (naja, fast). Menschen wie ich verletzen Menschen wie dich. Menschen wie ich fangen gerade erst an, leben zu lernen. Menschen wie du müssen „wenn ich mich umbringe, ist es deine Schuld“-Sätze in den Mund nehmen. Menschen wie du kennen den Reiz, den ein Geheimnis erzeugt, dieses „ich weiß was, was du nicht weißt“-Gefühl. Menschen wie ich können nur Dinge wie „wenn du dich wirklich umbringen wollen würdest, hättest du das schon längst getan“ und „ich kann genauso an meinem Grab stehen und sagen: mir waren alle Menschen egal, alle, ausnahmslos“ bzw. ein unglaubwürdig klingendes „sorry“ in Krisensituationen aussprechen. Menschen wie ich hassen es, wenn Menschen wie du über jemanden lästern und denken sich Sachen wie „soll ich das der betreffenden Person erzählen?“ und „würde ich wissen wollen, wer was über mich lästert?“ bzw. schlimmstenfalls „aber über mich lästert doch eh keiner!“ Menschen wie ich sollten hungrig und müde und geistig halb abwesend keine Gespräche führen dürfen. Menschen wie ich hassen es, immer überlegen zu müssen, wer was von wem seit wann warum und wieviel genau weiß. Menschen wie wir hatten vielleicht nie wirklich eine Chance, gleichwertig miteinander zu kommunizieren. Menschen wie wir haben einfach eine nicht-kompatible Philosophie in solchen Dingen. es gibt Menschen wie du und es gibt Menschen wie ich.

durchmachen and then some

sie sagen,
deine Augenlider werden schwer, fallen zu,
aber das stimmt nicht. mit deinen Lidern ist alles in Ordnung,
mit deinen Augen soweit auch. ein bisschen fixiert sind sie halt und dein Blick wird kurz verschwommen,
wenn du ihn zu weit weg vom Ausgangspunkt richten musst, Augen schließen schadet auch nicht,
für eine viertel Sekunde, oder vielleicht eine halbe,
oder doch auch länger. dann siehst du wieder alles scharf,
ganz normal, wie immer,
nein, du merkst keinen Unterschied,
alles gut.

dein Kopf soll schwer sein,
aber es ist nicht die Schwere des Kopfes, die dich stört,
sondern seine Unhaltbarkeit. nicht, dass er dir vom Hals fallen würde,
dafür sorgst du schon,
nein, vielmehr könnte er jeden Moment nach vorne oder nach hinten knicken,
und wer weiß, wann er dann wieder raufkommen würde,
das nächste Mal. vom potentiellen Genickbruch garnicht erst anzufangen.

vor der Kälte hat dich niemand gewarnt,
oder wenn, hast du es wohl nicht mitbekommen. dabei war dir doch eben noch so heiß. hast du das Fenster zu spät geschlossen? Zeitgefühl existiert ja keines mehr in deinem Kopf,
die Zeit vergeht viel zu schnell,
oder du denkst einfach langsamer als sonst,
oder beides,
oder die Uhren verarschen dich und wenn du hinschaust bleiben sie stehen und wenn du wegschaust holen sie die ganze Zeit nach, die du sie angestarrt hast,
and then some.

nein, müde,
wieso denn, wer kommt denn auf sowas,
nein, vielleicht vor ein paar Stunden, wo es noch dunkel war,
aber jetzt, nein, nein, hellwach,
gut, vielleicht nicht gerade hell,
aber doch wach. wach genug. die Schriftart der Worte, die du gerade liest,
ändert sich,
aber was ist schon bedenklich daran? kommt sicher vom stundenlangen immer-auf-denselben-Bildschirm-starren.

Fragmente

Wecker läutet. liegen bleiben. 7:00. Augen schließen. 7:12. Augen schließen. 7:29. Augen schließen. 7:49. Augen schließen. 7:51. Zeitgefühl verloren. Augen schließen. 7:55. Zeitgefühl wieder verlieren wollen. 7:56. Augen schließen. 7:59:15. aufstehen.

dieses Gefühl, vollgefressen zu sein, aber trotzdem Hunger zu verspüren. das kennst du sicher.

wie oft noch, bis du merkst, was du anrichtest, bis dir bewusst wird, dass ein Graben der letzte sein muss, bis dich jemand direkt genau darauf anspricht?

niste mich dort ein“, dieser Ausdruck hat dir schon immer etwas angetan gehabt. nisten, Nest, nesteln, Nescafé, Nesquik, Nessel!

Obsession

experimentell heißt, die These muss mit dem Beispiel begründet werden, das Ergebnis heißt Experiment und ist experimentell.

mach, dass es juckt, ich weiß, du kannst das. ich weiß, du weißt wie das geht, unbewusst. ich weiß, du weißt nicht bewusst wie du es jucken machen kannst, aber ich weiß, dass du es schon oft getan hast, weiß(t), wie es geschieht. mach, dass es juckt, und dann versuch, den Juckreiz zu stillen, und dann kratze und kratze und kratze bis das Kratzen zu einer anderen unangenehm-angenehmen Empfindung wird, zu einem neuen Juckreiz, der nicht aufhört, nie aufhört, du kratzt und kratzt und es juckt immer noch, du hörst auf zu kratzen und es juckt umso stärker und dann kratzt du so lang bis du nicht mehr kratzen kannst und dann ist der Juckreiz immer noch da, aber du nicht mehr.

Salz in die Wunde und die Chipspackung durch Zufall wie eine Spirale aufreißen, spiralförmig aufreißen, immer weiter und weiter bis nichts mehr übrig bleibt, weder (von) außen noch innen.

Synonyme

du gehst und gehst und versuchst das Loch in deinem Magen zu ignorieren. du versuchst das Loch in deinem Magen zu ignorieren und deine Schritte zu beschleunigen und dich auf deine Gedanken zu konzentrieren. du willst dich auf deine Gedanken konzentrieren und nicht auf das Loch in deinem Magen und du willst, dass die Zeit schneller vergeht.

links, rechts, links, rechts, links, rechts, es ist eine alte Leier, eine zu alte Leier; bald werden deine Gedanken davon nicht mehr ausgefüllt, zu bald. vor allem nervt dich, dass du offensichtlich immer eine der beiden Richtungen betonen musst. links, rechts, links, rechts, links, rechts, so viel zur Gleichberechtigung. du seufzt, atmest, ein, aus oder aus, ein, du weißt es bald nicht mehr, und dann fängst du von neuem an, aber diesmal umgekehrt, das heißt, wenn dein linker Fuß den Boden berührt denkst du rechts und wenn dein rechter Fuß den Boden berührt denkst du links, also

rechts, links, rechts, links, rechts, links, rechts, links. das hältst du länger durch als die allerherkömmlichste Variante, aber nicht lange genug, um die Schmerzen in deinem Magen vergessen zu können. nach einiger Anstrengung kannst du es aber bei dieser Variante erreichen, keine Richtung vorzuziehen. (rechts, links, rechts, links, rechts, links, rechts, links.) allerdings bist du in nicht paradox genuger Stimmung und auch nicht geduldig genug um bei dieser Möglichkeit stehen zu bleiben.

rechts, links, rechts, links, rechts, links, rechts, links, rechts, links – diesmal änderst du deine Gedanken nicht, oder nur halb. denn dir fällt auf, dass dein linker Fuß den Boden verlässt wenn dein rechter auf ihn fällt – und umgekehrt. also hast du etwas von beidem, eine perfekte Symbiose sozusagen. du denkst beim richtigen Fuß, aber der richtige Fuß macht die falsche Bewegung: rechts, links, rechts, links, rechts, links, rechts, links, rechts, links. die perfekte Lösung, vielleicht. vielleicht lässt sie dich nur lange genug das Loch in deinem Magen vergessen, lässt dich vergessen, dass du dich infizieren würdest, wenn du es berühren würdest, lässt dich vergessen, dass du das eigentlich willst, also es berühren, nicht, dich infizieren, denn sterben willst du nicht, noch nicht, aber Blut hast du schon immer gemocht, und einen Vakuummagen sowieso, nicht nur wegen dem doppelten Doppelbuchstaben.